Rechen, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Rechens · Nominativ Plural: Rechen
Aussprache
WorttrennungRe-chen
Wortbildung mit ›Rechen‹ als Erstglied: ↗Rechenzahn · ↗Rechenzinke  ·  mit ›Rechen‹ als Letztglied: ↗Handrechen · ↗Heurechen · ↗Holzrechen · ↗Hutrechen · ↗Kleiderrechen · ↗Laubrechen · ↗Mühlrechen · ↗Schleusenrechen · ↗Schutzrechen · ↗Schwadenrechen · ↗Vertikutierrechen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
landschaftlich, (besonders) ostmitteldeutsch, (besonders) süddeutsch Harke
Beispiele:
ein Rechen aus Holz, Metall
ein hölzerner, eiserner Rechen
die Blätter mit dem Rechen vom Rasen entfernen
das Heu mit dem Rechen wenden, aufhäufen
den frisch angefahrenen Kies auf den Wegen mit dem Rechen bearbeiten
2.
übertragen Dinge, die dem Rechen äußerlich ähnlich sind
a)
landschaftlich Kleiderrechen
Beispiel:
den Hut, Mantel an den Rechen hängen
b)
Vorrichtung in Wasserläufen, besonders vor Einläufen in Wasserkraftanlagen und Wasserkläranlagen, die zum Auffangen grober Verunreinigungen dient
Beispiel:
[man glaubte, aus dem Abwasser die festen Bestandteile entfernen zu können] indem man Rechen, Siebe und Absetzbecken baute [Urania1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rechen · rechen
Rechen m. (landschaftlich, besonders südd. md.) ‘Harke’, ahd. rehho (9. Jh.), mhd. reche ‘Harke’, spätmhd. auch ‘rechenförmige Vorrichtung’, frühnhd. (mit Endungs-n aus den obliquen Kasus) Rechen, asächs. reko, mnl. rēke, nl. (landschaftlich) reek (auch ‘kleine Egge’), anord. reka, schwed. (mundartlich) räka (germ. *rekōn) stehen neben (ablautendem) mnd. mnl. rāke ‘Harke, Rechen’, nd. Raak, nl. (landschaftlich) raak, aengl. raca m., racu f., engl. rake, anord. raka ‘Streifen, Reihe’, schwed. raka ‘Harke, Kratzer, Schaber’ (germ. *rakōn). Die Substantive sind Bildungen zu dem heute veralteten starken Verb ahd. rehhan ‘zusammenscharren’ der mit Asche überdeckten Glut (11. Jh.), mhd. rechen ‘Feuer rechen, zusammenkratzen, raffen, scharren, häufeln’, mnd. mnl. mengl. reken ‘Feuer bzw. Asche rechen’, got. rikan ‘zusammenscharren, anhäufen’; vgl. daneben ablautendes schwach flektierendes mnd. mnl. rāken ‘zusammenscharren, umwühlen, graben’, anord. raka ‘zusammenfegen’, schwed. raka ‘scharren, kratzen’. Außergerm. verwandt sind mit den oben sowie den unter ↗recken (s. d.) genannten Formen aind. ṛ́jyati, ṛñjáti ‘streckt sich, eilt’, griech. orégein (ὀρέγειν) ‘(die Hand) hinstrecken, darreichen, sich strecken, zu erreichen suchen’, lat. regere (rēctum) ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’, air. rigid ‘streckt aus’, lit. rę́žti ‘straffen, recken’. Zugrunde liegt die unter ↗recht (s. d.) angeführte Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’. Auszugehen ist für die germ. verbale Wortgruppe von ‘etw. aufrichten, sich aufrichten, sich recken’, dann ‘die Hand ausstrecken, sich nach etw. recken’, vgl. Seebold 373, der auch annimmt, daß die Bedeutung des starken Verbs ‘die Glut mit Asche bedecken, um sie zu bewahren’ und ‘die Glut von der Asche wegrechen, um das Feuer aufflammen zu lassen’ unter dem Einfluß eines abgeleiteten Substantivs (also wohl Rechen und seiner Entsprechungen, s. oben) entstanden sei. rechen Vb. ‘harken’, ahd. rehhan (11. Jh.), mhd. rechen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Harke · Rechen
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besen Hacke Harke Heugabel Kraftwerk Sand Schaufel Sense Spaten eisern hölzern verfangen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Andernfalls empfiehlt sich für den Garten der gute alte Rechen.
Süddeutsche Zeitung, 17.11.2000
Männer mit langen Rechen schieben das zurückbleibende, grobkörnige Salz zusammen.
Die Zeit, 27.03.1995, Nr. 13
Er spuckte in die Hände, hüpfte hinter dem Rechen und machte Heu.
Müller, Herta: Herztier, Reinbek: Rowohlt 1994, S. 166
In den Wäldern wachsen so viele Pilze, daß man sie zu bestimmten Zeiten und an gewußten Orten mit dem Rechen zusammenharken kann.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 293
Es stürzte mit Donner durch den Rechen in die Tiefe.
Walter, Otto F.: Der Stumme, München: Kösel 1959, S. 97
Zitationshilfe
„Rechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Rechen>, abgerufen am 22.09.2019.

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