Putsch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Putsches · Nominativ Plural: Putsche
Aussprache
Wortbildung mit ›Putsch‹ als Erstglied: ↗Putschversuch  ·  mit ›Putsch‹ als Letztglied: ↗Militärputsch · ↗Offiziersputsch
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend politische Aktion einer (meist dem Militär angehörigen) Minderheit zum Sturz einer Regierung, Regierungsform
Beispiele:
ein konterrevolutionärer Putsch
reaktionäre Kräfte planten, machten, inszenierten einen Putsch
Es ist nicht wahr, daß der Hamburger Aufstand ein Putsch war, sondern er wurde von der Sympathie der breitesten Massen getragen [Thälm.Reden1,260]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Putsch · putschen · aufputschen · Putschist
Putsch m. ‘Revolte, Umsturz(versuch), politischer Handstreich’. Der Ausdruck für die überraschende Aktion einer meist reaktionären Minderheit zum Sturz einer Regierung oder Regierungsform stammt aus der Schweiz. Putsch wird zu Anfang der 40er Jahre des 19. Jhs. von Zürich aus für einen plötzlichen, rasch vorübergehenden Auflauf oder Aufstand (nach den Vorgängen der voraufgehenden 30er Jahre in verschiedenen Teilen der deutschsprachigen Schweiz) ins Dt. übernommen. Zugrunde liegt das zufrühest (1431) in Zürich bezeugte, wahrscheinlich lautnachahmende schweiz. Mundartwort Putsch ‘Knall, heftiger Stoß, Puff, Anprall’, das im 16. Jh. den übertragenen Sinn ‘plötzlicher Vorstoß, Anlauf gegen ein Hindernis, zu einem Unternehmen’ entwickelt und bis ins 19. Jh. auf die Schweiz beschränkt bleibt (vgl. die einen Zusammenprall charakterisierende Interjektion putsch). putschen Vb. ‘eine Revolte, einen Putsch machen’ (Mitte 19. Jh.); vgl. schweiz. putschen, pütschen ‘knallen’ (16. Jh.). aufputschen Vb. ‘aufwiegeln, aufhetzen’ (2. Hälfte 19. Jh.), danach ‘(sich) durch Drogen, Medikamente oder andere Reizmittel aufmuntern, in einen Zustand der Erregung versetzen’. Putschist m. (20. Jh.), älter (heute unüblich) Putscher m. (Mitte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Putsch · ↗Staatsstreich · ↗Umsturz  ●  Coup d'Etat  geh., franz.
Unterbegriffe
  • Große Sozialistische Oktoberrevolution · ↗Oktoberrevolution
  • Kapp-Lüttwitz-Putsch · Kapp-Putsch · Lüttwitz-Kapp-Putsch
Assoziationen
Synonymgruppe
Machtenthebung · Putsch (gegen) · ↗Sturz (eines Vorsitzenden)
Assoziationen
Synonymgruppe
Auflehnung · ↗Aufruhr · ↗Aufstand · Aufstand der Massen · ↗Ausschreitung · ↗Erhebung · ↗Krawall · ↗Massenaufstand · Massenproteste · Massenunruhen · Protestaktionen · Proteste · Putsch · ↗Rebellion · ↗Tumult · ↗Unruhe · bürgerkriegsähnliche Zustände
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anführer Drahtzieher Gegenputsch General Jahrestag Knittelfeld Militär Militärintervention Niederschlagung Obrist Putsch Scheitern angeführt angezettelt anzetteln bevorstehend blutig entmachten faschistisch fehlgeschlagen gescheitert innerparteilich kommunistisch konterrevolutionär mißglückt mißlungen niederschlagen unblutig unterstützt versucht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Putsch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Arbeiter waren entschlossen, die junge Republik gegen diesen Putsch zu verteidigen.
Lachs, Johannes u. Raif, Friedrich Karl: Rostock, VEB Hinstorff-Verlag 1968, S. 148
Als in der allgemeinen Krise eine jakobinische Reaktion drohte, ermutigte das Direktorium Napoleon zum Putsch.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 156
Aber der Putsch schlug fehl und die Folge war, daß die Nationalsozialistische Partei in Österreich verboten wurde.
o. A.: Materialien und Dokumente. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 1054
Als die Sozialdemokratie sofort den Generalstreik erklärte, wußten die Leiter des Putsches sich nicht zu helfen und das ganze Unternehmen brach zusammen.
Wien, Wilhelm: Ein Rückblick. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 7424
Landesverrat ist zu unterscheiden von Hochverrat, der ein auf gewaltsamen Umsturz im Inneren zielendes Unternehmen ist, etwa in Gestalt eines Putsches.
o. A. [jr., M.-M.]: Landesverrat. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1975]
Zitationshilfe
„Putsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Putsch>, abgerufen am 25.08.2019.

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