Sau, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sau · Nominativ Plural: Säue/Sauen
Aussprache
Wortbildung mit ›Sau‹ als Erstglied: ↗Saubauer · ↗Saubohne · ↗Saufeder · ↗Sauhatz · ↗Saujagd · ↗Sausack1 · ↗Sauschlachten · ↗säuisch
 ·  mit ›Sau‹ als Letztglied: ↗Drecksau · ↗Fettsau · ↗Muttersau · ↗Rampensau · ↗Toppsau · ↗Wildsau · ↗Zuchtsau
 ·  mit ›Sau‹ als Grundform: ↗-sau · ↗sauen · ↗versauen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
weibliches Schwein, Mutterschwein
Beispiele:
die Sau ferkelt, hat sechs Ferkel geworfen
eine tragende, trächtige Sau
salopp, derb er schrie wie eine angestochene Sau (= schrie sehr)
salopp, derb er lief davon wie eine gesengte Sau (= lief sehr schnell)
Uns ist ganz kannibalisch wohl, / Als wie fünfhundert Säuen! [GoetheFaustI 2293]
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlich Perlen vor die Säue werfen (= jmdm. etw. geben, was er nicht zu schätzen weiß)
salopp, derb jmdn. zur Sau machen (= sehr grob zurechtweisen) (= sehr schlagen)
salopp, derb etw. zur Sau machen (= etw. zerstören)
2.
salopp Mann, Mensch
a)
mit bestimmten Adjektiven
derb
Beispiel:
eine dumme, blöde, faule, feige, freche, elende, gemeine Sau
unsauberer oder unanständiger, moralisch minderwertiger Mensch, Schwein
Beispiel:
die Sau hat sich eine ganze Woche nicht gewaschen
b)
Schimpfwort
Beispiele:
so eine Sau!
du Sau!
du bist eine alte Sau!
c)
derb keine Sauniemand
Beispiele:
das nützt keiner Sau, interessiert keine Sau
da kennt sich keine Sau aus
3.
salopp, derb etw. ist unter aller Sauetw. ist sehr schlecht
Beispiele:
das Wetter war am Sonntag unter aller Sau
seine gesangliche Leistung war heute unter aller Sau
4.
Pl. -en
Jägersprache Wildschwein, Schwarzwild
Beispiele:
sie veranstalteten eine Jagd auf Sauen
er hat drei Sauen geschossen
die von den Sauen und Hirschen angerichteten Flurschäden
eine grobe (= starke) Sau
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sau · sauen · versauen · Sauerei · säuisch · Saubohne · Saustall · saudumm
Sau f. Die Bezeichnung für das Mutterschwein ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. aengl. , anord. sȳr (germ. *sū- f.) zeigt genaue Übereinstimmung mit griech. sȳ́s (σῦς) neben hȳ́s (ὗς) ‘Schwein, Sau, Eber’ und lat. sūs ‘Schwein’, so daß von ie. *sūs ‘Schwein, Sau’ ausgegangen werden kann. Der Ursprung des Wortes ist vermutlich lautnachahmendes ie. *sū̌-. Wenig wahrscheinlich ist ein Anschluß der genannten Formen im Sinne von ‘Gebärerin’ an die unter ↗Sohn (s. d.) angeführte Wurzel ie. *seu-, *sū̌- ‘gebären, erzeugen’. Ebenfalls hierher (da aus den Grunzlaut nachahmenden Lockrufen hervorgegangen) gehören die k-Ableitungen aind. sūkaráḥ ‘Schwein, Eber’, lat. sucula ‘Schweinchen’, Deminutivum zu lat. sūs (s. oben), air. socc sāil ‘Meeressäugetier’ (eigentlich ‘Meerschwein’), asächs. suga ‘Sau’, aengl. sugu, engl. sow, mnl. soghe, seughe, nl. zeug, schwed. (mit expressiver Gemination) sugga (germ. *sug(g)ō-) sowie die unter ↗Schwein (s. d.) genannten Ableitungen. Ein schwach flektierender Plural Sauen (18. Jh.) bleibt auf die Jägersprache beschränkt. Die Wendung unter aller Sau ‘unter aller Kritik, sehr schlecht’ (um 1900) ist vielleicht (nach dem Vorbild von unter aller Kanone, s. ↗Kanon) zu jidd. seo ‘Maßstab’ gebildet. sauen Vb. ‘sich schlecht, ungesittet benehmen’ (16. Jh.), ‘Ferkel kriegen’ (17. Jh.). versauen Vb. ‘verderben’ durch Schmutz oder unsachgemäße Behandlung (17. Jh.). Sauerei f. ‘Unsauberkeit, Unflätigkeit, Schlamperei’ (17. Jh.). säuisch Adj. ‘wie ein Schwein, unflätig’, seuwisch (15. Jh.). Saubohne f. große Ackerbohne, vielfach als Viehfutter verwendet (18. Jh.), zuvor auch für das den Schweinen unbekömmliche Bilsenkraut (Sawbon, 16. Jh.). Saustall m. ‘Schweinestall’ (sewstal, 15. Jh.), ‘schmutziges Zimmer, Durcheinander, unhaltbare Zustände’ (16. Jh.). Als Bestimmungswort in Zusammensetzungen dient Sau- zur pejorativen Kennzeichnung und Verstärkung wie in saudumm Adj. ‘überaus, völlig dumm’ (19. Jh.) so auch in Sauarzt m. ‘Kurpfuscher’ (16. Jh.), Sauart f. ‘unschickliches Benehmen’ (17. Jh.), Saufraß m. ‘schlechtes Essen’, Saukerl m. ‘schlechter Mensch’ (18. Jh.), Saukälte f. ‘unerträgliche, schlimme Kälte’, saukalt (19. Jh.; vgl. Hundekälte, hundekalt) sowie Sauwetter, Sauwirtschaft, Sauwut.

Thesaurus

Synonymgruppe
Mutterschwein · Sau
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dorf Eber Ferkel Frischling Keiler Perle Sau Zitze abstechen arm blöd cool dreckig dumm eingeseift faul feig fett geil geschlachtet gesengt grunzen herauslassen rauslassen schlachten schwul sprichwörtlich suhlen säugen trächtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sau‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe keine Lust mehr, länger als blöde Sau durchs Dorf getrieben zu werden.
Bild, 27.02.2004
Aber deshalb muss man ja keine Sau durchs Dorf treiben.
Der Tagesspiegel, 15.08.1999
Hundert Meter weiter trafen wir die Sau inmitten einer Schar halbwüchsiger Kinder.
Grzimek, Bernhard: Kein Platz für wilde Tiere, Köln: Lingen [1973] [1954], S. 114
Sein medizinisches Schwedisch verstehe ich kaum - sein Deutsch mäßig - sein Französisch unter der Sau - und wir sprechen meist französisch.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 31.06.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 16491
Wenn er nicht so eine arme Sau gewesen wäre, hätte man ihn gemeldet.
Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 146
Zitationshilfe
„Sau“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sau>, abgerufen am 19.10.2019.

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