Reim, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reim(e)s · Nominativ Plural: Reime
Aussprache
Wortbildung mit ›Reim‹ als Erstglied: ↗Reimart · ↗Reimchronik · ↗Reimgedicht · ↗Reimpaar · ↗Reimschmied · ↗Reimwort · ↗reimlos
 ·  mit ›Reim‹ als Letztglied: ↗Abzählreim · ↗Binnenreim · ↗Endreim · ↗Kehrreim · ↗Kinderreim · ↗Kreuzreim · ↗Neckreim · ↗Rätselreim · ↗Schüttelreim · ↗Spottreim · ↗Stabreim · ↗Wechselreim
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Gleichklang einer oder mehrerer Silben mit einer oder mehreren anderen bei verschiedenem Silbenanlaut, besonders am Ende einer Verszeile
Beispiele:
ein stumpfer, klingender, männlicher, weiblicher, (un)reiner Reim
einsilbige, zweisilbige, mehrsilbige, paarige Reime
Reime machen, bilden
etw. in Reime setzen
umgangssprachlich Reime schmieden (= schlecht und recht reimen)
ein Glückwunsch in Reimen (= gereimten Versen)
keinen Reim auf ein Wort finden, wissen
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
darauf finde ich, weiß ich keinen Reim (= das kann ich nicht verstehen)
darauf kann ich mir keinen Reim machen
darauf musst du dir selbst, allein deinen Reim machen (= das mußt du dir selbst zu erklären suchen)
2.
kleines Gedicht, Vers
Beispiele:
die Mutter lehrt ihr Kind alte, lustige Reime
Er hatte seit Jahren ... die im Volke lebenden Reime und Lieder gesammelt [StormImmensee1,28]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reim · reimen
Reim m. ‘Gleichklang einer oder mehrerer Silben bei verschiedenem Anlaut (besonders am Ende einer Verszeile), kleines Gedicht, Vers’, mhd. rīm ‘Reim, Vers(zeile), Verspaar’ ist entweder eine Entlehnung von afrz. frz. rime ‘gebundene Rede, Reim’ oder übernimmt vielmehr als altes germ. Wort im Sinne von ‘Reihe’ (wie auch das Mnd. und Mnl.) die im Afrz. übliche Bedeutung. Denn afrz. rime stammt wohl (vgl. FEW 16, 718) seinerseits aus dem Germ., und zwar aus anfrk. *rīm ‘Reihe’ bzw. ahd. rīm ‘Reihe, Reihenfolge, Zahl’ (8. Jh.), denen asächs. unrīm ‘Unzahl’, aengl. rīm ‘Zahl, Zählung, Rechnung’, anord. rīm ‘Berechnung, Kalender’ (auch, nach dem Mnd., ‘Reim, Gedicht’) entsprechen. Diese sind verwandt mit griech. ararískein (ἀραρίσκειν) ‘zusammenfügen, verfertigen’, arithmós (ἀριθμός) ‘Reihe, Zahl, (Auf)zählung’, nḗritos (νήριτος) ‘zahllos, unendlich’, lat. rītus ‘Gebrauch, Sitte, Gewohnheit, Art’, air. rīm ‘Zahl’, so daß Anschluß an die Wurzelform *(a)rī̌-, *rēi- der unter ↗Arm (s. d.) angeführten Wurzel ie. *ar(ə)- ‘zusammenfügen, passen’ möglich ist. Die Bedeutungsentwicklung führt von ‘Reihenfolge’ über ‘Reihe ähnlich klingender Versausgänge, Reimreihe’ zu ‘Endreim’ und ‘Reimvers’. Die bis ins 17. Jh. reichende Verwendung von Reim im Sinne von ‘Vers(zeile), Verspaar’ ist noch in ↗Kehrreim (s. d.) und Kinderreim ‘einfacher, leicht faßlicher, einprägsamer Reim, Vers für Kinder’ bewahrt. Durch Opitz wird Reim (nach frz. Vorbild) als ‘Endreim’ definiert. reimen Vb. ‘Reime bilden, in Reimen ausdrücken, in Reime bringen’, reflexiv ‘einen (End)reim bilden, zueinander passen, einen Sinn ergeben’, mhd. rīmen ‘in Verse bringen’, aus gleichbed. afrz. rimer; vgl. dagegen ahd. rīmen, aengl. rīman ‘zählen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Reim [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Assoziationen
Synonymgruppe
Gedicht · ↗Poem · Reim · lyrisches Werk
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Elegie · Gedichtform mit schwermütiger Stimmung · Klagegedicht
  • Ode
  • Sonett
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alliteration Assonanz Binnenreim Deppendorf Einsatzleiter Jambus Kinderlied Metrik Metrum Reim Rhythmus Strophe Strophenform Vers Versfuß Versmaß Wacht Wohlklang Wortspiel draufmachen eingängig einprägsam holpernd holprig nordfranzösisch nordostfranzösisch rappen schmieden umarmend unrein

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reim‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn man nichts zu sagen hat, dann nützen auch die Reime nichts.
Der Tagesspiegel, 01.10.1999
Jeder vermag sich seinen eigenen Reim auf diese Sprache zu machen.
Süddeutsche Zeitung, 10.10.1995
Darf ich dich vielleicht nicht nach einem Reim fragen, was?
Krüss, James: Mein Urgroßvater und ich, Hamburg: Oetinger 1959, S. 204
An der vielhundertjährigen Entwicklung des lateinischen Reims läßt sich das beobachten.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 392
Ich bin kein Dichter, es ist dreißig Jahre her, daß ich geglaubt habe, einer zu sein, ich finde nicht einmal mehr die bescheidensten Reime.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1941. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1941], S. 104
Zitationshilfe
„Reim“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Reim>, abgerufen am 23.05.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Reiki
Reihzeit
Reihung
reihum
Reihgarn
Reimart
Reimchronik
reimen
Reimer
Reimerei