Süßholzraspler, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
WorttrennungSüß-holz-ras-pler · Süß-holz-ras-pe-ler
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft jmd., der gern, oft jmdm. vom anderen Geschlecht in auffälliger Weise schmeichelt, mit jmdm. schöntut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

süß · Süße · süßen · versüßen · Süßigkeit · süßlich · Süßholz · Süßholzraspler · Süßstoff
süß Adj. ‘wie Zucker oder Honig schmeckend’ (von Speisen), im Geruch diesem Geschmack vergleichbar, übertragen ‘lieblich, wohlklingend, entzückend, wohltuend’, später auch abschätzig (2. Hälfte 18. Jh.) ‘geziert, weichlich, fade’, ahd. suoʒi (8. Jh.), mhd. süeʒe, suoʒe, (md.) sūʒe, sōʒe ‘süß, mild, angenehm, lieblich, freundlich’, asächs. swōti, mnd. sȫte, mnl. soete, nl. zoet, aengl. swēte, engl. sweet, anord. sœtr, schwed. söt (germ. *swōtja-, aus *swōtu-) führen mit aind. svādúḥ ‘wohlschmeckend, süß’, griech. hēdýs (ἡδύς, aus *Ϝαδύς) ‘erfreulich, süß, lieblich’, hḗdesthai (ἥδεσθαι) ‘sich freuen’, lat. suāvis ‘lieblich, angenehm, anziehend’ auf eine Wurzel ie. *su̯ād- ‘süß, an etw. Geschmack, Freude finden’. Der Anlaut germ. sw- verliert w vor dumpfen Vokal. Süße f. ‘das Süßsein, süßer Geschmack, Geruch, süße Art, (übertriebene) Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit’, ahd. suoʒī (8. Jh.), mhd. süeʒe, suoʒe ‘Süßigkeit, Lieblichkeit, Freundlichkeit, Wohlgeruch’. süßen Vb. ‘(Speisen, Getränke) süß machen, zuckern’, ahd. suoʒen ‘süß machen’ (9. Jh.), mhd. süeʒen, suoʒen, auch ‘angenehm machen, erquicken, erfreuen’. versüßen Vb. ‘angenehm machen, erleichtern’, mhd. versüeʒen ‘ganz süß machen’. Süßigkeit f. ‘das Süßsein, Süße’, mhd. süeʒecheit, süeʒekeit, zu dem weitergebildeten Adjektiv mhd. süeʒec ‘süß, lieblich’; heute vor allem Süßigkeiten (Plur.) ‘Naschereien, Süßes in Form von Schokolade, Pralinen, Bonbons o. ä.’ (18. Jh.). süßlich Adj. ‘ein wenig süß schmeckend, riechend, freundlich, angenehm’, auch (seit 2. Hälfte 18. Jh.) abschätzig im Sinne von ‘unangenehm, geziert, fade, kitschig, weichlich’, ahd. suoʒlīh (9. Jh.; vgl. suoʒlīhho Adv., 8. Jh.), mhd. süeʒlich, (md.) sūʒlich ‘süß, milde, angenehm, lieblich, freundlich’. Süßholz n. süßschmeckende, zur Lakritzengewinnung verwendete Wurzel des Süßholzstrauches, mhd. süeʒholz, für griech.-lat. glycyrrhiza ‘Süßwurzel, -holz’ (s. ↗Lakritze); dafür auch Süßwurz(el) (16. Jh.); in übertragenem Sinne seit dem 16. Jh. verwendet; vgl. dazu Süßholz raspeln ‘einer Frau in auffallender Weise schmeicheln, ihr den Hof machen, mit ihr schöntun’, Süßholzraspler m. ‘Schmeichler, Schöntuer’ (beide Mitte 19. Jh.). Süßstoff m. synthetisch hergestellte organische Verbindung, die ohne Nährwert süßt (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Casanova · ↗Charmeur · ↗Don Juan · Liebling der Frauen · ↗Schmeichler · ↗Verführer  ●  ↗Hurenbock  vulg. · ↗Schürzenjäger  ugs. · Süßholzraspler  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Filou · ↗Frauenheld · ↗Frauenjäger · ↗Gigolo · ↗Hallodri · ↗Herzensbrecher · ↗Playboy · ↗Schlawiner · ↗Schwerenöter · ↗Witwentröster · ↗Wüstling · jedem Weiberrock hinterherlaufen  ●  ↗Ladykiller  scherzhaft · ↗Schürzenjäger  Hauptform · ↗Suitier  veraltet · ↗Womanizer  engl. · ↗Aufreißer  ugs. · Mann für alle Gelegenheiten  ugs., ironisch · Süßholzraspler  ugs. · ↗Weiberheld  ugs. · einer, der nichts anbrennen lässt  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seither gilt er als »Meister des schlechten Geschmacks«, als »Süßholzraspler«, als »König des Kaufhaus-Kitsches«.
Die Zeit, 14.01.2008, Nr. 02
Ein scharfer Säusler, man kann es sich denken, war er also nie, und ein Süßholzraspler, ein Trendsurfer ist er auch heute noch nicht.
konkret, 1986
Er war ja schon immer ein Süßholzraspler, stets zu nachdrücklich im Erzählen, zu deutlich im Anliegen, zu betulich im Tempo.
Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11
Solcherlei Utopisierung diesseitigen Glücks begegnet Twardowskis Grimm: Du bist ein Schwätzer, ein Schönredner, ein frecher Süßholzraspler.
konkret, 1992
Giovanni gestaltet Raimund Nolte sehr überzeugend als einen zügellosen, zynischen Fiesund Wüstling, pendelnd zwischen plebejischem Grande und erotisierendem Süßholzraspler.
Der Tagesspiegel, 29.03.2004
Zitationshilfe
„Süßholzraspler“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Süßholzraspler>, abgerufen am 14.10.2019.

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