Religion, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Religion · Nominativ Plural: Religionen
WorttrennungRe-li-gi-on
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Religion‹ als Erstglied: ↗Religionsbekenntnis · ↗Religionsethnologie · ↗Religionsfrage · ↗Religionsfreiheit · ↗Religionsfriede · ↗Religionsfrieden · ↗Religionsgemeinschaft · ↗Religionsgeschichte · ↗Religionskrieg · ↗Religionskunde · ↗Religionslehre · ↗Religionslehrer · ↗Religionspolitik · ↗Religionspsychologie · ↗Religionsschrift · ↗Religionssoziologie · ↗Religionsstifter · ↗Religionsstreit · ↗Religionsstunde · ↗Religionsunterricht · ↗Religionswissenschaft · ↗Religionszugehörigkeit · ↗religionslos
 ·  mit ›Religion‹ als Letztglied: ↗Kunstreligion · ↗Naturreligion · ↗Offenbarungsreligion · ↗Staatsreligion · ↗Stifterreligion · ↗Universalreligion · ↗Vernunftreligion · ↗Volksreligion · ↗Weltreligion
 ·  mit ›Religion‹ als Grundform: ↗Reli
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Glaube an vermeintliche überirdische Mächte, Wesen, besonders Götter oder einen Gott als Schöpfer und Lenker der Welt und der Menschen sowie die entsprechende kultische Verehrung
Beispiele:
über Religion sprechen, streiten
die Religion hatte ihn nicht befriedigt, darum ging er zur exakten Wissenschaft
die Stellung der Religion im gesellschaftlichen Leben
die Religion ist der Seufzer der bedrängten Natur ... Sie ist das Opium des Volks [Marx-EngelsHeilige Familie12]
nun ist alle Religion nichts andres als die phantastische Widerspiegelung, in den Köpfen der Menschen, derjenigen äußern Mächte, die ihr alltägliches Dasein beherrschen, eine Widerspiegelung, in der die irdischen Mächte die Form von überirdischen annehmen [EngelsAnti-Dühring393]
bildlich
Beispiele:
die Liebe zu ihren Kindern wurde für sie Religion (= das Höchste, Bedeutsamste im Leben)
[Ludwig XIV.] welcher zuerst die Despotie zur Religion erhob [Dahlm.Franz. Revolution107]
2.
bestimmter, durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube, Glaubensbekenntnis
Beispiele:
die buddhistische, christliche, jüdische, mohammedanische Religion
monotheistische, polytheistische Religionen
einer Religion (= Glaubensgemeinschaft) angehören
jmdn. in einer Religion unterweisen, unterrichten
nur im Singular
Schülersprache Religionsunterricht
Beispiel:
Religion haben wir nicht mehr in der Schule
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Religion · religiös · Religiosität
Religion f. ‘Glaube an als existent vorausgesetzte überirdische, heilige, göttliche Mächte, dessen Lehre (Festlegungen, Dogmen u. dgl.) und seine Ausübung’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh.) aus lat. religio (Genitiv religiōnis) ‘gewissenhafte Beachtung dessen, was sich auf die Verehrung der Götter bezieht, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit (gegenüber dem Heiligen), religiöses Gefühl, fromme Scheu, Gottesfurcht, Glaube, das Heilige, kultische Verehrung’. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Bildung (so bereits Cicero) zu lat. relegere ‘von neuem in Gedanken durchgehen’, eigentlich ‘wieder zusammennehmen, zurücknehmen, wieder, von neuem lesen’ (vgl. lat. legere ‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, lesen’). Eine andere, ebenfalls antike, jedoch bereits christlich geprägte Auffassung (bei Lactantius, um 300) stellt lat. religio zu lat. religāre ‘zurück-, auf-, anbinden, befestigen’ (vgl. lat. ligāre ‘binden, an-, festbinden, verbinden, vereinigen’); sie wird von Augustin aufgenommen, der religio als ‘Bindung des Menschen an Gott’ begreift, und dadurch Bestandteil der älteren Kirchensprache. religiös Adj. ‘die Religion betreffend, auf ihr beruhend, gläubig, fromm’, Übernahme (um 1700, anfangs in frz. Schreibweise) von gleichbed. frz. religieux (afrz. religios), das im Dt. früher bezeugtes religios (16. Jh., vereinzelt noch im 20. Jh.) zurückdrängt. Älter ist mhd. religiōse m., frühnhd. Religios ‘Priester, Mitglied eines Ordens’, heute (nur noch in der zweiten Bedeutung) meist Plur. die Religiosen. Alle Formen beruhen auf lat. religiōsus ‘gewissenhaft, voll religiöser Scheu, gottesfürchtig, fromm, heilig’, mlat. (substantiviert) auch ‘Mitglied eines Ordens, Mönch, Geistlicher’. Religiosität f. ‘Gläubigkeit, Frömmigkeit’ (2. Hälfte 17. Jh.), spätlat. religiōsitās (Genitiv religiōsitātis); vgl. frz. religiosité (afrz. auch ‘Ordens-, Mönchsleben’).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Gottesglauben · Religion · ↗Theismus
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Religion
Synonymgruppe
Glaube · ↗Glauben · ↗Glaubensrichtung · ↗Kirche · Religion · ↗Weltanschauung · religiöse Überzeugung
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Religion
Synonymgruppe
Religion · religiöse Bewegung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausübung Christentum Dialog Ethik Geschlecht Glaube Hautfarbe Herkunft Islam Kultur Moral Nationalität Philosophie Politik Privatsache Rasse Religion Sprache Toleranz Trennung Wahlpflichtfach Weltanschauung Wissenschaft christlich islamisch jüdisch katholisch monotheistisch nichtchristlich verschieden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Religion‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn so, wie bunt nicht gleich bunt ist, ist Religion nicht gleich Religion.
Die Zeit, 11.07.1997, Nr. 29
Zudem befürwortete er die Öffnung neuer Kirchen für die unterschiedlichen Religionen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1988]
Der Mann hat von Religion mehr begriffen als viele Christen.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 180
Der Übertritt von Anhängern höherer Religionen zum Islam ging normalerweise jedoch nur langsam vonstatten.
Watt, Montgomery: Der Islam. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 27611
Damit freilich wäre der Islam als Religion der neuen Herren die herrschende Religion geworden.
Grunebaum, Gustav Edmund von: Der Islam. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21469
Zitationshilfe
„Religion“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Religion>, abgerufen am 20.11.2018.

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