Paraphrase, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Paraphrase · Nominativ Plural: Paraphrasen
Aussprache
WorttrennungPa-ra-phra-se
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Paraphrase‹ als Letztglied: ↗Prosaparaphrase  ·  mit ›Paraphrase‹ als Grundform: ↗paraphrasieren
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
verdeutlichende Umschreibung, besonders eines literarischen Textes
Beispiele:
die mittelalterliche Paraphrase eines biblischen Stoffes
Dort entstanden seine letzten Bilder, jene freien Paraphrasen zu den Formen der Erscheinungswelt [Hesse3,555]
2.
Musik freie instrumentale Fantasie über eine (bekannte) Melodie
Beispiel:
ganz langsam schält sich aus der Paraphrase eine neue Melodie heraus [KästnerLottchen147]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Phrase · Paraphrase · paraphrasieren · Phraseologie
Phrase f. ‘Redewendung, (leere) Redensart, Floskel’, in der Musik ‘Gruppe von Tönen, die rhythmisch und melodisch eine sinnvolle Einheit bilden’, Entlehnung (Anfang 17. Jh., zuerst im Plural Phrasen) aus spätlat. phrasis, griech. phrásis (φράσις) ‘das Sprechen, Ausdruck(sweise)’, zu griech. phrázein (φράζειν) ‘zu erkennen geben, anzeigen, zeigen, mitteilen’. Nach voraufgehendem Gebrauch der griech.-lat. Form Phrasis in dt. Texten seit dem 16. Jh. in dem (heute allgemeinsprachlich seltenen, fachsprachlich jedoch üblichen) Sinne von ‘Redewendung, Redeweise, Satz’ steht Phrase (seit Mitte 18. Jh.), besonders der Plural Phrasen (unter Einfluß von frz. phrases) für ‘leere Redensarten’; vgl. die Wendung Phrasen dreschen ‘inhaltloses, leeres Geschwätz vorbringen und wiederholen’ (19. Jh.). Paraphrase f. ‘Umschreibung eines sprachlichen Ausdrucks, eines literarischen Textes, freie, sinngemäße Übersetzung’, in der Musik ‘freie instrumentale Fantasie über eine (bekannte) Melodie’, entlehnt (18. Jh.) aus lat. paraphrasis, griech. paráphrasis (παράφρασις) ‘erweiternde und verdeutlichende Umschreibung’ (s. ↗para-); seit dem 16. Jh. bereits in griech.-lat. Form Paraphrasis in dt. Texten bezeugt. paraphrasieren Vb. ‘(verdeutlichend) umschreiben, erklären’, in der Musik ‘(eine Melodie) instrumental in freier Fantasie gestalten’ (17. Jh.); vgl. gleichbed. frz. paraphraser. Phraseologie f. ‘Gesamtheit der bzw. Lehre von den Redewendungen einer Sprache und ihrer Typologie’ (20. Jh.), ‘leere Redensart’ (Ende 18. Jh.), ‘Redensart, Wortschatz’ (Anfang 17. Jh.); zuerst Phraseologey, nach der griech.-lat. Neubildung phraseologia des deutschen Humanisten M. Neander (eigentlich M. Neumann, 16. Jh.) für eine ‘Sammlung von Redewendungen’.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Beschreibung · ↗Erklärung · ↗Umformulierung · ↗Umschreibung  ●  Paraphrase  griechisch · ↗Deskription  geh., lat. · ↗Periphrase  geh., griechisch
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Ersatzwort · Formulierungsalternative · Formulierungsvariante · Paraphrase · Stellvertreterwort · andere Bezeichnung · bedeutungsgleiches Wort · gleichbedeutender Ausdruck · variierende Formulierung  ●  ↗Synonym  Hauptform · sinn- und sachverwandtes Wort  Jargon · anderes Wort (für)  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anspielung Fund Gedicht Gemälde Kommentar Lied Motiv Parodie Phantasie Satz Text Thema Transkription Variation Vers Zitat folgend frei gezeichnet hübsch ironisch lesen literarisch modern originell poetisch szenisch wirken zeitgenössisch Übersetzung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Paraphrase‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das wäre dann das Ende der nationalstaatlichen Paraphrase, und es würde stattfinden in ironischer Umkehrung seiner ursprünglichen Freiheit schaffenden Kraft und Vision.
Die Welt, 30.12.1999
Diese Paraphrase auf die schlechten Nachkriegsjahre ist gerade bei jungen Frauen sehr beliebt, die im Überfluß aufgewachsen sind.
Süddeutsche Zeitung, 30.03.1995
Fast jede Strophe ist eine Paraphrase je eines Verses der alttestamentarischen Oden.
Wellesz, Egon: Andreas von Kreta. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 28806
Auch die übrigen römischen Briefschaften kamen mehr in »stilisierter« Paraphrase als in einer originaltreuen Übersetzung zur Verlesung 16.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 3920
Schillers Paraphrase dieser Kantischen Schrift ist um ihres rhetorischen Schwungs willen gewiß lobenswert.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 34178
Zitationshilfe
„Paraphrase“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Paraphrase>, abgerufen am 20.07.2019.

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