Schnulze, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schnulze · Nominativ Plural: Schnulzen
Aussprache
WorttrennungSchnul-ze
Wortbildung mit ›Schnulze‹ als Erstglied: ↗Schnulzensänger · ↗schnulzig  ·  mit ›Schnulze‹ als Letztglied: ↗Edelschnulze · ↗Heimatschnulze · ↗Rührschnulze
 ·  mit ›Schnulze‹ als Grundform: ↗schnulzen
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend textlich und musikalisch rührseliges, kitschiges Machwerk der Unterhaltungsmusik
Beispiele:
eine Schnulze verfassen, vortragen, auspfeifen
Eine Schnulze besteht aus einem vollkommen blödsinnigen Text und aus einer unerträglich banalen Melodie [Weltbühne1955]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schnulze f. ‘sentimentales kitschiges Lied, Musikstück, Theaterstück, rührseliger Film’, um 1950 in der Zeitungssprache aufgekommen und von da verbreitet (bereits 1892 Name bzw. Pseudonym eines Kritikers). Herkunft nicht geklärt. Es handelt sich um eine eigenwillige affektische Bildung, vielleicht entweder (als Versprecher?) in Anlehnung an Schmalz ‘sentimentales Gefühlsprodukt’ oder (vgl. Küpper Wb. d. dt. Umgangsspr. 2 (1966) 259) zu nd. snulten ‘überschwenglich reden, gefühlvoll tun’, verwandt mit nd. snulle ‘nett, angenehm, lieb’. Vor allem mag der Name Schulze einen gewissen Einfluß ausgeübt haben.

Thesaurus

Synonymgruppe
(kitschige) Aufnahme · ↗Rührstück · Schnulze  ●  Weepie  engl. · Rührschinken  ugs. · ↗Schmachtfetzen  ugs. · Tränendrücker  ugs. · Tränendrüsendrücker  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arie Chanson Lied Marsch Mischung Rock Schlager Schnulze Song erklingen italienisch schön sentimental singen triefend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schnulze‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er zögert auch nicht, sich mit Schnulzen dem weißen Mainstream anzudienen.
Die Zeit, 24.02.2005, Nr. 09
Selbst aus einer Schnulze kitzeln sie irgendwie noch ein prickelndes Stück Musical Entertainment.
Die Welt, 31.08.2000
Haben Sie politisches Pamphlet und Schnulze vermischt, um einen sicheren Bestseller zu produzieren?
Der Spiegel, 03.11.1986
Wer den Knüller und die Schnulze ausgeheckt hat, wird nie geklärt werden.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 101
Gerade in diesen Schnulzen scheint das aus einer Welt verdinglichter Beziehungen verbannte Gemüt eine neue Heimstatt gefunden zu haben.
Worbs, Hans Christoph: Schlager. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 6440
Zitationshilfe
„Schnulze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schnulze>, abgerufen am 20.05.2019.

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