Ruf, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ruf(e)s · Nominativ Plural: Rufe
Aussprache
Wortbildung mit ›Ruf‹ als Erstglied: ↗Rufmord · ↗Rufname · ↗Rufnummer · ↗Rufnähe · ↗Rufsignal · ↗Rufsäule · ↗Rufweite · ↗Rufzeichen · ↗rufschädigend
 ·  mit ›Ruf‹ als Letztglied: ↗Alarmruf · ↗Amselruf · ↗Angstruf · ↗Autoruf · ↗Balzruf · ↗Beifallsruf · ↗Bravoruf · ↗Brunftruf · ↗Buh-Ruf · ↗Buhruf · ↗Direktruf · ↗Eulenruf · ↗Fernruf · ↗Freudenruf · ↗Gegenruf · ↗Hilferuf · ↗Hochruf · ↗Hurraruf · ↗Jubelruf · ↗Kampfesruf · ↗Kampfruf · ↗Kassandraruf · ↗Klageruf · ↗Kommandoruf · ↗Kuckucksruf · ↗Lockruf · ↗Mahnruf · ↗Notruf · ↗Ordnungsruf · ↗Pfuiruf · ↗Postenruf · ↗Protestruf · ↗Racheruf · ↗Reiseruf · ↗Rückruf · ↗SOS-Ruf · ↗Schlachtruf · ↗Schmerzensruf · ↗Schmähruf · ↗Schreckensruf · ↗Siegesruf · ↗Spottruf · ↗Stundenruf · ↗Telefonruf · ↗Triumphruf · ↗Trommelruf · ↗Trompetenruf · ↗Vogelruf · ↗Warnruf · ↗Weckruf · ↗Wehruf · ↗Weltruf · ↗Wächterruf · ↗Zwischenruf
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
meist kurze, lautliche Äußerung des Menschen, Tieres
Beispiele:
ein lauter, gellender, eiliger, langgezogener, leiser, ferner, unverständlicher, anerkennender, lachender, lockender, heftiger, böser, höhnischer Ruf
die munteren Rufe der Kinder
der schmetternde Ruf des Hahnes
der nächtliche Ruf des Käuzchens
ein Ruf ertönt, erschallt
einen Ruf ausstoßen, aufnehmen, hören
in einen Ruf ausbrechen
die Rufe der Händler
vielstimmige Rufe stiegen aus der Menge auf
wir vernahmen deutlich Rufe aus der Schlucht
der Redner schloss mit dem Ruf (= Ausruf): »Es lebe das Geburtstagskind!«
ein mahnender, warnender Ruf
die Rufe der Posten
schrille Rufe: »Sie haben uns!« [A. ZweigErziehung274]
übertragen
Beispiel:
der Ruf des Jagdhorns, der Trompete
Aufforderung zum Kommen
Beispiele:
das Kind folgte dem Ruf des Vaters
die Rufe nach der Kellnerin wollten nicht aufhören
der balzende Ruf (= Lockruf) des Auerhahns
und als er auf den hellen Ruf [seiner Frau] ins Zimmer ... stürzte [StormSchimmelr.7,238]
2.
nur im Singular
Appell, Aufruf
Beispiele:
an alle Bürger ergeht der Ruf zur Mitarbeit
auf unseren Ruf hin halfen alle mit
dem Ruf seines Herzens folgen
Wehe dem Geschlecht ... wenn es den Ruf seines Gewissens betäubt [RathenauKommende Dinge345]
von der Allgemeinheit dringend geäußerter Wunsch, Forderung
Beispiel:
der Ruf nach Frieden ist unüberhörbar
3.
Berufung
a)
Angebot eines Engagements für einen namhaften Künstler
Beispiel:
der Kammersänger folgte einem Ruf an die Oper in D
b)
im Hochschulwesen   Angebot zur Übernahme eines Lehrstuhls
Beispiele:
an den jungen Forscher erging ein Ruf auf den Lehrstuhl für romanische Philologie
einen Ruf als Professor erhalten, annehmen, abschlagen, ablehnen
4.
nur im Singular
Meinung über jmdn., die von vielen geteilt wird
Beispiele:
ein makelloser, untadeliger, zweifelhafter, trauriger, übler, internationaler, weltweiter, literarischer, musikalischer, wissenschaftlicher Ruf
der treffliche Ruf dieses Unternehmens
ein Fachmann, Institut von bestem Ruf
sein Ruf (= Leumund) ist tadellos
dem Orchester geht ein vortrefflicher Ruf voraus
seinem Ruf schaden
einen guten Ruf haben, genießen
seine Leistung brachte ihm den Ruf eines Könners ein
seinen Ruf (als Fachmann) wahren, gefährden, aufs Spiel setzen
sein schlechter Lebenswandel untergrub seinen Ruf
seinen Ruf als Künstler verderben, ruinieren, verlieren, wiederherstellen
sich [Dativ] einen Ruf erwerben, verdienen, erhalten
auf seinen (guten) Ruf achten
in gutem, schlechtem Ruf stehen
er kam in den Ruf, ein Karrierist zu sein
jmdn. in einen zweideutigen Ruf bringen
ich bin besser als mein Ruf [SchillerStuartIII 4]
5.
nur im Singular
Fernsprechnummer, Rufnummer
Beispiel:
die Bibliothek ist zu erreichen unter Ruf 55 66 33
6.
nur im Singular
veraltet Kunde, Gerücht
Beispiel:
Der Ruf des Krieges ist zu euch gekommen [GoetheIphigenieI 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rufen · Ruf1 · verrufen · Rufname
rufen Vb. ‘die Stimme laut ertönen lassen’. Das ursprünglich reduplizierende germ. Verb ahd. (h)ruofan (8. Jh.), mhd. ruofen, (md.) rūfen, rōfen, asächs. hrōpan, mnd. rōpen, mnl. nl. roepen, afries. hrōpa, aengl. hrōpan ‘rufen’ (germ. *hrōpan) ist ebenso wie schwach flektierendes ahd. (h)ruofen (9. Jh.), mhd. rüefen, ruofen, (md.) rūfen, rōfen, anord. hrōpa, hrœpa ‘verleumden, rufen’, schwed. ropa, got. hrōpjan ‘rufen’ (germ. *hrōpjan) vermutlich lautnachahmenden Ursprungs und gehört zu einer b-Erweiterung der Schallwurzel ie. *kar(ə)- ‘laut preisen, rühmen’, wozu auch ↗Ruhm (s. d.) und außergerm. aind. carkarti ‘erwähnt rühmend’, karkaríḥ, karkarī́ ‘eine Art Laute’, kīrtíḥ ‘Ruhm, Kunde, Erwähnung, Preis, Lob’, griech. karká͞irein (καρκαίρειν) ‘erdröhnen, erbeben, zittern’, kḗryx (κήρυξ), (dor.) kā́ryx (κάρυς) ‘Herold, Bote’, lit. kar̃das ‘Widerhall, Echo’, kardìntis ‘sich bemerkbar machen, von sich hören lassen’, ablautend alit. apkerdžiu ‘ich verkünde’ gestellt werden können. Ruf1 m. ‘lautliche Äußerung, Appell, Forderung, Berufung (in ein Amt), Leumund’, ahd. (h)ruof (11. Jh.), mhd. ruof, (md.) rūf, mnd. rōp ‘Ruf, Geschrei’, mnl. nl. roep, aengl. hrōp ‘Ruf, Geschrei, Klage’, anord. hrōp ‘Verleumdung, Gerücht’, got. hrōps ‘Ruf, Geschrei’ und ahd. (h)ruoft ‘Geschrei’ (8. Jh.), mhd. ruoft ‘Ruf, Geschrei, Schall, Leumund’ sind Abstraktbildungen zum Verb (vgl. auch ahd. gi(h)ruofti, mhd. geruofte, s. ↗Gerücht). verrufen Vb. (veraltet) ‘öffentlich bekanntmachen’, mhd. (stark und schwach) verruofen, verrüefen ‘öffentlich ausrufen’, danach ‘in schlechten Ruf bringen’ (17. Jh.). Heute nur noch verrufen Part.adj. ‘übel beleumdet, berüchtigt’ (18. Jh.). Rufname m. (19. Jh.).

Ruf2 · Rufe
Ruf2, Rufe f. obd. westd. ‘Grind, Wundschorf, Kruste’, ahd. (h)ruf ‘Aussatz’ (8. Jh.), frühnhd. ruf(e) ‘Aussatz, Schorf’ (15. Jh.), mnl. rove, nl. roof, anord. hrufa (germ. *hruf-); daneben ablautend ahd. (h)riob ‘aussätzig’ (9. Jh.), aengl. hrēof ‘rau, schorfig, aussätzig’, anord. hriūfr ‘uneben, rau, schorfig’ (germ. *hreuf-). Außergerm. stehen nahe aslaw. krupica ‘Brosame, Krümchen’, russ. krúpnyj (крупный) ‘grobkörnig, groß’ krupá (крупа) ‘Grütze, Graupen’, lett. kraũpis ‘Hautausschlag’, lit. kraupùs ‘rau, uneben, struppig’, nu-krùpęs ‘schorfig’, anzuschließen an ie. *kreup- ‘Schorf, sich verkrusten’ (s. ↗grob).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Ausruf · Ruf · ↗Schrei  ●  Exclamatio  fachspr., lat.
Assoziationen
Synonymgruppe
(guter) Ruf · ↗Ansehen · ↗Bild · ↗Image · ↗Leumund · ↗Namen · ↗Prestige · ↗Renommee · ↗Reputation · ↗Stellung
Assoziationen
  • (ein) (hohes) Ansehen genießen · ↗anerkannt · geachtet werden · geschätzt werden · ↗namhaft · ↗profiliert · ↗renommiert  ●  (einen) guten Leumund haben  variabel · (einen) guten Namen haben  variabel · (einen) guten Ruf genießen  variabel · (einen) guten Ruf haben  variabel · (einen) guten Ruf zu verlieren haben  variabel · (einen) guten Ruf zu verteidigen haben  variabel · (gut) angesehen sein  variabel · (sein) Name hat (in bestimmten Kreisen) einen guten Klang  variabel · in einem guten Ruf stehen  variabel · (sich) eines guten Ruf(e)s erfreuen  geh. · bestbeleumdet  geh. · gut beleumdet  geh., variabel · gut beleumundet (sein)  geh., variabel
  • Achtung · ↗Ansehen · ↗Autorität · ↗Bedeutung · ↗Einfluss · ↗Geltung · ↗Hochachtung · ↗Prestige · ↗Renommee · ↗Wertschätzung · ↗Würdigung  ●  ↗Standing  engl.
  • (seinen ) Ruf nicht aufs Spiel setzten (wollen) · einen Ruf zu verlieren haben
  • (einen) schlechten Ruf (haben) · (jemandem / einer Sache) haftet ein schlechter Ruf an · ↗Imageproblem  ●  die Bösen sein  ugs., fig.
  • Diffamierung · ↗Herabwürdigung · ↗Rufschädigung · ↗Schmähung · ↗Verleumdung · ↗Verunglimpfung  ●  ↗Diffamation  geh. · ↗Diffamie  geh.
  • (das) Gesicht wahren · (die) Würde wahren
  • (große) Bekanntheit erlangen · (großes) Ansehen erlangen (mit) · (großes) Ansehen gewinnen · (sich) (großes) Ansehen erwerben (mit) · bekannt werden (mit)  ●  (sich) einen Namen machen (mit / durch)  Hauptform
Synonymgruppe
Laut · ↗Laute · Ruf · ↗Rufe
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Technik
Synonymgruppe
Ruf · Rufspannung · Rufstrom · ↗Rufton
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Berufung  ●  Ruf  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

anhaften aufpolieren ausgezeichnet begründen beschädigen einbringen eintragen erarbeiten erschallen ertönen erwerben exzellent festigen folgen genießen gut hervorragend laut lauter legendär ramponiert rechen ruinieren schaden schlecht schädigen verdanken vorauseilen vorausgehen zweifelhaft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ruf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Forscher ermittelten den Ruf von jenen 53 Männern, die in beiden Phasen mitgearbeitet hatten.
Die Zeit, 01.05.2013 (online)
Die Stadt läuft ihrem Ruf hinterher, den roten Mündern der zwanziger Jahre.
Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 193
Unter Insidern konnte das Z. trotz allem einen guten Ruf erwerben.
Herbst, Andreas u. a.: Lexikon der Organisationen und Institutionen - Z. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 1656
Den Ruf nach dem gleichen Rechte werde man niemals mehr im Volke beseitigen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1933]
Es ist nicht hübsch, in dem Ruf zu stehen: nie genug bekommen zu können.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 24520
Zitationshilfe
„Ruf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ruf>, abgerufen am 22.04.2019.

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