Reformation, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Reformation · Nominativ Plural: Reformationen
WorttrennungRe-for-ma-ti-on
Wortbildung mit ›Reformation‹ als Erstglied: ↗Reformationsfest · ↗Reformationstag · ↗Reformationszeit
 ·  mit ›Reformation‹ als Letztglied: ↗Gegenreformation
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
historisch Erneuerungsbewegung innerhalb des westlichen Christentums im 16. Jahrhundert, die zur Abspaltung von der katholischen Konfession und zur Bildung der protestantischen Kirchen führte sowie umfassende und weitreichende Auswirkungen in den verschiedensten Lebensbereichen nach sich zog
Beispiele:
Denken wir an die Reformation, dann denken wir […] an Zwingli, Calvin, Müntzer und natürlich an Luther und seinen Hammer, mit dem der […] wortgewaltige Theologe seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt hat. [Die Zeit, 23.06.2014, Nr. 25]
Die Reformationen Luthers, Zwinglis und Calvins erscheinen zusammen mit der katholischen Reform des 16. Jahrhunderts als »Kulminationspunkt von zwei Jahrhunderten voller Reformstreben«. [Neue Zürcher Zeitung, 24.11.2007]
War es vor der Reformation Frauen noch möglich gewesen, in geistlicher Liebe zu Gott und frommer Keuschheit den Fluch der Erbsünde zu durchbrechen, so sind sie nach Luther und Calvin von Natur aus zur Mutterschaft bestimmt. [Welt am Sonntag, 18.03.2001]
Mit Luthers Auftreten stieg die Zahl der in Deutschland gedruckten Bücher von 150 im Jahr des Thesenanschlags auf ca. 1000 sieben Jahre danach. […] Die Reformation wurde erst möglich mit der Revolution der Medien durch den Buchdruck. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 111]
So läßt sich die Tatsache, daß in der Reformation die Klöster aufgehoben wurden, vom Wesen des Rechtfertigungsglaubens her verstehen: jeder getaufte Christ war zu dem Stande des wahren Christen gerufen. [Adam, A.: Mönchtum. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 22063. Zitiert nach: Adam, A.: Mönchtum. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 4, Tübingen: Mohr 1960.]
Kollokationen:
in Koordination: Reformation und Gegenreformation, Kirchenspaltung, Humanismus, Aufklärung, Buchdruck
mit Adjektivattribut: die lutherische, calvinistische, protestantische Reformation
als Genitivattribut: das Zeitalter der Reformation; der Vorabend, der Vorläufer der Reformation; im Gefolge der Reformation; das Kernland, Stammland, Ursprungsland, die Wiege, die Kirche der Reformation
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Reformation übertreten, sich zur Reformation bekennen, aus der Reformation hervorgehen
als Akkusativobjekt: die Reformation [in einer bestimmten Region] einführen, durchführen, durchsetzen
als Aktivsubjekt: die Reformation bewirkt etw., löst etw. aus, findet statt
2.
umfassende und weitreichende Modernisierung und Umstrukturierung
  häufig in Anspielung auf Reformation (1)
Beispiele:
In nichtchristlichen Religionskulturen wird gegenwärtig darüber debattiert, ob man eine Reformation brauche, im Buddhismus wie im Islam. [Die Zeit, 20.12.2006, Nr. 52]
Zu der von beiden gewollten Reformation des Judentums konnte es nicht kommen, weil es die Aufgabe der jüdischen Tradition, also das Ende des Judentums bedeutet hätte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2006]
Ohne das Vorbild des Humboldtschen Idealtypus sei zum Beispiel die Reformation der amerikanischen Universitäten im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts »nicht denkbar«. [Süddeutsche Zeitung, 06.07.1996]
Noch kein Land hat gleichzeitig so viele Transformationen und Reformationen auf einmal bewältigen müssen – von Marx zum Markt, von der Diktatur zur Demokratie, von der starken Zentralisierung zu einer dezentralen Struktur. [Die Zeit, 13.03.1992, Nr. 12]
Unzufrieden sind die Studenten, die nicht so recht sehen und spüren, was ihnen die angeblich permanente Reformation der letzten zehn Jahre konkret gebracht hat an qualitativer Verbesserung ihres Studiums und ihrer Existenz. [Die Zeit, 25.05.1979, Nr. 22]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: die katholische, islamische Reformation
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reformieren · reformiert · Reformierte · Reformation · Gegenreformation · Reformator · Reform
reformieren Vb. ‘erneuern, umgestalten, verbessern’, auch mhd. reformieren, entlehnt aus lat. reformāre ‘umgestalten, -bilden, verwandeln, abändern, verbessern, wiederherstellen’; vgl. lat. formāre ‘formen, gestalten’, zu lat. forma ‘Gestalt, Figur, Äußeres’ (s. ↗Form). Zunächst ‘in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherstellen’ (vom Zustand der Kirche, der Klöster u. dgl., 15. Jh.), dann (auch allgemein) ‘umgestalten, verbessern, erneuern’ (16. Jh.), vor allem bezogen auf die reformatorische Tätigkeit Luthers und die protestantische Kirchenreform. Dazu reformiert Part.adj. ‘aus den kirchlichen Reformbestrebungen Zwinglis und Calvins hervorgegangen’ (um 1600), vgl. reformierte Kirche; substantiviert Reformierte Plur. für die Anhänger dieser Kirchen (Mitte 17. Jh.). Reformation f. ‘Erneuerung, Umgestaltung’, frühnhd. reformacye (Anfang 15. Jh.), reformatze, reformacion, reformation (15. Jh.), entlehnt aus gleichbed. lat. reformātio (Genitiv reformātiōnis). Seit der 1. Hälfte des 16. Jhs. bezeichnet der Ausdruck vornehmlich die lutherische Erneuerungsbewegung, seit der Aufklärung auch eine ‘Erneuerung des politischen, sozialen und geistigen Lebens’. Gegenreformation f. ‘Gegenbewegung der katholischen Kirche (1555 bis 1648) gegen die Reformation’ (geprägt 1776 von dem Staatsrechtler Pütter, Göttingen). Reformator m. ‘Umgestalter, Verbesserer’, speziell (auf Luther bezogen) ‘Erneuerer der Kirche’, Entlehnung (2. Hälfte 16. Jh., bis ins 18. Jh. mit lat. Flexion) von gleichbed. lat. reformātor. Reform f. ‘planmäßige Umgestaltung, Neuordnung, Verbesserung bestehender Einrichtungen und Verhältnisse durch Beseitigung von Mißständen’, Übernahme (um 1700) von frz. réforme ‘Veränderung, Verbesserung’ (auch ‘Wiederherstellung der alten Regel in einem Orden, Veränderung der christlichen Lehre und Ordnung durch die protestantische Bewegung’), Verbalsubstantiv zu frz. réformer ‘umgestalten, verbessern’, afrz. reformer ‘neu gestalten, neu bilden’, nach lat. reformāre (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Erneuerung · ↗Neuausrichtung · ↗Neuorientierung · Reformation · ↗Umorientierung · ↗Verbesserung · geistige Umgestaltung  ●  frischer Wind  fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Es ist nicht mehr wie früher. · Jetzt gelten andere Regeln.  ●  Die Zeiten haben sich geändert.  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufklärung Ausbreitung Bauernkrieg Bildersturm Buchdruck Einführung Gefolge Gegenreform Gegenreformation Herzogtum Humanismus Kernland Kirchenspaltung Luther Mutterland Orthodoxie Reichsstadt Renaissance Spätmittelalter Stammland Säkularisation Säkularisierung Ursprungsland Vorabend Wirre Wittenberger Zeitalter calvinistisch lutherisch protestantisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reformation‹.

Zitationshilfe
„Reformation“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Reformation>, abgerufen am 13.11.2019.

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