Scheusal, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Scheusals · Nominativ Plural: Scheusale
Aussprache
WorttrennungScheu-sal (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend abstoßendes, widerliches Wesen
a)
Angst oder Ekel einflößendes Tier oder Fabelwesen
Beispiele:
ein Scheusal mit drei Köpfen
ein Scheusal in Menschengestalt
die Katzen, Schlangen und sonstige Scheusale [HebbelMaria Magdalene51]
b)
roher, verabscheuenswert handelnder Mensch; widerliche Person, Verbrecher
Beispiele:
ein Scheusal von einem Vater, der seine Kinder verhungern ließ
ich hatte sie schlecht behandelt, ich kam mir wie ein Scheusal vor
Schimpfwort du Scheusal!
salopp, scherzhaft lasst mich endlich in Ruhe, ihr Scheusale (= Quälgeister) von Kindern
Wie leicht kann so ein Scheusal (= Sittlichkeitsverbrecher) hinter den Büschen stehen [FusseneggerAntlitz91]
c)
abstoßend hässlicher Mensch
Beispiel:
ein altes Weib sitzt daneben, ein rechtes Scheusal [RathenauBriefe1,10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheu · Scheu · scheuen · Scheusal
scheu Adj. ‘schüchtern, zurückhaltend, furchtsam’. Mhd. schiech, schiehe, schie ‘verzagt, abschreckend, häßlich’ (noch obd. mundartlich ↗schiech, s. d.), aengl. scēoh, engl. shy und (mit Ablaut und grammatischem Wechsel von h und g) mnd. schǖ(we), schügge, schūwe, mnl. scū, scou, nl. schuw, schwed. skygg führen auf germ. *skeuhwa-, *skūhwa-, *skugwa-. Setzt man danach ie. *skeuk- ‘gehetzt’ an, so kann dies als eine Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *skē̌u- ‘werfen, schießen, stoßen’ (wozu auch ↗schieben und ↗schießen, s. d.) angesehen werden. Die heutige Form scheu (vgl. schew, scheuch bei Luther, schüch im 15. Jh.) hat sich lautlich an das Verb scheuen (s. unten) angelehnt. Scheu f. ‘Schüchternheit, (furchtsame) Zurückhaltung’, mhd. schiuhe ‘(Ab)scheu, Schreckbild’, frühnhd. Schew (Luther; noch Scheue im 18. Jh.), mnd. schǖwe, schū(w)e. S. dazu ↗Abscheu, ↗abscheulich. scheuen Vb. ‘zurückfahren, stutzen’, auch transitiv ‘aus Bangigkeit zu vermeiden suchen’ und reflexiv ‘Furcht, Widerwillen empfinden, sich zurückhalten’, ahd. skiuhen ‘sich entsetzen, meiden’ (8. Jh.), mhd. schiuhen, schiuwen, schūen ‘scheu machen, erschrecken, meiden, sich entsetzen, scheuchen, verjagen’, mnd. schǖwen, schū(w)en, mnl. scūwen, scouwen, nl. schuwen, gebildet zum Adjektiv. Scheusal n. ‘Schreckbild, grauenerregendes Wesen’, mhd. schiuwesal, frühnhd. schusel (15. Jh.), gebildet mit dem Suffix ↗-sal, ↗-sel (s. d.) zum Substantiv (s. oben) in seiner frühen Bedeutung ‘Schreckbild’ oder zum Verb im Sinne von ‘(Ab)scheuerregendes’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bestie · Bestie in Menschengestalt · ↗Bluthund · Scheusal · ↗Ungeheuer · ↗Unmensch  ●  ↗Satan  fig. · ↗Teufel  fig. · ↗Monster  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
Bestie · ↗Biest · ↗Chimäre · ↗Kreatur · ↗Monster · ↗Monstrum · Scheusal · ↗Schimäre · ↗Ungeheuer · ↗Ungetüm · ↗Untier
Unterbegriffe
  • Cetus · Keto · Ketos

Typische Verbindungen
computergeneriert

Menschengestalt Verlieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scheusal‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie haben das alles durch Raub besorgt, der deutsche Besitzer ist ein Scheusal.
Die Welt, 22.03.2005
Wer sich damit brüstet, sie erobern zu wollen, wird alsbald düpiert und vor aller Welt als Scheusal bloßgestellt.
Die Zeit, 24.06.1988, Nr. 26
Ist das, hieß die allgemeine Frage, die Grenze äußerster Männlichkeit oder war sie zum Scheusal hin überschritten?
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 27
Der gute Benno Latz erklärte sich bereit, dieses Scheusal in seine Studentenbude aufzunehmen.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 4856
Gleich am ersten Tage trieben die faschistischen Scheusale mehr als 200 Schüler und Schülerinnen, die zur Einbringung der Ernte eingetroffen waren, auf dem Felde zusammen.
o. A.: Neunundfünfzigster Tag. Donnerstag, 14. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 3059
Zitationshilfe
„Scheusal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Scheusal>, abgerufen am 19.08.2019.

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