Raffgier, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungRaff-gier
Wortbildung mit ›Raffgier‹ als Erstglied: ↗raffgierig
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend große Gier nach Besitz, Gewinn, Geld
Beispiele:
eine unersättliche Raffgier
aus Raffgier hat er dieses Verbrechen begangen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffen · aufraffen · Raffgier · Raffsucht · Raffzahn · Raffke · Raffer
raffen Vb. ‘hastig und gierig ergreifen, an sich reißen, schriftlich Fixiertes in knappere Form bringen, Stoff locker zusammenschieben, hochnehmen’, mhd. raffen, reffen ‘zupfen, rupfen, eilig an sich reißen’, mnd. mnl. rāpen, nl. rapen ‘raffen, einsammeln’ führen auf germ. *hrap-, auf dessen Variante germ. *hreps- die unter ↗raspeln (s. d.) behandelten Formen zurückgehen. Unmittelbare außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, doch gehören die Verben entweder wie ↗rümpfen und ↗schrumpfen (s. d.) zu ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)-, nasaliert *(s)kremb(h)- ‘drehen, krümmen’, einer Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’, oder im Sinne von ‘abschneiden, trennen’ zu der unter ↗scheren (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. raffen wird heute oft in der Fügung an sich raffen gebraucht, ferner in Präfixbildungen wie dahin-, weg-, zusammenraffen und aufraffen Vb. ‘zusammennehmen und aufheben’, reflexiv ‘sich mit einiger Schwierigkeit erheben, aufstehen’, übertragen ‘alle Kräfte zusammennehmen, sich zu etw. entschließen’ (16. Jh.). Raffgier f. ‘Habgier, Gier nach Besitz, Gewinn, Geld’ (19. Jh.), zuvor Raffsucht f. (17. Jh.). Raffzahn m. ‘hervorragender oberer Schneidezahn’, eigentlich wohl ‘Reißzahn, Hauer’, spätmhd. reffzan. Raffke m. ‘habgieriger Neureicher’, in Berlin (um 1920) gebildete Bezeichnung mit dem nd. Verkleinerungssuffix -ke (s. ↗-chen); älter Raffer m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Begehrlichkeit · ↗Gier · ↗Gierigkeit · ↗Habgier · ↗Habsucht · ↗Konsumrausch · Raffgier
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dummheit Egoismus Eitelkeit Funktionär Inkompetenz Korruption Manager Vetternwirtschaft geißeln hemmungslos maßlos persönlich pur rein

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Raffgier‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zu welchem Teil war die Wende von bloßer Raffgier motiviert?
Die Zeit, 08.07.1994, Nr. 28
Jeder kennt solche Situationen, zumal nachts um drei, wenn man glaubt, alles durchschaut und hinter jedem Lächeln die pure Raffgier entdeckt zu haben.
Die Welt, 24.11.2001
Jetzt kommen noch Berichte über die Raffgier der Spieler hinzu.
Der Tagesspiegel, 19.11.2003
Der Priester sprach jetzt von der Genußsucht der Zeit und ihrer Raffgier.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 356
Verschiedene Umstände - darunter seine jugendliche Unerfahrenheit und die enorme Raffgier seiner burgundischen Umgebung - verhinderten ein tieferes Einwurzeln in die politischen und geistigen Lebensformen Spaniens.
Lutz, Heinrich: Der politische und religiöse Aufbruch Europas im 16. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1264
Zitationshilfe
„Raffgier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Raffgier>, abgerufen am 24.04.2019.

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