Rede, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Rede · Nominativ Plural: Reden
Aussprache
WorttrennungRe-de
Wortbildung mit ›Rede‹ als Erstglied: ↗Redefigur · ↗redegewaltig  ·  mit ›Rede‹ als Letztglied: ↗Abschiedsrede · ↗Afterrede · ↗Antrittsrede · ↗Begrüßungsrede · ↗Bierrede · ↗Brandrede · ↗Bundestagsrede · ↗Büttenrede · ↗Dankesrede · ↗Denkrede · ↗Diskussionsrede · ↗Drohrede · ↗Einleitungsrede · ↗Einweihungsrede · ↗Eröffnungsrede · ↗Etatrede · ↗Festrede · ↗Figurenrede · ↗Gedenkrede · ↗Gedächtnisrede · ↗Gegenrede · ↗Geheimrede · ↗Gottesrede · ↗Grabrede · ↗Grundsatzrede · ↗Hassrede · ↗Hetzrede · ↗Jungfernrede · ↗Leichenrede · ↗Lobrede · ↗Lästerrede · ↗Marathonrede · ↗Parteitagsrede · ↗Propagandarede · ↗Rektoratsrede · ↗Rundfunkrede · ↗Scheltrede · ↗Scherzrede · ↗Schlussrede · ↗Schmeichelrede · ↗Schmährede · ↗Sonntagsrede · ↗Spottrede · ↗Stichelrede · ↗Tafelrede · ↗Thronrede · ↗Tischrede · ↗Trauerrede · ↗Trostrede · ↗Universitätsrede · ↗Verteidigungsrede · ↗Volksrede · ↗Wahlkampfrede · ↗Wahlrede · ↗Wald-und-Wiesen-Rede · ↗Wechselrede · ↗Weiherede · ↗Wutrede · ↗Zwischenrede
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mündliche Darlegung von Gedanken, sinnvolle Äußerungen
a)
das für ein Publikum bestimmte, meist einen besonderen Anlass voraussetzende, zusammenhängende Vortragen von Gedanken
Beispiele:
eine lange, glänzende, eindringliche, bedeutsame, programmatische, temperamentvolle, flammende, schwungvolle, mitreißende, feierliche, durchdachte, schlichte, langweilige, mit Humor gewürzte Rede
abwertend eine hochtrabende Rede
politische, akademische, geistliche Reden
Ciceros Reden
eine Rede halten, entwerfen, ausarbeiten, drucken lassen, in Druck geben
salopp eine Rede schwingen, vom Stapel lassen
eine Rede (in Auszügen) abdrucken
er hielt die Rede völlig frei
jmds. Rede (durch Zwischenrufe) unterbrechen
in der Rede steckenbleiben
mit diesen Worten schloss der Politiker seine Rede
der Direktor hielt eine Rede auf den Jubilar, hat seinen Mitarbeitern eine kleine Rede gehalten
der Festakt, die Kundgebung wurde mit einer Rede eröffnet
die Zuhörer folgten interessiert dem Fluss seiner Rede
die Gewalt der Rede
b)
der Mitteilung eigener Gedanken oder Meinungen, der gegenseitigen Verständigung dienende Äußerung, die häufig Teil eines Gesprächs ist
Beispiele:
lebhafte, halblaute, undeutliche, dunkle, wirre, herausfordernde, bissige, spitze, abfällige, gefährliche, umständliche Reden
abwertend, scherzhaft blumige Reden
Rede und Gegenrede tauschen
höfliche Reden wechseln
gehässige, freche, unverschämte, lose, zweideutige, große, prahlerische Reden führen
jmdm. die Rede abschneiden, verbieten, in die Rede fallen
das verschlug ihm die Rede
er nimmt seine Rede wieder auf
vergiss deine Rede nicht (= vergiss nicht, was du sagen wolltest)
sich zu unüberlegten Reden hinreißen lassen
jmdn. mit schönen, leeren Reden hinhalten
umgangssprachlich jmdm. hässliche, unflätige Reden an den Kopf werfen
höre nicht auf seine Rede!
sie kümmert sich nicht um die Reden der Leute, gibt nichts auf die Reden der anderen
das war seine stehende, ständige Rede, wurde bei ihm zur stehenden Rede (= er wiederholte das bei jeder Gelegenheit)
umgangssprachlich das war doch schon immer, ist schon lange meine Rede (= ich bin schon lange dieser Meinung)
salopp meine Rede! (= genau das habe ich gemeint!)
Sprachwissenschaft die wörtliche, direkte (= als Zitat wörtlich wiedergegebene) Rede
Sprachwissenschaft die indirekte (= als Gliedsatz sinngemäß wiedergegebene) Rede
Sprachwissenschaft die erlebte (= vom Erzähler aus der Sicht des Sprechers berichtete) Rede
seine Rede stockte [St. ZweigAmok36]
diese Zitate aus Heine und anderen Dichtern, die er manchmal ... in seine Rede einfließen ließ [Th. MannBuddenbrooks1,300]
übertragen Rede (und Antwort) stehensich verantworten
Beispiele:
er stand ihm Rede
auf seine Fragen stand er Rede und Antwort
ich bin bereit, Rede und Antwort zu stehen
jmdn. (wegen, über etw.) zur Rede stellen (= von jmdm. Rechenschaft fordern)
von jmdm., etw. ist die Redejmd., etw. wird erwähnt, kommt zur Sprache
Beispiele:
von dir, davon war (gerade, gestern) die Rede
von dieser Sache war keine Rede, nicht die Rede
die Rede kam auf ihn
er will die Rede darauf bringen
umgangssprachlich davon ist keine Rede, kann nicht die Rede sein (= das ist ausgeschlossen, kommt gar nicht in Frage)
in Rede stehendin diesem Zusammenhang erwähnt, in Betracht kommend
Beispiel:
der in Rede stehende Fall, Gegenstand, Stoff
etw. ist nicht der, die Rede wertetw. ist gering, bedeutungslos, nicht erwähnenswert
Beispiele:
der Zwischenfall, Gewinn, diese Mühe, seine Verletzung war nicht der Rede wert
umgangssprachlich ach, nicht der Rede wert! (= es ist nichts von Belang!)
c)
meist im Singular
das gewandte, kunstvolle, von rhetorischer Begabung zeugende Sprechen
Beispiele:
die Kunst der Rede
etw. in freier, gehobener, formvollendeter, geschliffener Rede vortragen
gehoben er besaß, hatte die Gabe der Rede
Ihr seid ein Freund von wohlgesetzter Rede [KleistZerbrochener Krug1]
2.
meist im Singular
Gerücht, Gerede
Beispiele:
es geht die Rede, dass ...
von etw. geht die Rede
dieses Ereignis, so ging unter ihnen die Rede, stehe kurz bevor
Es soll der Rede nach nicht viel gewesen sein [StrittmatterWundertäter176]
3.
meist im Singular
Sprachwissenschaft individuelle Aktualisierung der Sprache im einzelnen Sprechakt
Beispiele:
die Unterscheidung von Sprache und Rede
in der Rede verwirklicht sich das sprachliche System
4.
Wissenschaft die gebundene Rededie metrisch gestaltete, in Verse gefasste Sprache
Beispiele:
ein Epilog, Drama in gebundener Rede
in gebundener Rede schreiben
die ungebundene Rede (= Prosa)
die geblümte Rede (= gezierte, gekünstelte Sprachform, besonders in Dichtungen des späten Mittelalters)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rede · reden · Redner · rednerisch · beredt · beredsam · Beredsamkeit · redselig · Redensart
Rede f. ‘Äußerung, sinnvolle Wortfolge, Ansprache, Vortrag’, ahd. reda (8. Jh.), redī (9. Jh.), mhd. rede ‘Rechenschaft, Vernunft, Verstand, Sprache, Gespräch, Erzählung’, asächs. reðia ‘Rechenschaft’, mnd. mnl. rēde, nl. rede ‘Verstand, Bewußtsein, Rechenschaft, Argument, Rede’, afries. retha, got. raþjō ‘Abrechnung, Zahl, Rechenschaft’ (mit dazu gebildetem garaþjan ‘zählen’) führen auf germ. *raþjōn und sind wie lat. ratio (Genitiv ratiōnis) ‘Rechnung, Rechenschaft’ Ableitungen mit dem Suffix ie. -i̯ō(n) von mit Dental erweitertem ie. *rē-; dazu auch ↗gerade, das zweite Kompositionsglied von ↗hundert, ↗raten (s. d.) sowie lat. rērī (ratus sum) ‘bei sich bestimmen, glauben, meinen’ und möglicherweise lit. ríeti ‘(Holz) schichten’. Es handelt sich dabei um eine Form der Wurzel ie. *ar(ə)- ‘zusammenfügen, passen’ (s. ↗Arm). In fester Wendung gebundene Rede ‘Poesie’, eine Prägung der Sprachgesellschaften (17. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet reden Vb. ‘sprechen, sich sinnvoll äußern, sagen’, ahd. redōn (9. Jh.), mhd. reden, asächs. reðion, mnd. rēden, redden; mnl. reden, afries. rethia (germ. *raþjan) und (ohne Nachfolge im Nhd.) ahd. redinōn (9. Jh.), mhd. redenen, asächs. reðinon. Redner m. ‘wer eine Rede hält, Vortragender’, ahd. redināri (um 1000), mhd. redenære, Nomen agentis zum Verb ahd. redinōn. rednerisch Adj. ‘in der Art eines guten Redners’ (17. Jh.). beredt Part.adj. ‘redegewandt, gesprächig’ (15. Jh.), verkürzt aus mhd. beredet sīn ‘mit Rede begabt sein, zu sagen wissen’, zu mhd. bereden ‘wovon reden, etw. mündlich festsetzen, durch mündliche Rede gütlich beilegen’, rechtssprachlich ‘beweisen, dartun, überführen, vor Gericht verteidigen’; vgl. ahd. biredinōn ‘überführen, überreden’ (9. Jh.). beredsam Adj. ‘redegewandt’ (17. Jh.); Beredsamkeit f. ‘Redegewandtheit, Redegabe’ (16. Jh.). redselig Adj. ‘geschwätzig’ (15. Jh.). Redensart f. ‘geläufige, feststehende sprachliche Wendung’, Übersetzung (Anfang 17. Jh.) von gleichbed. frz. manière de parler (jünger façon de parler).

Thesaurus

Synonymgruppe
Rede · ↗Referat · ↗Vortrag
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Ansprache · ↗Monolog · Rede · ↗Vortrag
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Rede halten · Rede vortragen · Vortrag halten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antwort Aussatz Auszug Bundespräsident Bundestag Eröffnung Gegenrede Jahrestag Lage Nation Parlament Parteitag Schrift berühmt betonen erwartet erwähnen flammend frei gehalten halten indirekt kurz kämpferisch lang programmatisch schwingen stellen öffentlich übertragen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rede‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich sie nicht halte, wird es keine Rede geben.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 248
Sie will ihn zur Rede stellen, doch da ist er bereits verschwunden.
Fath, Rolf: Werke - T. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 25802
Wegen des engen Raumes konnte von taktischer Führung keine Rede sein.
Die Zeit, 10.10.1997, Nr. 42
Hier kann von einer freien Entscheidung also keine Rede sein.
Heine, Peter: Glaubensbekenntnis. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 948
Die ausgetauschten Reden betonen den Willen der Länder, den internationalen Frieden zu stärken.
o. A.: 1926. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1982], S. 28725
Zitationshilfe
„Rede“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Rede>, abgerufen am 20.10.2019.

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