Obhut, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Obhut · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungOb-hut
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben schützende Beaufsichtigung
jmd. nimmt jmdn., etw. in, unter seine Obhut, jmd. hat jmdn., etw. in, unter seiner Obhutjmd. beaufsichtigt und schützt jmdn., etw.
Beispiele:
sie nahm die Waise in, unter ihre Obhut
sie hatte das Kind in, unter ihrer (besonderen) Obhut
der Junge war, blieb, stand in, unter ihrer Obhut, begab sich in, unter ihre Obhut
man ließ das Kind unter der Obhut des Mädchens zurück
man gab das Kätzchen in die Obhut der Nachbarin
die Baudenkmäler wurden in staatliche Obhut übernommen
jmdn. jmds. Obhut übergeben, anvertrauen
Donna Rosaura ... übergab die Kinder der Obhut des Schiffskaplans [CramerKonzessionen12]
wenn man alle Söhne regierender Häuser ein paar Jahre Herden hüten ließe, ehe man ihnen die Obhut ihrer Völker anvertraut [HagelstangeSpielball19]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ob1 · Obacht · beobachten · Obdach · obdachlos · Obhut · Obmann · obliegen · Obliegenheit · obsiegen · obwalten · obgedacht · obgemeldet · obberührt · obgenannt
ob1 Präp. ‘wegen, auf Grund’, heute ungebräuchlich, jedoch bis ins jüngere Nhd. noch in gehobener oder altertümelnder Ausdrucksweise; die ursprüngliche Funktion der aus einem lokalen Adverb hervorgegangenen Präposition, ein räumliches Verhältnis anzugeben (‘oberhalb von’, vgl. den Ortsnamen Rothenburg ob der Tauber), ist nur im Schweiz. länger bewahrt, während sich sonst nahe verwandtes ↗über (s. d.) durchsetzt. Reste des adverbiellen Gebrauchs begegnen im präfixartigen ersten Glied nominaler und verbaler Komposita (s. unten). Ahd. oba (8. Jh.), mhd. ob(e) Adv. ‘oben, oberhalb’, Präp. ‘über, oberhalb von’, aengl. ufe- (in ufeweard Adj. ‘aufwärts gerichtet, ansteigend, höher, später’, Subst. ‘Oberteil, Außenseite’), anord. of Präp. Adv. ‘auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen’, got. uf Präp. ‘unter’ gehen wie aind. úpa ‘gegen, hin, zu’, apers. upā̌ ‘hin, bei, in’, griech. hypó (ὑπό) Präp. ‘unter’, hýpo (ὕπο) Adv. ‘unten’, lat. sub Präp. ‘unter’ auf ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘(von unten) hinauf, über’ (s. auch ↗auf) zurück. Obacht f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung, Vorsicht’ (Anfang 17. Jh.), namentlich im Obd. verbreitete Zusammensetzung mit ↗Acht (s. d., daneben älteres Aufacht, zuerst 16. Jh.); heute vor allem in der Fügung Obacht geben ‘achtgeben, aufpassen’ (19. Jh., älter auch etw. in Obacht nehmen, halten, 17. Jh.); dazu beobachten Vb. ‘(über einen längeren Zeitraum) aufmerksam und genau betrachten, im Auge behalten, einhalten, sorgfältig beachten’ (Mitte 17. Jh., bis Ende des 18. Jhs. auch obachten), im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig für lat. observāre, frz. observer (s. ↗Observatorium). Obdach n. ‘(vorübergehende) Unterkunft, Bleibe’, ahd. obthah ‘Dach, schützende Einfriedung’ (10. Jh.), mhd. ob(e)dach ‘Dach, Unterkunft, Schutz, Überzug, Baumkrone’, im jüngeren Nhd. meist auf die Sphäre gehobenen Stils beschränkt; dazu von der Verwaltungssprache ausgehendes obdachlos Adj. ‘wohnungslos, ohne Bleibe’ (2. Hälfte 19. Jh., vgl. Asyl für Obdachlose, Ende 19. Jh., Obdachlosenasyl, 20. Jh.). Obhut f. ‘fürsorgliche Beaufsichtigung’ (Mitte 17. Jh.), intensivierende Zusammensetzung mit ↗Hut f. (s. d.). Obmann m. ‘wer anderen übergeordnet ist, sie vertritt, Anführer, Vorsteher, Vertrauensmann’, auch ‘Schiedsrichter’, mhd. obeman; im Rechtswesen des 19./20. Jhs. Bezeichnung für den Vorsitzenden und Sprecher der Geschworenen. Als Pluralform steht Obleute (seit Ende 14. Jh.) neben Obmänner. obliegen Vb. heute nur geläufig in unpersönlicher Verwendung etw. obliegt jmdm. ‘etw. ist jmds. (dienstliche) Aufgabe’ (so seit Ende 19. Jh., zuerst obd.; älter etw. liegt jmdm. ob, um 1600), früher ebenfalls jmd. obliegt einer Sache, liegt einer Sache ob ‘jmd. beschäftigt sich mit einer Sache, befleißigt sich ihrer’ (16. Jh.), wohl nach den entsprechenden Gebrauchsweisen von lat. incumbere ‘sich worauf legen, werfen, auf jmdm. lasten’ (spätlat. ‘jmds. Aufgabe sein’); voraus geht ahd. oba liggen ‘obenauf liegen’ (9. Jh.), mhd. obe (ge)ligen ‘oben liegen, die Oberhand gewinnen, siegen, überwinden’, noch fortlebend in frühnhd. obliegen, dann im Nhd. in diesen Bedeutungen nicht mehr üblich. Zum Verb im neueren Sinne stellt sich Obliegenheit f. ‘Aufgabe, Pflicht’ (Ende 17. Jh., den seit Beginn des 16. Jhs. gebräuchlichen substantivierten Infinitiv das Obliegen ablösend). Veraltende Bildungen sind obsiegen Vb. ‘den Sieg davontragen’ (15. Jh.) und obwalten Vb. ‘die Herrschaft ausüben, lenken, leiten’, dann ‘herrschen, vorhanden sein’ (18. Jh.), die höchstens noch in gewählter Rede vorkommen, ferner vorwiegend kanzleisprachliche Partizipialadjektive wie obgedacht, obgemeldet, obberührt (16. Jh.), obgenannt (18. Jh.) ‘oben erwähnt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Aufsicht · ↗Fürsorge · ↗Fürsorglichkeit · ↗Geborgenheit · Geborgensein · ↗Gewahrsam · Obhut · ↗Schutz · ↗Sorge · ↗Verantwortung · ↗Verfügungsgewalt  ●  Schutz und Schirm (formelhaft)  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
Führung · ↗Leitung · Obhut · ↗Präsidium · ↗Regentschaft · ↗Regie · ↗Schirmherrschaft · ↗Ägide  ●  ↗Patronanz  österr. · ↗Protektorat  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amme Bundesarchiv Fürsorge Gouvernante Großeltern Großmutter Großonkel Jugendamt Kinderfrau Kindermädchen Kupferstichkabinett Onkel Pflegeeltern Pflegefamilie anvertrauen aufwachsen befinden begaben begeben elterlich entlassen fürsorglich mütterlich schützend staatlich unterstehen väterlich zurücklassen ärztlich übergeben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Obhut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beim Haus der Kulturen der Welt habe es schon vor Jahren die Überlegung gegeben, es in die Obhut des Auswärtigen Amtes zu geben.
Der Tagesspiegel, 18.07.2000
Wenn die Frau signalisiert, daß ein Leben mit dem Kind für sie unmöglich ist, können wir das Kind in Obhut nehmen.
Süddeutsche Zeitung, 19.07.1999
Darum auch sind sie in die Obhut der beiden Frauen gegeben.
Hofmann, Werner: Das irdische Paradies, München: Prestel 1991 [1960], S. 241
Und das Kind wird in der Obhut der Mutter bleiben.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 630
Und Sie, Herr Hull, müssen wir weiter unter unsere Obhut nehmen.
Jacques, Norbert: Dr. Mabuse, der Spieler, Gütersloh: Bertelsmann 1961 [1920], S. 21
Zitationshilfe
„Obhut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Obhut>, abgerufen am 22.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
obgleich
obgenannt
obgemeldet
obgedacht
Obfrau
Obi
obig
obiit
Obiter Dictum
Obituarium