Obrigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Obrigkeit · Nominativ Plural: Obrigkeiten
WorttrennungOb-rig-keit (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Obrigkeit‹ als Erstglied: ↗Obrigkeitsdenken · ↗Obrigkeitsglaube · ↗Obrigkeitsglauben · ↗Obrigkeitsstaat · ↗obrigkeitlich · ↗obrigkeitsgläubig · ↗obrigkeitshörig
 ·  mit ›Obrigkeit‹ als Letztglied: ↗Landesobrigkeit · ↗Stadtobrigkeit
eWDG, 1974

Bedeutung

Beispiel:
historisch die weltliche, geistliche Obrigkeit (= die Träger staatlicher, kirchlicher Macht)
spöttisch die Vorgesetzten
Beispiel:
eine Anordnung der Obrigkeit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ober · Ober · Oberst · Oberin · Obers · Schlagobers · oberhalb · Oberwasser · Obrigkeit
ober Adj. (heute nur mit Flexionsendung der obere, ein oberer) ‘oben befindlich, höher gelegen, auf höherer Stufe stehend, übergeordnet’, ahd. obaro (8. Jh.), mhd. ober ist wie das Adjektiv aengl. yferra ‘nachfolgend, höher’ und die Adverbien anord. ofar(r) ‘weiter oben’, got. ufarō ‘darüber’ eine komparativische Bildung mit r-Suffix zu der unter ↗ob Präp. (s. d.) behandelten Ortsbestimmung. Die germ. Formen sind vergleichbar mit aind. úparaḥ ‘der untere, hintere, spätere’, awest. upara- ‘der obere, höhere, überlegene’, griech. hýperon, hýperos (ὕπερον, ὕπερος) ‘Mörserkeule’, lat. superus ‘der obere’, die einen Komparativ ie. *upero- fortsetzen. Neben ahd. obaro tritt ein gleichbed. ahd. (besonders obd.) obarōro (um 800) mit zusätzlicher Komparativendung; diesem entspricht der Superlativ ahd. obarōsto (8. Jh.), auch obaristo (11. Jh.), mhd. ob(e)rest, ob(e)rōst, ob(e)rist, öbrist ‘der oberste, höchste’. Substantiviertes mhd. die oberen Plur., frühnhd. ain ober (15. Jh., mit Bewahrung der endungslosen Nominativform des Mhd.) bezeichnet Personen von höherem Rang oder Stand, daher Ober m. ihrem Wert nach unter dem König stehende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (Anfang 16. Jh., im Frühnhd. auch Oberbild, 15. Jh., Obermann, Oberbub, 16. Jh.), zu unterscheiden von Ober ‘Kellner’ (Ende 19. Jh.), einer jungen Kürzung aus Oberkellner ‘Zahlkellner’ (18. Jh., vgl. aber schon mhd. oberkelner ‘oberster Kellermeister’, 14. Jh.). Auf Substantivierung des Superlativs beruht Oberst m. ‘hoher militärischer Befehlshaber, Regimentskommandeur’, namentlich ‘im Rang unmittelbar unter dem General (major) stehender Offizier’ (16. Jh., bis ins 18. Jh. auch in der beim Adjektiv nicht mehr gebräuchlichen Form Obrist); daneben wird im älteren Nhd. (vom 15. Jh. an) außerhalb des militärischen Bereichs der Oberste ganz allgemein im Sinne von ‘Vorgesetzter, Vorsteher’ verwendet, ebenso die Oberste ‘Vorsteherin’ (16. Jh.), später ersetzt durch Oberin f. (Ende 18. Jh., seit dem 19. Jh. besonders für ‘Vorsteherin eines Klosters, Heimleiterin, leitende Krankenschwester’). Obers n. bair. öst. ‘Rahm, Sahne’ (17. Jh.), eigentlich Ober(e)s (der Milch), substantiviertes Neutrum von ober. Schlagobers n. ‘Schlagsahne’. oberhalb Präp. mit Genitiv ‘über’, älter auch Adv. ‘weiter oben gelegen, darüber’, mhd. oberhalbe(n), oberhalp Adv. und Präp.; zum zweiten Glied s. ↗-halb, ↗-halben. Oberwasser n. seit dem 19. Jh. (besonders nordd. und md.) vor allem ‘Vorteil, günstige Position’ in Fügungen wie Oberwasser haben, bekommen, auch jmdm. Oberwasser geben; das zugrundeliegende Bild entstammt dem Mühlenwesen, wo von oben auf das Mühlrad fallendes Wasser (vgl. oberschlächtiges Rad) vorteilhafter für den Antrieb ist. Frühere Belege (vom 15. Jh. an) zeigen Oberwasser in wechselndem Gebrauch für ‘aufgestautes Wasser’, ‘Gebirgswasser’ oder ‘Oberlauf eines Gewässers’. Obrigkeit f. ‘Träger der staatlichen oder kirchlichen Macht, Regierung’ (16. Jh.), zuvor spätmhd. oberkeit, frühnhd. Ober-, Öberkeit in der Bedeutung ‘Herrschaft, Macht, Gewalt’, vgl. mnd. overicheit ‘Macht, Oberherrschaft, Behörde’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Exekutive · Obrigkeit · ↗Regierung · ↗Staatsgewalt · ↗Staatsmacht · ↗Verwaltung
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Administration · ↗Apparat(e) · ↗Beamtenapparat · ↗Bürokratie · Obrigkeit · ↗Verwaltung · ↗Verwaltungsapparat · öffentliche Hand  ●  ↗Bürokratismus  abwertend · ↗Wasserkopf  ugs., abwertend, fig.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufbegehren Auflehnung Diener Geheiß Gehorsam Klerus Ungehorsam Untertan Widerstandsrecht aufbegehren auflehnen aufmucken christlich einschreiten ergeben fürstlich gehorchen geistlich gestreng gottgewollt irdisch kirchlich landesherrlich mißfallen preußisch rebellieren rechtmäßig selbstherrlich verhaßt weltlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Obrigkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das heißt, sie laden alle Probleme einfach bei der Obrigkeit ab.
Der Tagesspiegel, 31.07.2003
Er klagte wie schon in den letzten Jahren, es gäbe keine zum Kampf bereite Obrigkeit mehr.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 17440
Traut die Kirche, dann tut sie es im Namen weltlicher Obrigkeit.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7147
Notfalls sollen sie dazu die Hilfe der weltlichen Obrigkeit heranziehen.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 21417
So steht in dem Stück auch die Kirche stellvertretend für die Obrigkeit schlechthin.
Die Zeit, 11.02.1957, Nr. 06
Zitationshilfe
„Obrigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Obrigkeit>, abgerufen am 19.10.2019.

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