Reißer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reißers · Nominativ Plural: Reißer
Aussprache
WorttrennungRei-ßer (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Reißer‹ als Erstglied: ↗reißerisch  ·  mit ›Reißer‹ als Letztglied: ↗Bühnenreißer · ↗Futterreißer · ↗Kriminalreißer · ↗Possenreißer · ↗Wildwestreißer · ↗Witzereißer
eWDG, 1974

Bedeutung

salopp, abwertend Spannung erregendes, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Buch, Theaterstück oder Filmwerk von meist fragwürdiger künstlerischer Qualität
Beispiele:
das Buch ist ein spannender, gut gemachter, bloßer Reißer
So kamen gerade bei solchen Vorstellungen oft die merkwürdigsten Schmöker ans Licht, meist irgendein Reißer oder ein Sensationsstück, in dem der Benefiziant dann eine Bombenrolle spielen mußte [WintersteinLeben1,173]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bestseller · ↗Hit · ↗Kassenerfolg · ↗Kassenmagnet · ↗Kassenschlager · ↗Knüller · ↗Publikumserfolg · ↗Verkaufsschlager  ●  Reißer  ugs. · ↗Renner  ugs. · ↗Schnelldreher (Kaufmannssprache)  fachspr. · ↗Zugpferd  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Reißer  ●  Pageturner (Buch)  engl. · ↗Thriller  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

billig echt inszenieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reißer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er kann es sich leisten, auf virtuose Reißer zu verzichten.
Süddeutsche Zeitung, 12.11.2004
So entstand ein melodramatischer Reißer, den schon der Inhalt verdorben hatte, noch ehe er gedreht worden ist.
Die Zeit, 21.04.1961, Nr. 17
Dem effektvollen Reißer verhalfen nicht zuletzt die furios loslegenden Bläser auf die Beine.
Der Tagesspiegel, 09.01.2001
Für den Entwurf der Illustrationen waren entgegen dem üblichen Brauch mehrere Reißer tätig.
o. A.: Lexikon der Kunst - N. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1993], S. 12771
Kein Krimi-Autor von Format würde sich trauen, seinen Lesern einen so phantastisch konstruierten Reißer anzubieten.
Der Spiegel, 09.08.1982
Zitationshilfe
„Reißer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Reißer>, abgerufen am 24.06.2019.

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