Schindanger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
WorttrennungSchind-an-ger
WortzerlegungschindenAnger
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

veraltet Platz, wo Tiere abgedeckt werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anger · Schindanger
Anger m. ‘grasbewachsener Dorfplatz, Gemeindeweide’, ahd. (8. Jh.), asächs. angar, mhd. mnd. mnl. anger führen auf germ. *angra- ‘ungepflügtes, wildgrünes Grasland’, das sich (wie ↗Angel, ↗Anker, s. d.) der Wurzel ie. *ank-, *ang- ‘biegen, krümmen’ anschließt, also eigentlich ‘der Flußkrümmung folgender Grasstreifen’ bedeutet. Dazu gehört auch das Kollektivum *angria- im Namen des westgermanischen Stammes der Angrivariī (nach Tacitus), eigentlich ‘Bewohner des Angerlandes’, d. h. der Weiden und Flußauen an der Weser. Eng verwandt mit dem westgerm. Wort sind Bildungen ohne r wie mnl. enc, nl. eng, enk ‘gemeinschaftliches Ackerland’, mengl. eng, ing, engl. (mundartlich) ing, anord. eng, schwed. äng ‘Wiese’, die auf germ. *angjō ‘Wiese’ beruhen. Entsprechungen außerhalb des Germ. sind lat. ancrae (Plur.) ‘bepflanzter Streifen an Flüssen, Bucht’, griech. ánkos (ἄγκος) ‘Tal, Schlucht’ und ankṓn (ἀγκών) ‘Biegung, Krümmung, Vorgebirge, Schlucht’. Schindanger m. ‘Platz zum Verscharren von Tierkadavern, Abdeckerei’ (Luther 1540), zu ↗schinden ‘abhäuten’ (s. d.).

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Schindacker · Schindanger
Oberbegriffe

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Ort war der nahe der Elbe gelegene Schindanger der Stadt, der übliche Platz für solche Exekutionen.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 6790
Die Leiche sei nächtens auf dem Schindanger zu vergraben, der Ort nicht zu kennzeichnen.
Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 282
Wem der Selbstmord gelungen war, der wurde an den Füßen aufgehängt und von Gäulen zum Schindanger gezerrt.
Die Zeit, 15.08.1986, Nr. 34
Auf dem "Schindanger" des Platzes lauern einige Unfallwagen, und in ihnen lauern die Gespenster der Menschen.
Süddeutsche Zeitung, 05.06.2003
Die »Geschäftsführer des Weltgeistes« endeten stets auf dem »Schindanger«, dem »Kehrichthaufen der Geschichte«, nachdem sie ihr Werk vollbracht hatten.
Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 9167
Zitationshilfe
„Schindanger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schindanger>, abgerufen am 21.09.2019.

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