Pfand, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Pfand(e)s · Nominativ Plural: Pfänder
Aussprache
Wortbildung mit ›Pfand‹ als Erstglied: ↗Pfandautomat · ↗Pfandbon · ↗Pfandbrief · ↗Pfandflasche · ↗Pfandgeld · ↗Pfandgläubiger · ↗Pfandgutschein · ↗Pfandhaus · ↗Pfandleihanstalt · ↗Pfandleihe · ↗Pfandleiher · ↗Pfandrecht · ↗Pfandschein · ↗Pfandschuldner · ↗Pfandsumme · ↗Pfandsystem · ↗Pfänderspiel · ↗pfandweise
 ·  mit ›Pfand‹ als Letztglied: ↗Dosenpfand · ↗Einwegpfand · ↗Faustpfand · ↗Flaschenpfand · ↗Liebespfand · ↗Mehrwegpfand · ↗Unterpfand · ↗Zwangspfand
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
a)
Gegenstand der dem Gläubiger als Sicherheit für seine Forderung gegeben wird
Beispiele:
ein Pfand geben
etw. als Pfand behalten
für die Zeche hatte er dem Wirt seine Uhr als Pfand zurückgelassen
den Pelzmantel als Pfand auf die Pfandleihe bringen
auf Pfand leihen, borgen
ein Pfand einlösen, herausgeben
ein Pfand verfällt
die verfallenen Pfänder werden versteigert
übertragen
Beispiel:
ich gebe mein Wort, meine Ehre dafür zum Pfand (= versichere ehrenwörtlich)
b)
Kinderspiel Gegenstand der aufgrund eines Fehlers abgegeben werden muss und nur am Schluss nach der Erfüllung einer lustigen Forderung zurückgegeben wird
Beispiele:
er gab sein Taschenmesser als Pfand
An einem solchen Sommertage ... saß die junge Gesellschaft unter der großen Linde im Vorgarten und spielte Pfänder (= und machte ein Pfänderspiel) [I. KurzVanadis89]
2.
Geldbetrag, der bei Rückgabe eines geliehenen Gegenstandes zurückgegeben wird, Pfandgeld
Beispiel:
in dem Preis für eine Flasche Milch sind 20 Cent Pfand einbegriffen
3.
dichterisch Gabe, Geschenk als Bürgschaft
Beispiele:
ein Ring als Pfand der Treue
das Pfand der Liebe (= Kind)
Als ihm gebliebene Pfänder des Glücks betrachtete er sie [seine Frau und zwei Kinder] [TralowKepler377]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pfand · Unterpfand · pfänden · verpfänden · Pfändung
Pfand n. ‘Gegenstand als Bürgschaft, Sicherheitsleistung für eine Forderung’, ahd. (8. Jh.), mhd. phant, asächs. afries. nl. pand, mnd. mnl. pant; Herkunft ungeklärt. Eine angenommene Entlehnung des nur im Kontinentalwestgerm. bezeugten Substantivs (anord. pantr aus dem Mnd.) aus afrz. pan ‘Stück Tuch’ (aus lat. pannus ‘Stück Tuch, Lappen’), auch (nordafrz.) ‘an einen Gläubiger zur Sicherheit übergebener Vorrat an Tuch’, daher ‘Sicherheit, Bürgschaft’ (woraus engl. pawn), ist insofern wenig wahrscheinlich, als die letztgenannte Bedeutung im Frz. erst im 13. Jh. auftritt und der auslautende Dental im Germ. unerklärt bleibt (nordmfrz. pand, pant dürfte vielmehr auf mnl. Einfluß zurückzuführen sein). Wenig befriedigend ist auch die Herleitung von lat. pactum ‘Vertrag, Vergleich, Abrede’ (s. ↗Pakt), da dabei eine nicht nachzuweisende vlat. Entwicklung über *panctum zu *pantum vorausgesetzt werden müßte. Schließlich wird noch Herleitung (wie bei ↗Pfennig, s. d.) aus lat. pondus ‘Gewicht’ erwogen unter Annahme einer Bedeutungsentwicklung zu ‘Münzsicherheit’ (beim Nachwiegen von Geldstücken unterschiedlichen Feingehalts), vgl. Knobloch in: Lingua 26 (1970/71) 311; die Entlehnung müßte dann sehr früh, im Unterschied zu ↗Pfund (s. d.) schon vor dem Wandel von ie. o zu germ. a erfolgt sein und würde nur die auf dem Festland mit den Römern in Beziehung stehenden germanischen Stämme betroffen haben. Unterpfand n. ‘Gegenstand, Geldsumme als Sicherheit’, übertragen ‘Zeichen, Beweis’, zuvor (rechtssprachlich) ‘Gegenpfand, Sicherheit, die der Pfandempfänger dem Verpfänder hinterläßt’, spätmhd. underphant. pfänden Vb. ‘ein Pfand für eine geldliche Forderung einziehen’, mhd. phanten, phenden ‘jmdm. ein Pfand abnehmen’, ahd. phantōn ‘zum Pfande geben’ (9. Jh.). verpfänden Vb. mhd. verphenden. Pfändung f. mhd. phandunge, phendunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
Pfand · ↗Unterpfand · ↗Verpfändung
Synonymgruppe
Einsatz · ↗Hinterlegung · ↗Kaution · Pfand · ↗Sicherheit · ↗Sicherheitsleistung  ●  ↗Depot  schweiz. · ↗Versatzstück  österr.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Entführter · ↗Geisel · Gekidnappter

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bierdose Cent Dosenbier Dosis Einweg-Getränkeverpackung Einweg-verpackung Einwegdose Einwegflasche Einweggetränk Einweggetränkeverpackung Einwegverpackung Erfrischungsgetränk Getränkedose Getränkekarton Getränkeverpackung Großkredit Insellösung Limonade Mehrwegflasche Mehrwegverpackung Mineralwasser Pfand Pfennig Saft Saftkarton Verpackung Weinflasche eingelöst hinterlegen zurückbekommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pfand‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Pfand soll nun verhindern, daß noch mehr Getränke in Dosen abgefüllt werden?
Süddeutsche Zeitung, 20.04.1999
Die Auswahl an Videos ist nicht groß, aber interessant, und gegen ein Pfand kann man sie auch ausleihen.
Der Tagesspiegel, 11.11.1996
Du stiehlst also einen Krug, und dann verlangst du von dem Mädchen ein Pfand.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 232
Über dem Pfänder lag ein kaum merkbarer Streifen des kommenden Tages.
Jacques, Norbert: Dr. Mabuse, der Spieler, Gütersloh: Bertelsmann 1961 [1920], S. 159
Wenn ich die Steine aus dem Rahmen löste und sie dem Händler als Pfand brächte, dann bekäme ich das Geld.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 117
Zitationshilfe
„Pfand“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Pfand>, abgerufen am 20.10.2019.

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