Schleier, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schleiers · Nominativ Plural: Schleier
Aussprache
WorttrennungSchlei-er
Wortbildung mit ›Schleier‹ als Erstglied: ↗Schleiereule · ↗Schleierfahndung · ↗Schleierschwanz · ↗Schleiertanz · ↗Schleiertuch · ↗Schleiertänzerin · ↗schleierhaft · ↗schleierig · ↗schleierlos
 ·  mit ›Schleier‹ als Letztglied: ↗Brautschleier · ↗Duftschleier · ↗Dunstschleier · ↗Elfenschleier · ↗Ganzkörperschleier · ↗Gazeschleier · ↗Halbschleier · ↗Nebelschleier · ↗Rauchschleier · ↗Regenschleier · ↗Reiseschleier · ↗Spitzenschleier · ↗Trauerschleier · ↗Tränenschleier · ↗Tüllschleier · ↗Witwenschleier · ↗Wolkenschleier
 ·  mit ›Schleier‹ als Grundform: ↗entschleiern · ↗verschleiern
eWDG, 1976 und DWDS, 2016

Bedeutungen

1.
der Verhüllung von Kopf, Körper, Haar oder Gesicht einer Frau dienendes, meist sehr feines und oft durchsichtiges Stück StoffQuelle: DWDS, 2016
a)
sehr feines und leichtes, Gesicht oder Kopf einer Frau verhüllendes, durchsichtiges GewebeQuelle: WDG, 1976
Beispiele:
ein dünner, dichter, duftiger, seidener, weißer, flatternder Schleier
ein Schleier aus Spitzen, Tüll
ein Hut mit Schleier
der Schleier fällt herab, weht im Wind
einen Schleier tragen, stecken, lüften
den Schleier vor dem Gesicht zurückschlagen
den Kopf mit einem Schleier verhüllen
eine Braut mit dem Schleier schmücken
alles wie durch einen grauen Schleier (= nur undeutlich) sehen
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier / Reißt der schöne Wahn entzwei [SchillerGlocke]
gehoben, bildlich
Beispiele:
der Schleier der Dämmerung, Nacht
den Schleier eines Geheimnisses lüften (= ein Geheimnis aufdecken)
ein Schleier liegt über der Vorzeit (= sie liegt im Dunkel)
ein Schleier sinkt, legt sich über seine Augen (= er sieht nicht mehr deutlich)
einen Schleier über etw. breiten, legen, werfen (= etw. verbergen)
den Schleier von etw. reißen (= etw. enthüllen)
einen Schleier (von Tränen) vor den Augen haben (= etw. nur undeutlich sehen)
etw. ist in einen Schleier (= in Dunkel) gehüllt
sooft eine versonnene Stunde einen Zipfel von dem Schleier der Vergessenheit hebt (= sooft Vergessenes bisweilen wieder in die Erinnerung zurückgerufen wird) [LöscherAlles Getrennte30]
übertragen
Beispiel:
den Schleier nehmen (= Nonne werden)
b)
der Verhüllung von Körper, Kopf, Haar oder Gesicht dienendes, in der Regel blickdichtes Kleidungsstück muslimischer FrauenQuelle: DWDS, 2016
Beispiele:
Bevor sie das Haus verlassen, verhüllen strenggläubige Muslima ihr Gesicht mit einem Schleier, dem Niqab. [Spiegel, 23.05.2015 (online)]
War es Unterdrückung, Zugehörigkeit, Traditionsbewusstsein? Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass alle Muslima, die in Deutschland einen Schleier tragen, dies auch freiwillig tun. [migrationintegration.wordpress.com, 07.11.2011]
Jetzt, nach dem Einmarsch der Nordallianz in Kabul, können Frauen den Schleier ablegen, Kino, Fernsehen und Musik sind wieder erlaubt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2001]
Der Gründer der modernen Türkei verbannte Schleier und Fes […]. [Süddeutsche Zeitung, 23.06.2001]
Früher trugen die schiitischen Frauen Jeans, wenn sie sich gesellschaftlich engagierten, heute ist es der islamische Tschador, der Schleier, der dieses Engagement signalisiert. [Süddeutsche Zeitung, 07.08.1999]
Am 8. März 1927, dem Internationalen Frauentag, legten […] in Usbekistan 100000 Frauen demonstrativ den Schleier, das Symbol ihrer Unterdrückung in der islamischen Männerwelt, ab. [Der Spiegel, 31.03.1980, Nr. 14]
2.
übertragen dem Schleier ähnliche UmhüllungQuelle: WDG, 1976
a)
Dunstschicht, Nebelvorhang
Beispiele:
ein diesiger, trüber, nebliger Schleier
der Schleier des Nebels, Rauches
der sprühende Schleier des Wasserfalls
Blaue Schleier hingen in den Bäumen [RemarqueZeit zu leben76]
b)
Fotografie, Film Trübung, Schwärzung
Beispiel:
das Bild, Foto hat einen Schleier
c)
Botanik Haut, die die Unterseite des Hutes mancher junger Pilze bedeckt und später aufreißt
d)
Zoologie die Federn im Gesicht einer Schleiereule

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schleier · schleierhaft · verschleiern · Schleiereule
Schleier m. ‘dünnes, vielfach durchsichtiges, besonders Kopf oder Gesicht verhüllendes Gewebe, herabhängendes Kopftuch’. Das seit der Mitte des 13. Jhs. in vielen Varianten belegte mhd. slogier, sloiger, sloier, sleiger, slei(e)r ist wie mnd. sloier, sloiger, mengl. sleir, nl. sluier etymologisch ungeklärt. Eine zeitlich mögliche Entlehnung von Sache und Wort aus einer oriental. Sprache läßt sich nicht nachweisen. Es wird daher versucht, das Substantiv mit mnl. slōien ‘schleppen, schleifen’, mnl. slōi, slōie ‘Kleiderschleppe’ zu verbinden. Der Schleier als Teil der Nonnenkleidung wird zum Symbol des klösterlichen Lebens für Frauen, vgl. den Schleier nehmen ‘Nonne werden’ (18. Jh.). schleierhaft Adj. ‘aus dünnem Gewebe’ (17. Jh.), ‘unklar, rätselhaft’ (19. Jh.). verschleiern Vb. ‘mit einem Schleier bedecken’ (17. Jh.), häufig ‘wissentlich oder mangels Einsicht Sachverhalte und Gründe unklar oder beschönigend darstellen’ (18. Jh.). Schleiereule f. Eulenart, deren Federn um die Augen kranzförmig wie Schleier angeordnet sind (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dampf · ↗Dunst · ↗Nebel · ↗Nebelschleier · ↗Nebelschwaden · Schleier · ↗Trübung · ↗Vernebelung  ●  ↗(eine richtige) Waschküche  ugs., fig. · ↗Brühe  ugs., fig. · ↗Suppe  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Etwas (von) · (ein) Stich (in) · (eine) Andeutung (von) · ↗Anflug · ↗Hauch (von) · ↗Prise · ↗Quäntchen · Schleier · ↗Spur · ↗Winzigkeit  ●  (ein) Nichts von  fig. · ↗Touch  engl. · ↗Tick (von)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Braut Geheimhaltung Geheimnis Geheimnisvolle Kopftuch Maja Melancholie Nichtwissen Schleppe Tragen Unwissenheit Vergessen breiten dicht durchsichtig grau hauchdünn hüllen lüften milchig umhüllen undurchdringlich verhüllen verhüllend weben wegziehen wehend zart zerreißen überziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schleier‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Noch viel wichtiger ist aber, den lähmenden bürokratischen Schleier wegzuziehen, der sich über das ganze Land gelegt hat.
Die Welt, 10.04.2004
Die Mädchen lächelten, sie blieben neckisch, sie hielten sich neckisch die kleinen Schleier vor.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 172
Ein Singen erhob sich ringsum, blaue Schleier legten sich mir vors Auge.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 711
Schleier sanken aus dem stillen Hof durch die matten Scheiben und versuchten, den Stern zu verhüllen.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 85
Vergiß nicht, einen Schleier aufzusetzen, wenn du zu meiner Hochzeit kommst, liebe, alte, tote Mama.
Hein, Christoph: Horns Ende, Hamburg: Luchterhand 1987 [1985], S. 94
Zitationshilfe
„Schleier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schleier>, abgerufen am 23.05.2019.

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