Schärfe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schärfe · Nominativ Plural: Schärfen
Aussprache
WorttrennungSchär-fe
Wortbildung mit ›Schärfe‹ als Erstglied: ↗Schärfentiefe  ·  mit ›Schärfe‹ als Letztglied: ↗Abstimmschärfe · ↗Beobachtungsschärfe · ↗Bildschärfe · ↗Geistesschärfe · ↗Messerschärfe · ↗Okularschärfe · ↗Sehschärfe · ↗Sinnesschärfe · ↗Tiefenschärfe · ↗Trennschärfe · ↗Verstandesschärfe
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
meist im Singular
Strenge, Härte
Beispiele:
etw. mit (aller, ziemlicher, einiger, einer gewissen) Schärfe sagen
er antwortete mit ungewohnter Schärfe
ohne jede Schärfe etw. zurückweisen
etw. gab seinen Worten eine schneidende, blitzende, ironische, polemische, witzige, bittere Schärfe
in das Gespräch kam eine gewisse Schärfe (= Gereiztheit)
einer Bemerkung die Schärfe nehmen
jede Schärfe (des Tones) vermeiden
die Schärfe (= Schonungslosigkeit) einer Kritik, eines Tadels, Urteils
ihn traf die ganze Schärfe des Gesetzes
2.
meist im Singular
Heftigkeit
Beispiele:
die Schärfe einer Auseinandersetzung
einen Kampf mit Schärfe führen
sich mit größter Schärfe gegen jmdn., etw. wenden
3.
meist im Plural
heftiges, bissiges Wort, Spitze
Beispiele:
er wollte im Gespräch Schärfen vermeiden
aus einem Wortwechsel die Spitzen und Schärfen heraushören
charakterlich heftiger Zug
Beispiele:
charakterliche Schärfen
Schärfen im Charakter
4.
meist im Singular
Genauigkeit, Präzision, Deutlichkeit
a)
Beispiele:
die Schärfe der Analyse, Kalkulation
die Schärfe eines Begriffs
etw. mit besonderer, mit aller Schärfe erfassen
b)
Fähigkeit, etw. klar, logisch zu durchdenken
Beispiel:
die Schärfe des Verstandes
c)
Fähigkeit, genau zu hören
Beispiel:
die Schärfe des Gehörs
d)
Fähigkeit, genau zu sehen
Beispiel:
die Schärfe der Augen
e)
Fähigkeit, eine gute Sehleistung zu ermöglichen
Beispiel:
die Schärfe der Brille, eines Fernrohrs
f)
klare, deutliche Erkennbarkeit (der Konturen)
Beispiele:
Fotos mit leuchtenden Farben und gestochener Schärfe
die Schärfe des Bildes, der Linien, Umrisse
5.
meist im Singular
Fähigkeit zu schneiden
Beispiele:
die Schärfe einer Klinge prüfen
die Schärfe eines Schwertes, Messers
6.
meist im Singular
ätzende Wirkung
Beispiel:
die Schärfe einer Lauge
7.
meist im Singular
beißende Wirkung auf die Sinnesorgane
a)
im Geschmack
Beispiel:
die Schärfe einer Speise, des Whiskys
b)
im Geruch
Beispiel:
die Schärfe eines Geruchs
c)
Rauheit
Beispiel:
die Schärfe der Luft, des Windes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scharf · Schärfe · schärfen · einschärfen · scharfmachen · Scharfmacher · Scharfrichter · Scharfschütze · Scharfsinn
scharf Adj. ‘gut schneidend, geschliffen, spitz’, übertragen ‘stark gewürzt, kalt, deutlich, genau, heftig, schonungslos’, ahd. s(c)arf(i) (8. Jh.), mhd. scharf und ahd. scarph (9. Jh.), mhd. scharpf, scharph, scherpfe, scherf; frühnhd. (obd. md.) scharpf, asächs. skarp, mnd. scharp, scherp, mnl. scarp, scaerp, scerp, nl. scherp, afries. skerp, aengl. sc(e)arp, engl. sharp, anord. skarpr (‘eingeschrumpft, dürr, scharf, rauh, hart’), schwed. skarp (germ. *skarpa-) läßt sich verbinden mit lett. skarbs ‘rauh, grob’, mir. cerb ‘schneidend’, aruss. ščьrbъ ‘schadhaft’, russ. (älter) ščerbá (щерба) ‘Riß, Lücke, Schramme, Narbe’ und führt auf die Labialerweiterung ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)- (s. auch ↗schürfen, ↗schröpfen) der Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’ (s. ↗scheren). Schärfe f. ‘Zustand des Scharfseins, Klarheit, Genauigkeit, Rücksichtslosigkeit’, ahd. s(k)erphī, s(k)erfī (9. Jh.), mhd. scherpfe, scherfe ‘Stachel, (Speer)spitze, Rauhheit’. schärfen Vb. ‘scharf machen’, mhd. scherpfen, scherfen, asächs. (gi)skerpian (9. Jh.). einschärfen Vb. ‘mit Eindringlichkeit sagen, klarmachen’ (17. Jh.). scharfmachen Vb. ‘aufhetzen’, Scharfmacher m. ‘Aufhetzer’ (19. Jh.), entstanden als Ausdrücke der Reaktion für die Anführer streikender Arbeiter. Scharfrichter m. ‘wer mit dem Schwert oder Beil hinrichtet’ (14. Jh.), zuerst nsächs. (mnd. scharprichter) und westmd., seit dem 16. Jh. allgemein verbreitete Berufsbezeichnung für den Henker bzw. den Vollstrecker der Todesstrafe. Scharfschütze m. ‘im Schießen besonders ausgebildeter und daher treffsicherer Schütze’ (18. Jh.). Scharfsinn m. ‘Fähigkeit, besonders klar und logisch zu denken’ (17. Jh.), Rückbildung aus scharfsinnig Adj. (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aggressivität · ↗Bissigkeit · ↗Sarkasmus · Schärfe
Antonyme
  • Schärfe
Synonymgruppe
Schroffheit · Schärfe
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Schneidefähigkeit · Schnitthaltigkeit · Schärfe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brillanz Farbkonstanz Genauigkeit Helligkeit Klarheit Kontrast Konvergenz Präzision Tiefenzeichnung Unschärfe Witz analytisch befriedigend begrifflich beißend entbrennen geboten gedanklich gekannt intellektuell mildern polemisch satirisch schneidend ungewohnt ungewöhnlich unvermindert verletzend zunehmen ätzend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schärfe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Witz als Talent, das ist auch immer Schärfe - Schärfe des Durchschauens.
Der Tagesspiegel, 09.06.1999
Gewiß haben die einzelnen Szenen nichts von ihrer intellektuellen Schärfe, nichts von ihrem Witz eingebüßt.
Süddeutsche Zeitung, 27.05.1998
Bei der Schärfe der Kritik ist es für mich sehr erfreulich, daß es dazu noch nicht gekommen ist.
Der Spiegel, 21.11.1983
Der zunehmenden Schärfe der Verfolgung in Frankreich entzog er sich durch das Exil.
Lutz, Heinrich: Der politische und religiöse Aufbruch Europas im 16. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1438
Die Frau des Hauses war lebhaft, energisch, aber nicht ohne Schärfe.
Deussen, Paul: Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 25837
Zitationshilfe
„Schärfe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schärfe>, abgerufen am 26.04.2019.

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