Sauerei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sauerei · Nominativ Plural: Sauereien
WorttrennungSau-erei · Saue-rei
Wortbildung mit ›Sauerei‹ als Letztglied: ↗Erzsauerei
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend
1.
nur im Singular
salopp, derb schmutziger, sehr unordentlicher Zustand
Beispiele:
was ist das für eine Sauerei auf deinem Tisch?
du hast in dem Zimmer eine große Sauerei hinterlassen
feg die Sauerei (= Unrat) weg!
2.
salopp, derb etw. Schlimmes, Ärgerniserregendes, eine unanständige, gemeine Handlung
Beispiele:
sein Benehmen ist eine große Sauerei
diese Sauerei mache ich nicht mit
heute ist eine große, furchtbare, schlimme Sauerei passiert
Jetzt sind wir bald aus der ganzen Sauerei (= aus der sehr schlechten, schwierigen Situation) heraus [SeghersRettung3,21]
in Verwünschungen, Flüchen
Beispiele:
Sauerei!
elende, verdammte, verfluchte Sauerei!
das ist eine einzige, bodenlose Sauerei!
Pfuscherei, schlechte Arbeit
Beispiele:
seine Entwürfe sind eine Sauerei
weil es gleich eine Sauerei wurde, als einmal ein anderer die Ausstellung im Glaspalast veranstaltete statt seiner [KolbSchaukel53]
3.
vulgär Zote, Schmutzerei, Unanständigkeit
Beispiele:
er hat Sauereien erzählt
Mir fiel eine Sauerei ein, und ich mußte grinsen [JakobsBeschreibung58]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sau · sauen · versauen · Sauerei · säuisch · Saubohne · Saustall · saudumm
Sau f. Die Bezeichnung für das Mutterschwein ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. aengl. , anord. sȳr (germ. *sū- f.) zeigt genaue Übereinstimmung mit griech. sȳ́s (σῦς) neben hȳ́s (ὗς) ‘Schwein, Sau, Eber’ und lat. sūs ‘Schwein’, so daß von ie. *sūs ‘Schwein, Sau’ ausgegangen werden kann. Der Ursprung des Wortes ist vermutlich lautnachahmendes ie. *sū̌-. Wenig wahrscheinlich ist ein Anschluß der genannten Formen im Sinne von ‘Gebärerin’ an die unter ↗Sohn (s. d.) angeführte Wurzel ie. *seu-, *sū̌- ‘gebären, erzeugen’. Ebenfalls hierher (da aus den Grunzlaut nachahmenden Lockrufen hervorgegangen) gehören die k-Ableitungen aind. sūkaráḥ ‘Schwein, Eber’, lat. sucula ‘Schweinchen’, Deminutivum zu lat. sūs (s. oben), air. socc sāil ‘Meeressäugetier’ (eigentlich ‘Meerschwein’), asächs. suga ‘Sau’, aengl. sugu, engl. sow, mnl. soghe, seughe, nl. zeug, schwed. (mit expressiver Gemination) sugga (germ. *sug(g)ō-) sowie die unter ↗Schwein (s. d.) genannten Ableitungen. Ein schwach flektierender Plural Sauen (18. Jh.) bleibt auf die Jägersprache beschränkt. Die Wendung unter aller Sau ‘unter aller Kritik, sehr schlecht’ (um 1900) ist vielleicht (nach dem Vorbild von unter aller Kanone, s. ↗Kanon) zu jidd. seo ‘Maßstab’ gebildet. sauen Vb. ‘sich schlecht, ungesittet benehmen’ (16. Jh.), ‘Ferkel kriegen’ (17. Jh.). versauen Vb. ‘verderben’ durch Schmutz oder unsachgemäße Behandlung (17. Jh.). Sauerei f. ‘Unsauberkeit, Unflätigkeit, Schlamperei’ (17. Jh.). säuisch Adj. ‘wie ein Schwein, unflätig’, seuwisch (15. Jh.). Saubohne f. große Ackerbohne, vielfach als Viehfutter verwendet (18. Jh.), zuvor auch für das den Schweinen unbekömmliche Bilsenkraut (Sawbon, 16. Jh.). Saustall m. ‘Schweinestall’ (sewstal, 15. Jh.), ‘schmutziges Zimmer, Durcheinander, unhaltbare Zustände’ (16. Jh.). Als Bestimmungswort in Zusammensetzungen dient Sau- zur pejorativen Kennzeichnung und Verstärkung wie in saudumm Adj. ‘überaus, völlig dumm’ (19. Jh.) so auch in Sauarzt m. ‘Kurpfuscher’ (16. Jh.), Sauart f. ‘unschickliches Benehmen’ (17. Jh.), Saufraß m. ‘schlechtes Essen’, Saukerl m. ‘schlechter Mensch’ (18. Jh.), Saukälte f. ‘unerträgliche, schlimme Kälte’, saukalt (19. Jh.; vgl. Hundekälte, hundekalt) sowie Sauwetter, Sauwirtschaft, Sauwut.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ferkelei  ugs. · Sauerei  ugs. · ↗Schweinerei  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Perversion Rang Schweinerei Straftatbestand Verhalten absolut aufdecken ausgemacht begehen bezeichnen bodenlos echt einzig empfinden gezielt groß menschlich riesengroß riesig schimpfen schön strafbar total unglaublich verdammt verflucht wahnsinnig ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sauerei‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da gibt es keine Sauerei, da ist Ruhe, da klingelt keiner!
Süddeutsche Zeitung, 11.06.1997
Aber wie die ganze Geschichte abgelaufen ist, ist eine absolute Sauerei.
Bild, 24.10.2003
Ich passe so gut auf, und trotzdem passiert mir ständig so eine Sauerei.
Bild, 17.08.2004
Ich halte das, was bei einigen Fonds geschehen ist, für eine Sauerei.
Der Tagesspiegel, 30.07.2002
Wenn das kein Spiel wäre, müßte man von einer Sauerei reden; weil es ein Spiel ist, muß man es unbedingt begrüßen.
Süddeutsche Zeitung, 31.12.1996
Zitationshilfe
„Sauerei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sauerei>, abgerufen am 17.10.2019.

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