Ratte, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ratte · Nominativ Plural: Ratten
Aussprache
WorttrennungRat-te
Wortbildung mit ›Ratte‹ als Erstglied: ↗Rattenbefall · ↗Rattenbekämpfung · ↗Rattenfalle · ↗Rattenfang · ↗Rattenfraß · ↗Rattenfänger · ↗Rattengift · ↗Rattenkönig · ↗Rattenloch · ↗Rattennest · ↗Rattenpinscher · ↗Rattenplage · ↗Rattenschwanz · ↗Rattenschwänzchen · ↗Rattenzahn
 ·  mit ›Ratte‹ als Letztglied: ↗Ballettratte · ↗Beutelratte · ↗Biberratte · ↗Bisamratte · ↗Landratte · ↗Leseratte · ↗Schlafratte · ↗Wanderratte · ↗Wasserratte
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etwa 20 cm langes, sehr gefräßiges Nagetier, das vor allem in Kellern und Ställen lebt und gefährliche Krankheitskeime überträgt
Beispiele:
eine fette, gierige, hässliche Ratte
der Bau der Ratte
eine Ratte huscht durch den Keller
im Kanal schwimmen Ratten
die Ratten pfeifen, zernagen die Dielen, verbreiten Epidemien
Ratten fangen, vertilgen
frech wie eine Ratte sein
wie eine Ratte (= fest) schlafen
sprichwörtlichdie Ratten verlassen das sinkende Schiff (= Menschen, auf die kein Verlass ist, ziehen sich bei drohender Gefahr zurück)
übertragen
Beispiel:
landschaftlich, saloppauf die Ratte spannen (= sorgfältig achtgeben)
2.
umgangssprachlich, scherzhaft nettes, flinkes Mädchen
Beispiel:
sie ist eine niedliche, kleine Ratte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ratte · Ratz · Ratze · ratzekahl
Ratte f. Die Herkunft des Namens des zur Familie der Mäuse gehörenden Nagetiers ist nicht geklärt. Ahd. ratta (9. Jh.), mhd. rate, ratte, asächs. ratta, mnd. mnl. ratte, nl. rat, aengl. ræt, engl. rat und die o-Formen mnd. rotte, nl. rot lassen sich vielleicht mit aind. rádati ‘beißt, nagt, schneidet’, lat. rōdere ‘nagen, benagen, verzehren’, kymr. rhathu ‘raspeln, glätten, ebnen’ sowie (mit ē-Stufe) ahd. rāʒi ‘scharf (von Geschmack), wild’ (9. Jh.), mhd. ræʒe ‘scharf (von Geschmack), hell (vom Ton), wild, keck, rauh, heiser’ verbinden unter einer Wurzel ie. *rēd-, *rōd-, *rəd- ‘scharren, schaben, kratzen, nagen’, wenn man (mit einigen Zoologen) davon ausgeht, daß die Hausratte schon vor der Römerzeit (obwohl im Lat. nicht belegt, erst mlat. ratus, 12. Jh.) in Mitteleuropa (aus Asien eingewandert?) ansässig war und einen einheimischen Namen im Sinne von ‘Nager’ trägt. Andererseits könnte die (auch im Hd. übliche) Lautung tt, das Fehlen des Namens im Lat. und seine verhältnismäßig späte Entlehnung ins Skandinav. auf den dt. Nordwesten als Entstehungsgebiet der Bezeichnung (aus einer Substratsprache Norddeutschlands?) hinweisen. Rechnet man dagegen (auf Grund des sprachlichen Befundes) mit einem erst späten Auftreten des Tieres in Europa, so kann ein Wandername mit lautmalender Grundlage (*ratt- als Nagegeräusch?) angenommen werden, wofür auch die roman. Bezeichnungen wie afrz. frz. rat, ital. ratto ‘Ratte’, span. port. rata ‘Ratte, weibliche Maus’ (neben span. port. rato ‘Maus’) sprechen. Ratz m. ‘Ratte’, auch ‘Hamster’, (jägersprachlich) ‘Iltis’, Ratze f. ‘Ratte’ (beide vorwiegend obd.), ahd. ratza (11. Jh.), mhd. ratz(e). Vielleicht verhochdeutschte Bildungen von Ratte (s. o.); eher jedoch als affektisch verschärfte Formen anzusehen. ratzekahl Adv. ‘völlig, ganz und gar (kahl, leer)’ (Anfang 19. Jh.), auch rattenkahl, volksetymologische Umdeutungen aus radikal in Anlehnung an Ratte, Ratz(e), wohl in Hinblick auf den unbehaarten Schwanz der Ratte.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affe Fledermaus Floh Gehirn Hamster Hund Kakerlak Kaninchen Katze Laus Maus Meerschweinchen Nervenzelle Rückenmark Schlange Schmeißfliege Schwein Spinne Taube Tierversuch Ungeziefer fett fressen gelähmt hungrig huschen injizieren nagen neugeboren tot

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ratte‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Ratten fressen das Gift, und nach zwei Tagen sind sie tot.
Bild, 06.05.2004
Die Touristen fragen allerdings gewöhnlich vor allem nach den Ratten.
Der Tagesspiegel, 10.09.1999
Der Leser wird auch in diesem Buch mehr vom Verhalten der weißen Ratte als von dem des kleinen Kindes erfahren.
Foppa, Klaus: Lernen, Gedächtnis, Verhalten, Köln u. a.: Kiepenheuer & Witsch 1965, S. 11
Und als er nach Hause kommt, liegt da sein Kind, angefressen von vielen Ratten.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 17.04.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 16453
Er bemerkte angeekelt, er habe beschlossen, diese Ratte nun nicht weiter zu fürchten.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 282
Zitationshilfe
„Ratte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ratte>, abgerufen am 14.11.2019.

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