Scharteke, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Scharteke · Nominativ Plural: Scharteken
Aussprache
WorttrennungSchar-te-ke (computergeneriert)
HerkunftHerkunft unsicher
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, abwertend wertloses, abgegriffenes, zerlesenes Buch
Beispiel:
[ein] Schrank, dessen Fächer vollgestopft sind mit Dutzenden alter Scharteken [RehfischHexen486]
wertloses, anspruchsloses Theaterstück
Beispiel:
Wollte er sein Haus gepackt voll haben bis zum letzten Sitz- und Stehplatz, so brauchte er nur ein Stück anzusetzen ... eine Scharteke wie Des Königs Befehl von Töpfer [Th. Mann11,773]
2.
salopp, abwertend ältliche, unansehnliche, unsympathische weibliche Person
Beispiel:
so eine alte Scharteke!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scharteke f. ‘wertloses oder unhandliches altes Buch’. Mnd. scartece, schartēke ‘Schriftstück, Urkunde, altes Buch’ (16. Jh.) ist eine Weiterbildung von gleichbed. mnd. scharte, scherte, dessen Herkunft bisher nicht überzeugend erklärt ist; wahrscheinlich geht es auf lat. charta ‘Papyrusblatt, (aus Papyrus hergestelltes) Schreibmaterial und das darauf Geschriebene, Schriftstück, Brief’, spätlat. auch ‘Urkunde’ (s. ↗Charta) zurück und ist im Anlaut möglicherweise von afrz. mfrz. chartre ‘Brief, Urkunde’ (wohl aus lat. chartula ‘kleines Schriftstück, kleiner Brief’, s. ↗chartern) beeinflußt. Der Ausdruck ist vermutlich in der Schülersprache der Lateinschulen entstanden (vielleicht Deminutivum mit latinisierender Akzentuierung, vgl. mnd. partēke ‘Brotschnitte als Almosengabe für fahrende Schüler’); bereits im 16. Jh. ist er allgemein verbreitet (Luther, Paracelsus u. a.). Er steht im 19. Jh. auch für ‘schlechtes Theaterstück, abgenutzter, wertloser Gegenstand’ sowie (als Schimpfwort) für ‘alte Frau’.

Thesaurus

Synonymgruppe
altes Weib  ●  ↗(alte) Vettel  abwertend · ↗Matrone  abwertend · alte Frau  Hauptform · ↗(abgetakelte) Fregatte  ugs., abwertend, fig. · ↗(alte) Schabracke  ugs., abwertend · ↗(alte) Schachtel  derb, abwertend, fig. · (alte) Scharteke  ugs., abwertend · ↗(alte) Schrulle  ugs., abwertend · ↗(altes) Schrapnell  ugs., fig. · ↗Alte  derb · ↗Reff  ugs., abwertend · ↗Schreckschraube  ugs., abwertend · ↗Spinatwachtel  ugs., abwertend · alte Hexe  derb · alter Besen  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Furie · ↗Zicke · zänkisches Weib  ●  ↗Besen  ugs. · ↗Drachen  ugs. · ↗Gewitterziege  ugs. · ↗Giftnudel  ugs. · ↗Hausdrachen  ugs. · ↗Hippe  ugs. · ↗Kratzbürste  ugs. · ↗Krähe  ugs. · Meckertante  ugs. · ↗Meckerziege  ugs. · ↗Megäre  geh., bildungssprachlich · ↗Schlange  ugs. · ↗Xanthippe  geh. · ↗Zimtzicke  ugs., ruhrdt. · ↗Zippe  ugs. · boshaftes Weibsstück  ugs. · feuerspeiender Drache  ugs., fig.
  • (...) Jahre jung sein · (...) Lenze zählen (lit. oder veraltet) · (...) geboren sein · ↗(...) sein · Jahrgang (...) sein · es auf (...) Jahre bringen · im Jahr(e) (...) geboren sein  ●  (...) Jahre alt sein  Hauptform · (...) Jahre zählen  veraltet · (...) Jahre auf dem Buckel haben  ugs.
  • (blödes) Weibsstück  ugs., abwertend · ↗(dumme) Ziege  ugs., abwertend, variabel · ↗Krähe (Schimpfwort)  ugs. · ↗Schnepfe (Schimpfwort)  ugs. · ↗Trulla (leicht abwertend)  ugs., veraltend · Trutsche (Schimpfwort)  ugs. · Trutschn  ugs., süddt. · Tuse  ugs., abwertend · blöde Kuh (Schimpfwort)  ugs., variabel · dumme Pute (Schimpfwort)  ugs. · dummes Huhn (Schimpfwort)  ugs.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer in der Lage ist, die lustige Scharteke nahezu vollkommen zu verkörpern, vermag sie auch ins Dramatische zu ziehen.
Die Welt, 20.04.2000
Wer nur die Rezensionen kennt und die Scharteke nicht zu lesen braucht, muß sich hüten, den Karasek nicht doch zu bemitleiden.
konkret, 2000 [1998]
Sein markanter Eintrag ins Gästebuch, eine gewichtige Scharteke, fand bei der Presse einhellige Anerkennung.
Süddeutsche Zeitung, 17.11.1995
Eine echte "Scharteke" ist ein unnützes altes Buch, mit einem Hauch des Angestaubten und Verbrauchten.
Süddeutsche Zeitung, 10.04.2003
Zitationshilfe
„Scharteke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Scharteke>, abgerufen am 24.10.2019.

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