Pietät, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Pietät · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungPi-etät · Pie-tät (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Pietät‹ als Erstglied: ↗pietätlos · ↗pietätsvoll · ↗pietätvoll
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben Achtung, Ehrfurcht vor etw., jmdm.
Beispiele:
aus Pietät gegenüber dem Verstorbenen
die Pietät wahren
ein Akt der Pietät
es an der nötigen Pietät fehlen lassen
Auch den harmlosen Menschen bleibt es kaum erspart ... in Konflikt mit den schönen Tugenden der Pietät und der Dankbarkeit zu geraten [HesseDemian3,216]
es sind Gefühle herzlicher Pietät für ein Werk, eine Kulturtat, die meiner Jugend behilflich war [Th. Mann11,410]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pietät · Pietismus · Pietist · pietistisch
Pietät f. ‘Ehrfurcht, dankbares Gedenken, Frömmigkeit, ehrerbietige Rücksichtnahme’, entlehnt (2. Hälfte 16. Jh.) aus lat. pīetās (Genitiv pīetātis) ‘auf sittlichem Empfinden und auf Verehrung beruhendes Pflichtgefühl, Liebe (zu Verwandten, zum Vaterland), Sanftmut, Barmherzigkeit’, zu lat. pīus ‘rechtschaffen, gottesfürchtig, gewissenhaft, zärtlich, gütig’; zuvor (15./16. Jh.) übersetzt mit mildicheit, gunstig gemute, christenlich verbintnuß, glubd des thauffs. Pietismus m. gegen die dogmatisch erstarrte protestantische Orthodoxie, später auch gegen die Aufklärungsideologie gerichtete, stark gefühlsbetonte Frömmigkeit, die ein tätiges Christentum anstrebt, von den Gegnern spöttisch im Sinne von ‘Frömmelei, Frömmlertum’ gebraucht; nlat. Bildung (2. Hälfte 17. Jh.) zu lat. pīetās (s. oben), zuerst als Scheltname, wie auch Pietisterei (Ende 17. Jh.), für die von Spener 1670 in Frankfurt a. M. eingerichteten Collegia pietatis (gottesdienstliche Hausandachten). Pietist m. ‘Anhänger des Pietismus’, zuerst Spottname für die Anhänger Speners, ‘Frömmler, Mucker’ (2. Hälfte 17. Jh.); pietistisch Adj. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Pietät · ↗Respekt · taktvolle Rücksichtsnahme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akt Angehörige Anstand Gebot Geschmack Grund Mangel Pflicht Respekt Rücksicht Takt Tote Verletzung Verstorbene Verstoß Würde bewahren falsch gebieten geboten kindlich religiös schweigen verbieten vermissen verschweigen verstanden verstoßen wahren zeugen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pietät‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nichts wird richtig ausgesprochen, doch eine durch Pietät nur matt gedämpfte Aggression schwingt noch in den harmlosesten Worten mit.
Der Tagesspiegel, 08.04.2002
Und die Empfindung ist nicht nur Pietät für einen alten Gebrauch.
Die Zeit, 02.04.1998, Nr. 15
Aber die Studenten hatten keinerlei Pietät vor des Professors Liebe, waren respektlos darüber hergefallen.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 58
Die Abhängigkeit eines Komponisten von früheren Stilen wird als Epigonentum verdächtigt, statt als Zeichen von Pietät anerkannt zu werden.
o. A.: H. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 8012
Darum war es vielleicht nicht nutzlos, über Aristoteles zu sprechen ohne Pietät vor der Geschichte seiner Geltung.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26849
Zitationshilfe
„Pietät“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Pietät>, abgerufen am 20.04.2019.

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