Opportunist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Opportunisten · Nominativ Plural: Opportunisten
Aussprache
WorttrennungOp-por-tu-nist
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Opportunist‹ als Erstglied: ↗opportunistisch
eWDG, 1974

Bedeutungen

entsprechend der Bedeutung von Opportunismus (Lesart 1)
Beispiel:
die politische Niederlage der Opportunisten
entsprechend der Bedeutung von Opportunismus (Lesart 2)
Beispiel:
als echter Opportunist nahm er jede Chance wahr
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

opportun · Opportunität · Opportunist · Opportunismus
opportun Adj. ‘genehm, gelegen, angebracht, der Gelegenheit folgend’, entlehnt (1. Hälfte 18. Jh., vielleicht früher) aus gleichbed. lat. opportūnus, eigentlich (aus der Seemannssprache) ‘zur Fahrt bequem’ (vom Wind), vgl. lat. portus ‘Einfahrt, Hafen’. Opportunität f. ‘passende Gelegenheit, Zweckmäßigkeit der Lage’ (17. Jh.), aus gleichbed. lat. opportūnitās (Genitiv opportūnitātis). Adjektiv und Substantiv werden unter dem Einfluß von frz. opportun und opportunité zum Schlagwort in Politik und Diplomatie. Opportunist m. ‘wer sich anpaßt, Gelegenheiten nutzt’ (Mitte 19. Jh.), dann ‘wer seine Politik aus Nützlichkeitserwägungen den Zeitumständen anpaßt, Vertreter des Opportunismus’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach ital. opportunista, frz. opportuniste, letzteres zunächst für einen Vertreter der gemäßigten Republikaner unter Gambetta. Opportunismus m. ‘Gelegenheitspolitik, bereitwillige und rasche Anpassung an die politische Lage’ (Ende 19. Jh.), nach frz. opportunisme ‘politische Lehre, die das Vorgehen von den Umständen abhängig macht’, ital. opportunismo.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandes) Handlanger · Abnicker · ↗Erfüllungsgehilfe · Gesinnungsakrobat · ↗Ja-Sager · ↗Jasager · ↗Konformist · ↗Mitläufer · Opportunist · williger Vollstrecker  ●  ↗Gesinnungslump  derb · ↗Radfahrer  ugs. · ↗Wendehals  ugs. · Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.  ugs., Sprichwort · sein Fähnlein nach dem Winde drehen  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Demagoge Drückeberger Feigling Heuchler Idealist Intrigant Karrierist Konformist Mitläufer Populist Pragmatiker Rassist Revisionist Stalinist Taktiker Wendehals Wichtigtuer Zyniker bedenkenlos begnadet charakterlos feig gewissenlos gnadenlos hemmungslos prinzipienlos schamlos skrupellos wendig windig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Opportunist‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hat er den eigenen Sohn vielleicht davor gewarnt, ein Opportunist zu werden?
Der Tagesspiegel, 25.01.2003
Macht will er schon, aber ich halte ihn nicht für einen Opportunisten.
Die Zeit, 11.04.1997, Nr. 16
Die gebildeteren Opportunisten - trotz ihrer instinktiven und tiefen Abneigung gegen jede Theorie - bestreiten dies auch keineswegs.
Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewußtsein, Neuwied u. a.: Leuchterhand 1970 [1923], S. 58
Ich war nicht sein Mitläufer, ich war auch kein Opportunist.
o. A.: Einhundertachtunddreißigster Tag. Freitag, 24. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 15383
Schacht stellt den gefährlichsten und verwerflichsten Typ des Opportunisten dar.
o. A.: Einhundertsiebenundachtzigster Tag. Freitag, 26. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 26182
Zitationshilfe
„Opportunist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Opportunist>, abgerufen am 20.06.2019.

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