Parallele, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Parallele/Parallelen · Nominativ Plural: Parallelen
Aussprache
WorttrennungPa-ral-le-le · Par-al-le-le
HerkunftGriechisch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Mathematik Gerade, die zu einer anderen Geraden in stets gleichem Abstand verläuft; parallele (Lesart 1) Gerade
Beispiele:
Die Parallelen der Geometrie treffen sich […] im Unendlichen[…]. [Die Welt, 22.02.2000]
Eine Studie mit Ureinwohnern aus dem Amazonas-Regenwald in Brasilien hat […] gezeigt, dass Menschen einfache Geometrieaufgaben auch ohne Training oder mathematische Ausbildung lösen können. Die Probanden vom Volk der Munduruku schnitten bei den Testfragen über Parallelen und Dreiecke genauso gut ab wie Erwachsene aus den USA und Kinder aus Frankreich. [Spiegel, 24.05.2011 (online)]
Laut den euklidischen Axiomen liegt zwischen je zwei Punkten eine gerade Linie, und zu jeder geraden Linie gibt es Parallelen. [Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2005]
Nach der Definition Euklids sind Parallelen solche gerade Linien, die sich nicht schneiden. [Kracke, Helmut: Aus eins mach zehn und zehn ist keins, Tübingen: Wunderlich Verl. Leins 1968, S. 261]
2.
übertragen etw., was gleichartig, ähnlich geartet ist; parallel (Lesart 2) gelagerter Fall
Beispiele:
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat eine Parallele zwischen den Kämpfen um das nordsyrische Aleppo und die nordirakische Stadt Mossul gezogen. [Die Zeit, 25.10.2016 (online)]
Und in Deutschland, der Exportnation, bringt ein Freihandelsabkommen mit Kanada mehr als 100 000 Demonstranten auf die Straße. Die Parallele zum 19. Jahrhundert ist augenfällig. Wie damals rollt eine große Welle der Globalisierung über die Welt, neue Technologien stürzten die Art des Wirtschaften um. Was seinerzeit Dampfmaschine, Elektrizität und Telegraf waren, das sind heute Roboter, das Internet der Dinge und das Smartphone. [Süddeutsche Zeitung, 28.11.2016]
Vor ein paar Monaten noch hätte kaum jemand einen Pfifferling gegeben auf die Zukunft der britischen Liberaldemokraten […]. Parallelen zum beklagenswerten Zustand der deutschen Liberalen drängten sich auf. [Die Zeit, 22.09.2011, Nr. 38]
Ob Adenauer das Pensionärsdasein nicht als schlimmste aller Plagen empfunden hat, mag offen bleiben. […] 1963 bis 1967 […] bäumt er sich erfolglos dagegen auf, an den Rand geschoben zu sein. Die Parallelen zu Bismarcks Unruhestand in Friedrichsruh sind evident. [Schwarz, Hans-Peter: Anmerkungen zu Adenauer, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2005, S. 29. Zitiert nach: Schwarz, Hans-Peter: Anmerkungen zu Adenauer, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2004.]
Die Parallele zwischen dem Boom der radikalen Tierrechtler und der 68er-Studentenbewegung ist unübersehbar. Gemeinsam ist ihnen der Angriff auf das herrschende Politikverständnis; die Sehnsucht der Wohlstandskinder nach einer aus ihrer Sicht umfassenderen Gerechtigkeit. [Die Zeit, 26.04.1996, Nr. 18]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine verblüffende, erstaunliche, auffällige Parallele
als Akkusativobjekt: Parallelen aufweisen, aufzeigen, ziehen, entdecken
in Koordination: Analogien, Ähnlichkeiten und Parallelen
mit Prädikativ: die Parallele ist unübersehbar, unverkennbar
als Aktiv-/Passivsubjekt: die Parallele drängt sich auf
3.
Musik auf- oder abwärts führende Bewegung einer Stimme mit einer anderen in gleich bleibenden Intervallen
Beispiele:
Parallelen, das auf- oder abwärtsführende Fortschreiten zweier oder mehrerer Stimmen in gleicher Richtung bei gleichbleibender Distanz. Es ist ein Sonderfall der sogenannten Parallelbewegung, auch gerade Bewegung (lat. motus rectus) genannt, eine der Grundmöglichkeiten der Stimmführung: das Fortschreiten der Stimmen in gleicher Richtung bei wechselnder Distanz. [o. A.: P. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 7800]
Statt innerhalb des mus. Satzes Straßenlieder zu zitieren, gab man ihr ganz bewußt durch Ketten von parallelen Quinten in der Harmonik einen primitiv-bäuerlichen Anstrich. Man wollte damit ländliche Sänger nachahmen, die in unbeholfener Weise eine Melodie mit Terz- und Quintparallelen begleitet haben mögen. Der Theoretiker L. Zacconi (1592) erklärt diese Vorliebe für Parallelen damit, daß jede St[imme]. die gleiche Melodie zu singen wünsche[…]. [Rubsamen, Walter H.: Villanella. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 12514. Zitiert nach: Rubsamen, Walter H.: Villanella. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 13, Kassel: Bärenreiter 1966.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

parallel · Parallele · Parallelogramm
parallel Adj. ‘in gleicher Richtung und gleichbleibendem Abstand nebeneinander laufend’, als mathematischer Terminus entlehnt (1. Hälfte 16. Jh.) aus gleichbed. lat. parallēlos, parallēlus, griech. parállēlos (παράλληλος), eigentlich ‘nebeneinander stehend, laufend, befindlich’; vgl. griech. allḗlōn (ἀλλήλων) ‘einander, wechselseitig’, állos (ἄλλος) ‘anderer’ und s. ↗para-. Übertragener Gebrauch im Sinne von ‘gleichzeitig in ähnlicher Weise bestehend oder geschehend’ setzt im 18. Jh. ein. Parallele f. ‘Gerade, die zu einer anderen in gleichem Abstand verläuft’, Substantivierung des Adjektivs, zuerst Parallel m. und n. (1. Hälfte 16. Jh.), dann in Analogie zu Linie oder unter Einfluß von frz. parallèle die heutige feminine Form (18. Jh.). Übertragen ‘vergleichende Gegenüberstellung, Vergleich, Entsprechung’ (18. Jh.). Parallelogramm n. ‘Viereck mit paarweise gleichlaufenden Seiten’ (16. Jh.), lat. parallēlogrammum, griech. parallēlógrammon (παραλληλόγραμμον), substantiviertes Neutrum des Adjektivs parallēlógrammos (παραλληλόγραμμος) ‘parallele Linien habend, von parallelen Linien begrenzt’, zu griech. grammḗ (γραμμή) ‘Linie, Strich’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gegenwart aufdringen aufdrängen auffallend auffällig aufschlußreich aufweisen aufzeigen augenfällig bemerkenswert biographisch erschreckend erschöpfen erstaunlich evident frappierend geschichtlich gewiss gezogen historisch interessant merkwürdig offenkundig offensichtlich unverkennbar unübersehbar verblüffend ziehen überraschend übersehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Parallele‹.

Zitationshilfe
„Parallele“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Parallele>, abgerufen am 18.10.2019.

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