Protz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Protzes/Protzen · Nominativ Plural: Protze/Protzen
Aussprache
Wortbildung mit ›Protz‹ als Erstglied: ↗Protzentum · ↗protzenhaft  ·  mit ›Protz‹ als Letztglied: ↗Bildungsprotz · ↗Geldprotz · ↗Knallprotz · ↗Kraftprotz · ↗Muskelprotz
 ·  mit ›Protz‹ als Grundform: ↗-protz
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend
1.
salopp eingebildeter, meist ungebildeter Reicher, der seinen Besitz angeberisch zur Schau stellt
Beispiele:
er ist ein Protz
[dieses elegante] Absteigequartier der neureichen Protzen aus dem Wirtschaftswunderland [Tageszeitung1960]
2.
-es, nur im Singular
großtuerisches, angeberisches Zurschaustellen, besonders des Reichtums
Beispiele:
[in den Kunstwerken der Assyrer] kommt der Hochmut und Protz der herrschenden Klassen ... zum Ausdruck [Bild. Kunst1957]
er liebte es nicht, sich vor den Fürstlichkeiten zu demütigen und verachtete allen Prunk und Protz [Tageszeitung1961]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Protz · protzen · protzig
Protz m. ‘Wichtigtuer, Angeber, arroganter Emporkömmling’, aus dem Obd. (zuerst in Wien, Mitte 19. Jh.) in die Literatursprache aufgenommen. Obd. Protz ‘anmaßender, aufgeblasener Mensch’ ist Übertragung von schwäb. bair. öst. Protz, Brotz ‘Kröte’ (belegt seit Ende 16. Jh.), ausgehend von der Vorstellung, daß sich die Kröte dick mache, den Kehlsack aufblase. Dazu die Zusammensetzungen Machtprotz (Mitte 19. Jh.), Geldprotz (2. Hälfte 19. Jh.), Muskelprotz (1. Hälfte 20. Jh.). protzen Vb. ‘prahlen, angeben’; vgl. obd. (sich) protzen, brotzen ‘aufblähen, stolz tun’ (17. Jh.), auch ‘schmollen, trotzen, maulen’, das mit Protz in der Literatursprache Verbreitung gewinnt. protzig Adj. ‘großtuerisch, patzig, aufgebläht, unangemessen reich ausgestattet, prunkvoll’ (literatursprachlich 2. Hälfte 18. Jh.); zuvor (landschaftlich) protz (15. Jh.), protzigt, brotzig, protzig (17. Jh.) ‘aufgebläht, stolz, hoffärtig’, auch ‘mürrisch, schmollend’. Die Herkunft ist ungewiß. Falls die Verbalsubstantive ahd. (10. Jh.), mhd. broʒ, nhd. (mundartlich obd.) Brotze, Bross ‘Knospe, Sproß’ und (wohl ein ie. d-Präsens voraussetzendes) mhd. brieʒen ‘anschwellen, Knospen treiben’ vergleichbar sind, ist Verwandtschaft mit (wohl zu einem Partizip ie. *bhrutos gebildetem) lat. frutex ‘Staude, Strauch, Gesträuch’ sowie air. broth ‘Granne, Haar’ möglich und damit über ie. *bhreud- Anschluß an ie. *bhreu- ‘sprießen, schwellen’, auf dessen s-Erweiterung die unter ↗Brust (s. d.) behandelten ie. Formen zurückgehen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gepränge · ↗Glanz · ↗Herrlichkeit · ↗Pomp · ↗Pracht · ↗Prachtentfaltung · Protz · ↗Prunk
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fehlplanung Größenwahn Hang Kitsch Luxus Mischung Pomp Pracht Prunk Verzicht neureich wilhelminisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Protz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manchmal gerät das zu Protz, manchmal werden daraus feinsinnige thematische Arrangements.
Der Tagesspiegel, 07.08.2003
Sie haben erkannt, daß zu viel Protz beim Auto provozieren kann.
Die Zeit, 17.08.1973, Nr. 34
Protz versteckt sich hinter Eleganz und wirkt beruhigend auf das sittliche Verhalten.
Die Welt, 31.12.1999
Protz von oben bis unten, mit Ringen und Spangen besät, mit farbigen Tüchern umwickelt.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 54
Kirchenlieder folgen, von Protz sicher mit Recht auf Kaiser Matthias und das Jahr 1612 bezogen.
Schmid, Ernst Fritz: Bidermann (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 7627
Zitationshilfe
„Protz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Protz>, abgerufen am 18.04.2019.

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