Raubtier, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungRaub-tier (computergeneriert)
WortzerlegungraubenTier
Wortbildung mit ›Raubtier‹ als Erstglied: ↗Raubtierblick · ↗Raubtiercircus · ↗Raubtierdompteur · ↗Raubtierfütterung · ↗Raubtiergruppe · ↗Raubtierkapitalismus · ↗Raubtierkäfig · ↗Raubtiernummer · ↗Raubtierwärter · ↗Raubtierzirkus
eWDG, 1974

Bedeutung

überall vorkommendes Säugetier mit kräftigen Krallen und scharfzackigen Reißzähnen, das sich von anderen Tieren nährt
Beispiele:
ein gefährliches, blutdürstiges Raubtier
das Schaf wurde von Raubtieren angefallen, zerrissen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Raub · rauben · Räuber · Räuberei · räubern · räuberisch · Raubbau · raubgierig · Raubgier · Raubritter · Raubvogel · Raubtier
Raub m. ‘das Rauben, gewaltsame Wegnahme, geraubtes Gut, Beute’, ahd. roub (8. Jh.), asächs. -rōf (in nōdrōf) ‘gewaltsame Entreißung, Beute, Raub’, mhd. roup, roub ‘(Sieges)beute, Geraubtes, Räuberei, Plünderung, Ernte eines Feldes’, mnd. rōf, mnl. nl. roof, aengl. rēaf ‘Raub, Beute, Kleidung, Rüstung’ gehört zu einem im Dt. untergegangenen starken Verb, belegt in aengl. rēofan ‘brechen, zerreißen’, berēofan ‘berauben’, anord. rjūfa, rjōfa ‘brechen, zerreißen’. Westgerm. *rauba- bedeutet demnach eigentlich ‘das Ab-, Entreißen, das Entrissene’ und bezeichnet vor allem die Kriegsbeute, also auch die dem Gegner abgenommene Rüstung und Kleidung. Fraglich ist, ob im Germ. bzw. Ahd. auch ein Femininum existierte oder ob den Entlehnungen ins Mlat. und ins Roman. flektierte Formen des Maskulinums zugrunde liegen (s. ↗Robe). Die nächsten außergerm. Verwandten sind aind. rōpáyati ‘verursacht Reißen, bricht ab’, rúpyati ‘hat Reißen im Leib’, lat. rumpere (ruptum) ‘brechen, zerreißen’, rūpēs ‘Fels, Klippe’, lit. rūpė́ti ‘kümmern, Sorge machen, am Herzen liegen’, rupùs (älter rùpas) ‘rauh, holperig, (grob)körnig’, rūpùs ‘besorgt, sorgfältig, vor-, fürsorglich, beflissen’, russ. (älter) rúpit’ (рупить) ‘besorgt machen, beunruhigen’, anzuschließen an ie. *reup- ‘ausreißen, zerreißen, brechen’, eine p-Erweiterung der vielfach weitergebildeten Wurzel ie. *reu-, *reu̯ə- ‘aufreißen, graben, aufwühlen, ausreißen, raffen’ (s. auch ↗raufen). rauben Vb. ‘gewaltsam in Besitz bringen, unter Anwendung oder Androhung von Gewalt wegnehmen, stehlen, entreißen’. Das gemeingerm. schwache Verb ahd. roubōn ‘(be)rauben’ (9. Jh.; vgl. biroubōn, irroubōn ‘ausplündern’, 8. Jh.), mhd. rouben, auch ‘von etw. abbringen’, asächs. rōƀon, mnd. mnl. rōven ‘(be)rauben, plündern’, nl. roven, aengl. (be)rēafian ‘plündern, mit Gewalt nehmen’, engl. to bereave ‘(be)rauben’, anord. raufa ‘ein Loch brechen’, auch (aus dem Mnd. entlehnt) ‘rauben’, got. biraubōn ‘berauben’ ist entweder vom Substantiv (s. oben) abgeleitet oder gehört, wofür semantische Gründe sprechen (vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 10), als Deverbativum zu dem dort erwähnten, im Dt. untergegangenen starken Verb (germ. *reufan). Räuber m. ‘wer raubt, auf Raub ausgeht, vom Raub lebt, Bandit’, ahd. roubāri (11. Jh.), mhd. roubære, röubære, röuber, mnd. mnl. rōver, nl. rover, aengl. rēafere, engl. reaver, anord. (aus dem Mnd.) raufari ‘Räuber’. Räuberei f. ‘fortwährender Raub’, mhd. rouberīe. räubern Vb. ‘wie ein Räuber handeln, stehlen, rücksichtslos an sich reißen’ (19. Jh.). räuberisch Adj. ‘in der Art eines Raubes, Räubers, auf Raub ausgehend, raubgierig’ (um 1600), älter raubisch, räubisch (bei Luther reubisch), mhd. roubisch, röubisch. Raubbau m. ‘Produktionsweise, bei der um eines hohen und raschen Ertrags willen der Fortbestand der Erzeugungsgrundlagen nicht gesichert wird’ (18. Jh.), ursprünglich bergmännisch, aus der Wendung auf den Raub bauen ‘rücksichtslos, mit geringem Kostenaufwand ausbeuten und nicht an den künftigen Ertrag denken’ (Ende 17. Jh.). raubgierig Adj. ‘gierig nach Raub drängend’ (16. Jh.); dazu rückgebildet Raubgier f. (18. Jh.). Raubritter m. ‘vom Straßenraub lebender Ritter des späten Mittelalters’ (19. Jh.). Raubvogel m. ‘beuteschlagender Vogel’ (16. Jh.). Entsprechend Raubtier n. (Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Beutegreifer  geh. · Prädator  fachspr. · Raubtier  ugs., Hauptform · ↗Räuber  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beute Dompteur Fraß Fütterung Gebiß Gehege Huftier Käfig Luchs Manege Nagetier Pflanzenfresser Rachen ausgehungert blutrünstig domestiziert entlaufen fauchen fauchend gefräßig gezähmt gierig hundeartig hungrig jagend katzenartig lauernd reißend zerfleischen zähmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Raubtier‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um 20 Uhr 15 sprang das Raubtier fauchend ins Fernsehen.
Die Welt, 20.09.2005
Das ist ein sehr schöner Name, aber ein Raubtier im engeren Sinn ist das nicht.
Süddeutsche Zeitung, 13.09.2002
Ich bewundere die wilde Schönheit reißender Raubtiere - dennoch - wir rotten sie aus.
Dohm, Hedwig: Der Mißbrauch des Todes. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3395
Sie mißhandeln das Bild des Raubtieres, suchen das Bild des angegriffenen Tieres vor demselben zu schützen.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Er rührte sich nicht, roch gut, roch wie ein Raubtier.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 221
Zitationshilfe
„Raubtier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Raubtier>, abgerufen am 20.07.2019.

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