Räuber, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Räubers · Nominativ Plural: Räuber
Aussprache
WorttrennungRäu-ber
Wortzerlegungrauben-er
Wortbildung mit ›Räuber‹ als Erstglied: ↗Räuberbande · ↗Räuberbraut · ↗Räubergeschichte · ↗Räuberhand · ↗Räuberhauptmann · ↗Räuberhorde · ↗Räuberhöhle · ↗Räuberpistole · ↗Räuberroman · ↗Räuberzivil · ↗räuberisch
 ·  mit ›Räuber‹ als Letztglied: ↗Bankräuber · ↗Grabräuber · ↗Kirchenräuber · ↗Kunsträuber · ↗Menschenräuber · ↗Nesträuber · ↗Posträuber · ↗Puppenräuber · ↗Seeräuber · ↗Strandräuber · ↗Straßenräuber
 ·  mit ›Räuber‹ als Grundform: ↗räubern
eWDG, 1974

Bedeutung

jmd., der einen Raub begeht
a)
veraltend vom Menschen
Beispiele:
ein frecher, gefährlicher, maskierter Räuber
die Räuber überfielen den Bankangestellten
sie sind Räubern in die Hände gefallen
einen Räuber verfolgen, festnehmen
veraltet Räuber und Gendarm (= Kinderspiel)
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
dieser Mensch war der Räuber seines Glückes
unter die Räuber gehen (= in schlechte Gesellschaft kommen)
er war unter die Räuber gefallen, geraten
b)
vom Tier
Beispiel:
Marder sind blutdürstige Räuber
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Raub · rauben · Räuber · Räuberei · räubern · räuberisch · Raubbau · raubgierig · Raubgier · Raubritter · Raubvogel · Raubtier
Raub m. ‘das Rauben, gewaltsame Wegnahme, geraubtes Gut, Beute’, ahd. roub (8. Jh.), asächs. -rōf (in nōdrōf) ‘gewaltsame Entreißung, Beute, Raub’, mhd. roup, roub ‘(Sieges)beute, Geraubtes, Räuberei, Plünderung, Ernte eines Feldes’, mnd. rōf, mnl. nl. roof, aengl. rēaf ‘Raub, Beute, Kleidung, Rüstung’ gehört zu einem im Dt. untergegangenen starken Verb, belegt in aengl. rēofan ‘brechen, zerreißen’, berēofan ‘berauben’, anord. rjūfa, rjōfa ‘brechen, zerreißen’. Westgerm. *rauba- bedeutet demnach eigentlich ‘das Ab-, Entreißen, das Entrissene’ und bezeichnet vor allem die Kriegsbeute, also auch die dem Gegner abgenommene Rüstung und Kleidung. Fraglich ist, ob im Germ. bzw. Ahd. auch ein Femininum existierte oder ob den Entlehnungen ins Mlat. und ins Roman. flektierte Formen des Maskulinums zugrunde liegen (s. ↗Robe). Die nächsten außergerm. Verwandten sind aind. rōpáyati ‘verursacht Reißen, bricht ab’, rúpyati ‘hat Reißen im Leib’, lat. rumpere (ruptum) ‘brechen, zerreißen’, rūpēs ‘Fels, Klippe’, lit. rūpė́ti ‘kümmern, Sorge machen, am Herzen liegen’, rupùs (älter rùpas) ‘rauh, holperig, (grob)körnig’, rūpùs ‘besorgt, sorgfältig, vor-, fürsorglich, beflissen’, russ. (älter) rúpit’ (рупить) ‘besorgt machen, beunruhigen’, anzuschließen an ie. *reup- ‘ausreißen, zerreißen, brechen’, eine p-Erweiterung der vielfach weitergebildeten Wurzel ie. *reu-, *reu̯ə- ‘aufreißen, graben, aufwühlen, ausreißen, raffen’ (s. auch ↗raufen). rauben Vb. ‘gewaltsam in Besitz bringen, unter Anwendung oder Androhung von Gewalt wegnehmen, stehlen, entreißen’. Das gemeingerm. schwache Verb ahd. roubōn ‘(be)rauben’ (9. Jh.; vgl. biroubōn, irroubōn ‘ausplündern’, 8. Jh.), mhd. rouben, auch ‘von etw. abbringen’, asächs. rōƀon, mnd. mnl. rōven ‘(be)rauben, plündern’, nl. roven, aengl. (be)rēafian ‘plündern, mit Gewalt nehmen’, engl. to bereave ‘(be)rauben’, anord. raufa ‘ein Loch brechen’, auch (aus dem Mnd. entlehnt) ‘rauben’, got. biraubōn ‘berauben’ ist entweder vom Substantiv (s. oben) abgeleitet oder gehört, wofür semantische Gründe sprechen (vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 10), als Deverbativum zu dem dort erwähnten, im Dt. untergegangenen starken Verb (germ. *reufan). Räuber m. ‘wer raubt, auf Raub ausgeht, vom Raub lebt, Bandit’, ahd. roubāri (11. Jh.), mhd. roubære, röubære, röuber, mnd. mnl. rōver, nl. rover, aengl. rēafere, engl. reaver, anord. (aus dem Mnd.) raufari ‘Räuber’. Räuberei f. ‘fortwährender Raub’, mhd. rouberīe. räubern Vb. ‘wie ein Räuber handeln, stehlen, rücksichtslos an sich reißen’ (19. Jh.). räuberisch Adj. ‘in der Art eines Raubes, Räubers, auf Raub ausgehend, raubgierig’ (um 1600), älter raubisch, räubisch (bei Luther reubisch), mhd. roubisch, röubisch. Raubbau m. ‘Produktionsweise, bei der um eines hohen und raschen Ertrags willen der Fortbestand der Erzeugungsgrundlagen nicht gesichert wird’ (18. Jh.), ursprünglich bergmännisch, aus der Wendung auf den Raub bauen ‘rücksichtslos, mit geringem Kostenaufwand ausbeuten und nicht an den künftigen Ertrag denken’ (Ende 17. Jh.). raubgierig Adj. ‘gierig nach Raub drängend’ (16. Jh.); dazu rückgebildet Raubgier f. (18. Jh.). Raubritter m. ‘vom Straßenraub lebender Ritter des späten Mittelalters’ (19. Jh.). Raubvogel m. ‘beuteschlagender Vogel’ (16. Jh.). Entsprechend Raubtier n. (Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Beutegreifer  geh. · Prädator  fachspr. · ↗Raubtier  ugs., Hauptform · Räuber  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Räuber [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beute Dieb Fahndung Flucht Gendarm Mörder Vergewaltiger bedrohen bewaffnet brutal dreist entkommen entreißen erbeuten fahnden fesseln festnehmen fliehen flüchten flüchtend gefräßig jugendlich maskiert mutmaßlich schnappen stürmen verhindert Überfall überfallen überwältigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Räuber‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Räuber hatte eine Auswahl von Schmuck zu sehen gewünscht.
Der Tagesspiegel, 01.03.2002
Sie zeigten sich nach wie vor begierig, den Räuber zu fangen.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 6257
Auf diese Weise erleichtert man den Bienen die Abwehr etwa eindringender Räuber.
Meyerhoff, Grete: Kleine Imkerschule, Berlin: Deutscher Landwirtschaftsverl. VEB 1981 [1970], S. 87
Viele Tiere sterben auf dem Wege an Erschöpfung, andere fallen Räubern zum Opfer.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 204
Wenn von drei verschworenen Räubern einer das Opfer erschlägt, dann sind alle wegen Mitschuld am Totschlag verantwortlich.
o. A.: Einhunderteinundsiebzigster Tag. Donnerstag, 4. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12625
Zitationshilfe
„Räuber“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Räuber>, abgerufen am 18.09.2019.

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