Pietismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Pietismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungPi-etis-mus · Pie-tis-mus (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Pietismus‹ als Grundform: ↗Pietist · ↗pietistisch
eWDG, 1974

Bedeutung

protestantische Bewegung des 17. und 18. Jahrhunderts gegen die dogmatisch erstarrte Orthodoxie, später aber auch gegen die Theologie der Aufklärung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pietät · Pietismus · Pietist · pietistisch
Pietät f. ‘Ehrfurcht, dankbares Gedenken, Frömmigkeit, ehrerbietige Rücksichtnahme’, entlehnt (2. Hälfte 16. Jh.) aus lat. pīetās (Genitiv pīetātis) ‘auf sittlichem Empfinden und auf Verehrung beruhendes Pflichtgefühl, Liebe (zu Verwandten, zum Vaterland), Sanftmut, Barmherzigkeit’, zu lat. pīus ‘rechtschaffen, gottesfürchtig, gewissenhaft, zärtlich, gütig’; zuvor (15./16. Jh.) übersetzt mit mildicheit, gunstig gemute, christenlich verbintnuß, glubd des thauffs. Pietismus m. gegen die dogmatisch erstarrte protestantische Orthodoxie, später auch gegen die Aufklärungsideologie gerichtete, stark gefühlsbetonte Frömmigkeit, die ein tätiges Christentum anstrebt, von den Gegnern spöttisch im Sinne von ‘Frömmelei, Frömmlertum’ gebraucht; nlat. Bildung (2. Hälfte 17. Jh.) zu lat. pīetās (s. oben), zuerst als Scheltname, wie auch Pietisterei (Ende 17. Jh.), für die von Spener 1670 in Frankfurt a. M. eingerichteten Collegia pietatis (gottesdienstliche Hausandachten). Pietist m. ‘Anhänger des Pietismus’, zuerst Spottname für die Anhänger Speners, ‘Frömmler, Mucker’ (2. Hälfte 17. Jh.); pietistisch Adj. (2. Hälfte 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufklärung Ehe Einfluß Einwirkung Erforschung Erweckungsbewegung Frömmigkeit Geist Geschichte Luthertum Medizin Mystik Orthodoxie Prägung Rationalismus Reformation Vorbereitung Vorläufer Wurzel Zeitalter hallesch hallisch lutherisch protestantisch prägen radikal reformiert schwäbisch verdanken württembergisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pietismus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kaum ein Lager dürfte ihm so fremd gewesen sein wie der fundamentalistische württembergische Pietismus.
Die Zeit, 09.12.1996, Nr. 50
In W. verband sich Nähe zum Pietismus mit volkskirchlicher Einstellung.
Klemm, P.: Wurster. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 37966
Dagegen hätte der Kampf des Halleschen Pietismus gegen die christlichen Bräuche wohl noch eingehender dargestellt werden können.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1940, S. 372
So entstand der Mythos, es stamme aus dem deutschen Pietismus.
Süddeutsche Zeitung, 14.09.2001
Um 1710 ist der Pietismus eingedrungen, etwas später kamen die »Inspirierten«.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 915
Zitationshilfe
„Pietismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Pietismus>, abgerufen am 22.10.2019.

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