Schlaraffenland, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungSchla-raf-fen-land
eWDG, 1976

Bedeutung

erdachtes, in Märchen beschriebenes Land, in dem alle Menschen, ohne zu arbeiten, ein paradiesisches Schlemmerleben führen
Beispiel:
man lebt dort wie im Schlaraffenland
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schlaraffe · Schlaraffenland
Schlaraffe m. ‘Faulenzer, gut lebender Müßiggänger’, mhd. slūraffe zuerst Geschlechtername (1347), eigentlich ‘herumschlendernder Müßiggänger’, schlauraff (15. Jh.), schluraff (16. Jh.), Schlauraffe (17. Jh.), dann (nach Verlagerung der Betonung auf die zweite Silbe des etymologisch undurchsichtig gewordenen Wortes) Schlaraffe (seit 18. Jh.). Ursprünglich ein Scheltname, zusammengesetzt aus mhd. affe (s. ↗Affe) und mhd. slūr ‘das Schleudern, der Stoß, das Herumstreifen, Faulenzen, langsame, träge, faule oder leichtsinnige Person, Faulenzer’, das wie mhd. slier ‘Lehm, Schlamm’ (s. ↗Schliere) mit r-Suffix zu der unter ↗schlummern (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)leu-, *(s)lū- ‘schlaff herabhängen, schlaff’ gebildet ist. Daneben auch, mit Anlehnung an ↗schludern (s. d.), schluderaffe (15. Jh.), Schlauderaffe (17. Jh.). Schlaraffenland n. ‘Märchenland, in dem jeder ohne Arbeit in Wohlstand lebt, wo Milch und Honig fließen und einem gebratene Tauben in den Mund fliegen’; als Vorstellung bereits in der griechischen Antike ausgeprägt, z. B. in der ins Komische gesteigerten und übertriebenen Beschreibung von Elysion, dem am Westrand der Erde gedachten Land der Seligen (in der attischen Komödie des 5. Jhs. v. u. Z. oder in Lukians, geb. um 120, Beschreibung des Lebens der Frommen nach dem Tode). Schluraffen landt (Seb. Brant, 1494), Schlauraffen Landt (H. Sachs, 1530), Schlaraffenland (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(es herrschen) paradiesische Zustände · ↗Überflussgesellschaft  ●  Land wo Milch und Honig fließen  fig. · Schlaraffenland  fig.
Assoziationen
  • Eldorado (für) · ↗Traumziel · ↗Wunschland  ●  (das) Mekka (der)  floskelhaft · El Dorado  spanisch · Land wo Milch und Honig fließen  Redensart, fig. · (ein) Arkadien (des/der ...)  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Märchen Reise Roman Sehnsucht Traum Utopie abbrennen abgebrannt gleichen leben rein träumen versprechen verwandeln vorkommen wahr wähnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlaraffenland‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei Bayer ist es teilweise wie im Schlaraffenland für die Spieler.
Die Zeit, 17.11.2011 (online)
Ich schnippe mit dem Finger, und vor mir öffnet sich das Tor zum Schlaraffenland.
Der Tagesspiegel, 11.07.2004
Die Vertreibung aus dem Schlaraffenland droht insbesondere schwer vermittelbaren Disziplinen.
Die Welt, 25.01.2001
In Märchen und Schwänken (Schlaraffenland) spielt das Paradies als Ort ungestörten Glücks eine große Rolle.
Röhrich, Lutz: Paradies. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 7913
Die undurchdringliche Buschmauer der Galeriewälder ist just jener Mauer aus Reisbrei gleich, durch die sich jeder erst hindurchfressen muß, um ins Schlaraffenland zu kommen.
Rangnow, Rudolf: Tropenpracht und Urwaldnacht, Braunschweig: Gustav Wenzel & Sohn 1938 [1938], S. 62
Zitationshilfe
„Schlaraffenland“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schlaraffenland>, abgerufen am 27.05.2019.

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