Scherbe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Scherbe · Nominativ Plural: Scherben · wird meist im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungScher-be
Wortbildung mit ›Scherbe‹ als Erstglied: ↗Scherbengericht · ↗Scherbenhaufen  ·  mit ›Scherbe‹ als Letztglied: ↗Flaschenscherbe · ↗Gefäßscherbe · ↗Spiegelscherbe · ↗Tonscherbe
eWDG, 1974

Bedeutung

Bruchstück eines Gefäßes aus Glas, Porzellan, Keramik
Beispiele:
scharfe, spitze, gefährliche Scherben
die Scherben auffegen, aufheben, aufsammeln
sich an einer scharfen Scherbe schneiden, verletzen
die Scherben eines Glases, der Fensterscheibe, des Blumentopfes
Tassen und Teller gingen in Scherben
die Vase liegt in Scherben auf dem Boden
der Krug ist in tausend Scherben zerbrochen, zersprungen
etw. zu, in Scherben (zer)schlagen
sprichwörtlich Scherben bringen Glück
er hatte eine kleine Scherbe Spiegel in der Hand [FrenssenBaas124]
bildlich
Beispiele:
vor den Scherben seines Lebens, Glückes stehen
seine Freundschaft ist in Scherben gegangen
all ihre Hoffnungen lagen in Scherben (= waren zunichte)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scherbe · Scherbengericht
Scherbe f. ‘Stück zerschlagenes Geschirr, Bruchstück’, ahd. skirbī(n) f. (9. Jh.), mhd. schirbe, scherbe m. f., schirben f. ‘Stück zerschlagenes Geschirr, Topf’, asächs. haƀanskerƀin n. ‘Topfscherbe’, mnd. scherve f., scherven n. ‘Scherbe’, mnl. scerf, sceerf m. n., scerve f. ‘Bruchstück, Brocken, Topf, Münzstückchen’, nl. scherf sind verwandt mit mnd. scharf ‘Scherbe’, mnl. scarf m. n. ‘Bruchstück, Brocken, Topf, Münze’, anord. skarfr ‘schräg abgehauenes Balkenende’ und ahd. scarbōn ‘zerschneiden, zerstückeln’ (10. Jh.), aengl. (ge)sceorfan, (ge)scearfian ‘abschneiden, kratzen, zerfetzen’ (germ. *skarbōn) sowie den unter ↗Scherflein (s. d.) behandelten Formen. Außergerm. vergleichen sich aind. karparaḥ ‘Schale, Topf’, auch ‘Hirnschale’, griech. karpós (χαρπός) ‘Frucht, Feldfrucht, Ertrag’ (s. ↗Herbst), lat. carpere ‘rupfen, (ab)pflücken, zerteilen’, kslaw. črěpъ, črěpica ‘Scherbe, irdenes Gefäß, Schale’, russ. čérep (череп) ‘Schädel, Schale (besonders der Schaltiere)’. Zugrunde liegt ie. *(s)kerp-, *(s)krep-, eine Labialerweiterung (s. auch verwandtes ↗scharf) der Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’ (s. ↗scheren). Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘scharf schneidend’. Scherbengericht n. (18. Jh.), Übersetzung von griech. ostrakismós (ὀστρακισμός) im antiken Athen ‘öffentliche Abstimmung, Verurteilung durch Scherben bzw. Tontäfelchen’, auf denen der Name jener Bürger geschrieben war, von denen man glaubte, daß ihr hohes Ansehen die Demokratie gefährden könne, und die darum aus der Stadt zu verweisen seien; zu griech. óstrakon (ὄστρακον) ‘Scherbe, irdenes Gefäß, Schale’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bruchstück · ↗Fragment · Scherbe · ↗Splitter · ↗Stück · ↗Teil · ↗Teilstück  ●  Scherbel  landschaftlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bierflasche Gefäß Glasur Krug Scherbe Schutt Splitter Tierknochen Tongefäß Vase auffegen aufkehren auflesen aufsammeln aufschneiden einsammeln herumliegen herumliegend kitten klirren knirschen wegkehren wegräumen zerschneiden zersplittern zerspringen zusammenfegen zusammenkehren zusammenkleben übersäen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scherbe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich kann Spieler motivieren wie kein anderer, lasse sie notfalls über Scherben laufen.
Bild, 02.01.2006
Die Scherben kannst du in die Tonne kloppen, sie sind niemals wirklich weg vom Fenster.
Der Tagesspiegel, 01.05.2000
Die glänzenden Scherben, die der kleine Muck zu sich steckte, leuchteten ihm auch draußen, auf dem äußeren Feld, wo sie lagen, durchaus.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 386
Das Mädchen stampft wie von Sinnen auf den Scherben umher.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 335
Wenn das Fenster von außen eingeschlagen worden wäre, dann hätten die Scherben doch nach innen fallen müssen.
Friedländer, Hugo: Der Brand der Neustettiner Synagoge vor den Schwurgerichten zu Köslin und Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 22059
Zitationshilfe
„Scherbe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Scherbe>, abgerufen am 21.07.2019.

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