Schauspiel, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Schauspiels · Nominativ Plural: Schauspiele
Aussprache
WorttrennungSchau-spiel
Wortbildung mit ›Schauspiel‹ als Erstglied: ↗Schauspielbühne · ↗Schauspielhaus · ↗Schauspielkunst · ↗Schauspielregisseur
 ·  mit ›Schauspiel‹ als Letztglied: ↗Naturschauspiel
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
dramatische Kunstform, in der die Handlung unmittelbar gegenwärtig durch die Darstellung auf der Bühne zur Anschauung gebracht wird
Beispiele:
ein Schauspiel schreiben, verfassen, inszenieren, aufführen, spielen
ein geistreiches, modernes, klassisches, romantisches, historisches, revolutionäres Schauspiel
der Held, Konflikt, die Dialoge des Schauspiels
die Gliederung des Schauspiels in Akte und Szenen
2.
ernstes Bühnenstück mit einer für den Helden günstigen Lösung der gestalteten Konflikte
Beispiele:
das Schauspiel steht zwischen dem Lustspiel und dem Trauerspiel
Lessings ›Nathan‹ und Goethes ›Iphigenie‹ sind Schauspiele
3.
übertragen eindrucksvoller Anblick, beeindruckende Szene
Beispiele:
ein ergötzliches, einmaliges, herrliches, großartiges, phantastisches Schauspiel
das Schauspiel der langsam im Meer versinkenden Sonne
bei Gewitter pflegte sie ans Fenster zu treten und sich [Dativ] das Schauspiel anzusehen
abwertend jmd. gibt, bietet (jmdm.) ein abgeschmacktes, unerfreuliches, klägliches Schauspiel
abwertend er wollte den Anwesenden nicht das Schauspiel eines Streites mit seiner Frau geben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϜός) ‘Opferschauer’ sowie das unter ↗schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu ↗hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes ↗Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben ↗Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schauspiel · ↗Spektakel
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bühnenstück · ↗Drama · ↗Repertoirestück · Schauspiel · ↗Spiel · ↗Stück · ↗Theaterstück
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Darstellung · ↗Imitation · ↗Maskerade · ↗Mime · Schauspiel · ↗Verkörperung
Assoziationen
Synonymgruppe
Schauspiel  ●  ↗Theater (Gattung)  Hauptform
Oberbegriffe
  • darstellende Kunst · ephemere Kunst
  • Kunst · ↗Kunstform · ↗Kunstrichtung · schöne Künste · sieben Freie Künste · sieben Künste
Unterbegriffe
  • geistliches Drama · geistliches Spiel · liturgisches Spiel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ballett Erstaufführung Gesang Intendant Intendantin Koproduktion Liebende Musiktheater Oper Operette Regie Tanz Tanztheater Uraufführung aufführen beiwohnen beschämend bizarr faszinierend gleichnamig grandios inszenieren kläglich makaber peinlich seltsam unwürdig uraufführen uraufgeführt wiederholen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schauspiel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Alle Jahre wieder können wir uns nicht satt sehen an diesem grandiosen Schauspiel.
Die Welt, 12.10.2004
Der Tanz ist auch nicht so belastet von der Tradition wie das Schauspiel.
Der Tagesspiegel, 09.05.2000
Gleichzeitig sah man das Schauspiel auch an anderen Türmen der Stadt.
Welt und Wissen, 1929, Nr. 3, Bd. 18
Außerdem hatte der Lehrer selbst sich sogar zu dem Schauspiel eingefunden.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 20267
Als nun gerade einige Minuten geruht wurde, erlebte man ein eigentümliches Schauspiel.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Zitationshilfe
„Schauspiel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schauspiel>, abgerufen am 22.04.2019.

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