Schablone, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schablone · Nominativ Plural: Schablonen
Aussprache
WorttrennungScha-blo-ne · Schab-lo-ne (computergeneriert)
HerkunftNiederländisch
Wortbildung mit ›Schablone‹ als Erstglied: ↗Schablonendenken · ↗Schablonendruck · ↗schablonenhaft
 ·  mit ›Schablone‹ als Letztglied: ↗Blechschablone · ↗Holzschablone · ↗Pappschablone · ↗Radierschablone · ↗Schriftschablone · ↗Zeichenschablone
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ausgeschnittene oder ausgestanzte Vorlage zum beliebig häufigen Übertragen einer bestimmten Umrisslinie, besonders eines Musters, einer Schrift auf einen Untergrund
Beispiele:
eine Schablone verwenden
mit einer Schablone arbeiten
nur Ziffern, mit einer Schablone aufgezeichnet, sind auf den Kreuzen [Kisch2,1,430]
2.
übertragen Klischee, Schema, erstarrte Form
Beispiele:
nach einer Schablone handeln, urteilen
er dachte nur in Schablonen
die Häuser waren häßlich. Sie waren alle nach einer Schablone (= einförmig) gebaut [OelfkenTraum216]
Gertrud Eysoldt ... war eine der eigenwilligsten und absonderlichsten Schauspielerinnen, fern aller Schablone [WintersteinLeben2,138]
der Kampf ... gegen Phrase und Schablone, gegen Klischees und Schema [Becher5,242]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schablone f. ‘(ausgeschnittene) Vorlage, Muster, althergebrachte erstarrte Form, Routine’, Entlehnung (18. Jh.) von nd. Schabbelun. Voraufgehendes mnd. schampeliōn, schaplūn ‘Muster, Form, Modell’ stammt aus gleichbed. mnl. nl. schampelioen, das im 15. Jh. am Niederrhein aus afrz. eschantillon ‘Richtmaß, Eichmaß’, frz. échantillon ‘Probestück, Muster, Modell’ entlehnt ist (nl. sjablone erst im 19. Jh. nach dt. Schablone). Die Entstehung der lautlichen Form ist unklar; man erwägt Anlehnung an mnl. schampen ‘streifen, (ab)gleiten’ (woraus -mp-), später an nhd. schaben (woraus -b-). Das frz. Substantiv wird auf vlat. *scandīculum zurückgeführt, die Bezeichnung für eine Art ‘Hohlmaß’, an dessen Innenseite die Maßeinheiten durch horizontale Striche (gleichsam aufsteigend) eingetragen sind, zu lat. scandere ‘steigen’. Das -t- (statt -d-) der frz. Formen mag sich aus dem Einfluß bedeutungsnaher Bildungen innerhalb der technischen Fachsprache erklären, die sich an lat. cant(h)us ‘eiserner Reifen um ein Rad, Radschiene, Augenwinkel’ anschließen. Schablone lebt vor allem im Bereich handwerklicher Massenproduktion und serienmäßiger technischer Herstellung. Hieraus erklärt sich der pejorative übertragene Gebrauch im Sinne des erstarrten Althergebrachten, der gedankenlosen Wiederholung und Routine (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schablone · ↗Vorlage  ●  ↗Template  engl.
Synonymgruppe
Abklatsch · ↗Attrappe · ↗Falsifikat · ↗Fälschung · ↗Imitat · ↗Imitation · ↗Klischee · ↗Kopie · ↗Nachahmung · ↗Nachbildung · ↗Plagiat · Schablone · ↗Simulation · Simulierung · Vorspiegelung falscher Tatsachen · Vortäuschung falscher Tatsachen · potemkinsches Dorf  ●  ↗Fake  ugs., engl. · ↗Mimikry  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) landläufige Vorstellung · (die) übliche Vorstellung · ↗Klischee · ↗Klischeevorstellung · Schablone · ↗Schublade · ↗Stereotyp · ↗Vorurteil
Assoziationen
Synonymgruppe
Kategorie · ↗Muster · ↗Raster · Schablone · ↗Schublade · ↗Syndrom

Typische Verbindungen
computergeneriert

Klischee Lineal Maskenrahmen Pinsel anfertigen auftragen ausgeleiert ausschneiden basteln bedecken benutzen erstarren fertigen gewohnt gängig ideologisch passen passend pressen schneiden simpel sprühen starr vertraut visuell vorgefertigt vorgegeben vorgestanzt zerbrechen üblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schablone‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Über die ideologischen Schablonen, die sein Denken beherrschen, ist die Zeit längst hinweggegangen.
Der Tagesspiegel, 12.08.2001
Tatsächlich wehrt er sich dagegen, mit Schablonen gemessen zu werden.
Die Zeit, 14.08.1987, Nr. 34
Die Anzeigen wichen vielmehr von der üblichen Schablone erheblich ab.
Reklame-Praxis, 1928, Nr. 9, Bd. 4
Er hält sich in diesen Dichtungen durchaus an die übliche Schablone, versteht es aber, ihnen durch volkstümliche und burleske Züge einen eigenen Reiz zu verleihen.
Orel, Alfred: Draghi. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1954], S. 9462
Allenthalben werden gewisse Schablonen und Schätzungen überliefert gewesen sein, die nun fixiert wurden.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 24525
Zitationshilfe
„Schablone“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schablone>, abgerufen am 21.07.2019.

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