Parteigenosse, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Parteigenossen · Nominativ Plural: Parteigenossen
Abkürzung Pg. · Substantiv (Maskulinum) (unflektierbar)
Aussprache
WorttrennungPar-tei-ge-nos-se
WortzerlegungParteiGenosse
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
Mitglied einer sozialistischen, sozialdemokratischen oder kommunistischen Partei
auch als gegenseitige Anrede unter Mitgliedern
Beispiele:
Die SPD konnte [im Ortsverein] 1998 erstmals wieder neue Mitglieder gewinnen und zählt jetzt 360 Parteigenossen. [Frankfurter Rundschau, 26.04.1999]
[…] Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte die Entscheidung seiner Berliner Parteigenossen. [Die Welt, 12.04.2005]
Neunzig Prozent der PDS-Mitglieder waren auch schon in der SED, aber die heutigen PDS-Mitglieder machen nur sechs Prozent der ehemaligen Parteigenossen aus. [Die Zeit, 24.06.1994, Nr. 26]
Nun, Parteigenossen, heute erleben wir den Moment, wo wir sagen können: Wir sind wieder bei Marx, unter seinem Banner. [Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hrsg.): Wir sind wieder bei Marx… In: Neues Deutschland 38/306 (1983), S. 3.]
Parteigenossen! Genosse Bebel ist soeben mit jenem Feuer, das wir Frauen bei vielen anderen Parteigenossen immer dann schmerzlich vermissen, wenn es unsre Sache gilt, für die Rechte des weiblichen Geschlechts eingetreten. [Braun, Lily: Eine ungehaltene Rede. In: Die Neue Gesellschaft, 25.09.1907, S. 391]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein strammer (= linientreuer), altgedienter, verdienter, bewährter Parteigenosse; ein sozialistischer, sozialdemokratischer, kommunistischer Parteigenosse
als Genitivattribut: die Masse, die Mehrheit der Parteigenossen
allgemeiner Mitglied derselben politischen Partei
Beispiele:
Der konservative britische Premierminister Cameron hat sich am Freitag auf dem amtlichen Landsitz in Chequers von Parteigenossen für sein kühnes Veto am EU-Gipfel in Brüssel feiern lassen. [Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2011]
In Wirklichkeit geht es [der konservativen Regierungspartei Polens] darum, die eigenen Parteigenossen an den Schaltstellen zu placieren, unabhängig von ihrer fachlichen Qualifikation. [Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2017]
Für die Zukunft des Euro dürfte die nun endgültige Wahl des Republikaners George W. Bush zum neuen Präsidenten der USA weniger entscheidend sein als die hauchdünne Mehrheiten seiner Parteigenossen in den beiden Kongresskammern[…]. [Der Tagesspiegel, 18.12.2000]
2.
historisch Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)
auch als gegenseitige Anrede unter Mitgliedern
Beispiele:
Mit dem Ruf »Nazi, Nazi« stürzte sie [Beate Klarsfeld] sich damals in der Berliner Kongreßhalle auf den Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und schlug dem ehemaligen Parteigenossen ins Gesicht. [Der Spiegel, 29.03.1971, Nr. 14]
Eine aussichtsreiche Karriere in der SED stand Harry Planert[…] bevor – aber nur, weil er konsequent seinen Eintritt in die NSDAP […] verschwiegen hatte[…]. Dabei war sich der ehemalige Unteroffizier der Wehrmacht der Bedeutung durchaus bewusst – so teilte er mit, dass sein Bruder »Parteigenosse«, kurz »PG«[,] gewesen sei. [Die Welt, 30.12.2009]
Insgesamt verfügte die NSDAP über zehn Millionen »Parteigenossen«, wenn man die vergebenen Mitgliedsnummern zugrunde legt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2004]
Euch, meine alten Parteigenossen, grüße ich [Adolf Hitler] wie immer aus übervollem Herzen. Ich danke Euch, daß Ihr es mir einst ermöglicht habt, den Weg mit Erfolg zu beginnen, der die Voraussetzung war[…] für die Rettung des Deutschen Reiches und darüber hinaus ganz Europas. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1943]]
Auch in der Entwicklungszeit der nationalsozialistischen Revolution habe es Parteigenossen gegeben, die glaubten, es besser als der Führer machen zu können. Sie mußten aber erkennen, daß dieser[,] bewußt oder unbewußt, den richtigen Weg gegangen sei […]. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1934]]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein strammer (= linientreuer), verdienter, bewährter, treuer, überzeugter, ehemaliger Parteigenosse
als Genitivattribut: die Masse der Parteigenossen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Partei · Parte1 · Parteigänger · Parteigenosse · parteiisch · unparteiisch · parteilich · Parteilichkeit · Parteiung
Partei f. ‘Gruppe Gleichgesinnter, Vereinigung von Personen mit der gleichen politischen Überzeugung, um bestimmte Ziele durchzusetzen’, auch ‘Partner eines Vertrags, einer der beiden Gegner im Rechtsstreit’, mhd. partīe ‘Abteilung, Personengruppe, Gruppierung’, mnd. partī(g)e ‘Personenverband, Parteiung, einseitige Parteinahme, Prozeßpartei’, entlehnt aus afrz. partie ‘Teil, Gebiet, Anteil, Verteilung, Trennung, Rechtshandel, Heiratsmöglichkeit, Seite, Richtung, Gegner’, dem substantivierten Femininum des Part. Perf. von afrz. mfrz. partir ‘teilen, verteilen, trennen, sich entfernen, aufbrechen’ (frz. partir ‘abreisen, aufbrechen, losgehen’), dem lat. partīre (partītum), auch partīrī ‘teilen, trennen, zuteilen’ zugrunde liegt; dieses ist gebildet zu lat. pars (Genitiv partis) ‘Teil, Anteil, Seite’. Partei ‘Personengruppe mit gemeinsamen Interessen’, das in einigen Verwendungen noch längere Zeit im Wechsel mit später entlehntem ↗Partie (s. d.) gebraucht wird, bezeichnet seit dem 15. Jh. auch jede der in Verhandlungen oder einem Rechtsgeschäft sich gegenüberstehenden Seiten (‘Vertragspartner, Prozeßgegner’) sowie (zuerst niederrhein.) eine Gruppe mit gemeinsamem Wohnsitz (‘Haushaltung, Familie, Mietspartei’, obsächs. Parte1 f. ); vom 16. Jh. an steht es für ‘sich von anderen sondernde politische oder konfessionelle Gesinnungsgemeinschaft’ und vereinzelt schon für ‘Heiratsmöglichkeit, zu heiratende Person’ (besonders unter dem Gesichtspunkt der Vermögensverhältnisse, hierfür seit dem 17. Jh. auch Partie, das sich schließlich durchsetzt); in der Militärsprache des 17. Jhs. ist es außerdem ‘Streifzüge unternehmende kleine Schar’. In mehreren seiner Bedeutungen, namentlich im Sinne von ‘politische Organisation’, zeigt Partei semantischen Einfluß des (ebenfalls zu afrz. mfrz. partir gehörenden) Maskulinums mfrz. frz. parti ‘Anteil, Lage, Beruf, Stand, zu heiratende Person, Entschluß, Interessengruppe, Organisation’, frz. auch ‘Trupp von Soldaten, Streifkorps’ (afrz. parti ‘Teil, Anteil, Menge, Lage’). Parteigänger m. ‘Anhänger einer politischen Richtung, einer Persönlichkeit’ (Anfang 19. Jh., meist abschätzig), zuvor ‘Führer oder Angehöriger einer Streifzüge unternehmenden Schar’ (17. Jh.). Parteigenosse m. ‘Mitglied einer politischen Partei’ (Anfang 19. Jh.), in der Sozialdemokratie seit den 70er Jahren des 19. Jhs. allmählich durch die kürzere Form ↗Genosse (s. d.) verdrängt. parteiisch Adj. ‘einseitig für eine Partei, eine bestimmte Interessengruppe, einen von zwei Gegnern eingestellt, voreingenommen, befangen’ (16. Jh.), auch ‘einer Gruppe, Partei angehörend, zu ihr stehend’ (15. Jh.); entsprechend unparteiisch Adj. (15. Jh.). parteilich Adj. ‘eine Partei betreffend, vertretend, Partei ergreifend’ (20. Jh.), ‘parteiisch’ (15. Jh.). Parteilichkeit f. ‘theoretisches und praktisches Eintreten für die Interessen einer Partei’ (20. Jh.), ‘einseitige Stellungnahme oder Beurteilung’, auch ‘Uneinigkeit’ (um 1500). Parteiung f. ‘Zersplitterung in einander bekämpfende Parteien, Spaltung, Zwietracht’ (Ende 15. Jh.); vgl. mhd. partīen ‘(sich) in Parteien spalten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Genosse · ↗Parteifreund · Parteigenosse · ↗Parteikollege · ↗Parteimitglied
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anzahl Aufruf Besprechung Gauleiter Kabinettskollege Masse Mitarbeit Parteigenossin Volksgenosse alt altgedient anwesend beschimpfen bewährt dänisch ehemalig einstig führend kommunistisch lieb link männlich nominell prominent sozialdemokratisch sozialistisch stramm treu verdient überzeugt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Parteigenosse‹.

Zitationshilfe
„Parteigenosse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Parteigenosse>, abgerufen am 22.04.2019.

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