Schinder, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schinders · Nominativ Plural: Schinder
Aussprache
WorttrennungSchin-der
Wortzerlegungschinden-er
Wortbildung mit ›Schinder‹ als Erstglied: ↗Schinderarbeit · ↗Schinderkarre · ↗Schinderkarren · ↗Schinderknecht · ↗Schindersknecht
 ·  mit ›Schinder‹ als Letztglied: ↗Bauernschinder · ↗Leuteschinder · ↗Menschenschinder · ↗Tierschinder · ↗Zeilenschinder
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend jmd., der andere Leute schindet
Beispiel:
[der Unteroffizier] galt als der schärfste Schinder des Kasernenhofes [RemarqueIm Westen28]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schinden · Schinder · Leuteschinder · Schindluder · Schindmähre
schinden Vb. ‘Viehkadaver abhäuten, jmdn. quälen, ausbeuten, (sich) abplagen’. Das ursprünglich schwache, in mhd. Zeit starke Flexion entwickelnde Verb ahd. skinten (9. Jh.), mhd. schinden, schinten ‘die Haut, die Rinde abziehen, enthäuten, schälen, berauben, peinigen, mißhandeln’, mnd. schinden ‘enthäuten, plündern, rauben’, mnl. scinden ‘mißhandeln, rauben’ (vgl. asächs. biskindan ‘sich abschälen’) ist abgeleitet von frühnhd. schint f. ‘Obstschale’ (15. Jh.), mnd. schinne f. ‘Kopfschuppe’, nl. (mundartlich) schinde ‘Fell, Baumrinde’, schin ‘Kopfschuppe’, anord. skinn n. ‘abgezogene Haut’, schwed. skinn ‘Haut, Fell’, wozu sich (außergerm.) bret. skant (aus *skṇto-) ‘Schuppen’ (Kollektivum) stellt. Auszugehen ist von einer mit to- bzw. tā-Suffix gebildeten Partizipialform ie. *skento-, *skentā ‘Abgespaltenes’ (z. B. ‘Haut, Schuppe, Rinde’) zu ie. *(s)ken- ‘abspalten’, wohl eine Nasalerweiterung der Wurzel ie. *sē̌k- ‘schneiden’ (s. ↗Säge, ↗Segel und ↗Messer). Dazu (mit Ablaut) auch anord. skān ‘Borke’, schwed. (mundartlich) skån ‘Schorf’. Aus der Bedeutung ‘die Haut abziehen’ (von Tieren, auch in literarischer Vorstellung als grausame Hinrichtungsart von Menschen) entwickelt sich in mhd. Zeit übertragener Gebrauch im Sinne von ‘quälen, mißhandeln, plagen’ (dazu reflexiv ‘sich plagen, sich abmühen’, 18. Jh.), dann ‘berauben, ausplündern’ und ‘bedrücken, aussaugen, erpressen’ (15. Jh.); in der Studentensprache ‘sich etw. verschaffen, ohne dafür zu zahlen, sich freihalten lassen’ (18. Jh.). Schinder m. ‘Abdecker, Henker’, frühnhd. schinder ‘Rindenschäler, Abdecker, Peiniger, Straßenräuber’ (15. Jh.). Leuteschinder m. ‘wer seine Untergebenen übermäßig beansprucht, roh behandelt, ausbeutet’ (16. Jh.). Schindluder n. Schimpfwort (18. Jh.), eigentlich ‘gefallenes Vieh, Aas’ (s. ↗Luder); besonders in der Redensart mit jmdm. Schindluder treiben ‘ihn verspotten, zum Narren halten’ (um 1800). Schindmähre f. ‘mageres, altes Pferd’, das nur noch für den Schinder taugt (17. Jh.); s. ↗Mähre.

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Fallmeister · Feldmeister · Kafiller · Kaviller · Kleeken · Kleemeister · Luderführer · Mausgewitz · ↗Racker · Schinder  ●  ↗Abdecker  Hauptform · Tierkörperbeseitiger  Amtsdeutsch, Hauptform · ↗Wasenmeister  oberdeutsch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Profiteur · ↗Profitmacher  ●  ↗Ausbeuter  abwertend · ↗Blutsauger  abwertend, fig. · ↗Leuteschinder  abwertend · Schinder  abwertend · Sklaventreiber  abwertend, fig. · ↗Aasgeier  ugs., abwertend, fig. · ↗Halsabschneider  ugs., abwertend, fig. · ↗Hyäne  ugs., abwertend, fig. · ↗Parasit  ugs., abwertend, fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abdecker Geschundene Henker brutal

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schinder‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Antwortkarte, zweitens, garantiert dem Schinder, sich fürderhin »ins rechte Licht« stellen zu können.
konkret, 1996
Was für ein Artikel, fragt sich der Leser, und wo hat Jünger gegen die Schinder gewettert?
Die Zeit, 24.07.1964, Nr. 30
Ich habe mich stets gehütet, in Abteilungen mit kleinen Kompagnieführern zu geraten; sie sind meistens verfluchte Schinder.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 13
Man fängt jetzt Menschen, wie die Schinder früher Hunde gefangen haben.
o. A.: Achtzehnter Tag. Mittwoch, 12. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 22121
Ob er ein guter Mensch oder ein Schinder ist, weiß ich nicht.
Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 25
Zitationshilfe
„Schinder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schinder>, abgerufen am 24.05.2019.

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