Obdachlosigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Obdachlosigkeit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungOb-dach-lo-sig-keit
Wortzerlegungobdachlos-igkeit
Wahrig und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Zustand, in dem jmd. ohne einen festen Wohnsitz ist (und im Freien oder in Notunterkünften übernachtet)
Beispiele:
Die Stadt San Francisco kämpft gegen Obdachlosigkeit und hat in diesem Zusammenhang gerade ein Zeltlager für Wohnungslose aufgelöst. [Spiegel, 16.03.2016 (online)]
Die Grundprinzipien der Mindestsicherung seien das Vermeiden von Obdachlosigkeit sowie das Zurverfügungstellen eines Einkommens, mit dem man nicht hungern müsse. [Der Standard, 09.02.2016]
Weil dabei [bei der Flutwelle] Tausende Menschen ihr Haus verloren haben, kämpfen die Malediven nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit Obdachlosigkeit. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2005]
Verliert der Ernährer seinen Job, entzieht die Bank den Kleinkredit, bricht die Ehe auseinander, zieht manch einer aus dem Reihenhaus direkt auf die Platte, in die Obdachlosigkeit […]. [Der Standard, 12.03.2004]
Die Obdachlosigkeit [in Köln] ist wegen der Wohnungsnot markant angestiegen; 800 Personen leben nach Kenntnis der Behörden auf der Strasse, weitere 6000 in Notunterkünften. [Neue Zürcher Zeitung, 18.06.1994]
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: Obdachlosigkeit verhindern
in Präpositionalgruppe/-objekt: Beseitigung, Vermeidung von Obdachlosigkeit; der Weg in die Obdachlosigkeit
in Koordination: Obdachlosigkeit und Armut, Hunger
2.
übertragen Gefühl, Zustand der Verlorenheit, der Orientierungs- und Heimatlosigkeit, der Fremdheit in der modernen Zivilisation
Beispiele:
Die Schriftsteller litten einerseits an ihrer unabweisbaren metaphysischen Obdachlosigkeit, andererseits verachteten sie aber auch die hinfällig gewordene traditionelle Ordnung. [Die Welt, 05.07.2003]
Wie zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, so scheinen auch heute viele Künstler an einer existentiellen Obdachlosigkeit zu leiden und auf der Flucht vor der Rationalität einer durch und durch ökonomisierten Welt in der Kunst Erlösung vom ach so prosaischen Alltag zu suchen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2006]
Dass die Angestellten Zerstreuung suchten, dass sie ihren Körper beim Sport trainierten und mit der Mode gingen, dass sie […] sich ihre Weltanschauungen selber zusammenbastelten – all dies konnte nur als Verfall, Entfremdung, Verlust der Mitte oder »geistige Obdachlosigkeit« beschrieben werden. [Die Zeit, 10.06.1999, Nr. 24]
Über viele Menschen von heute ist gerade dieses Fatum verhängt, die allgemeine Obdachlosigkeit der Seelen macht es immer schwieriger, daß sie einander finden und, dem Sinne der Gattung gemäß, miteinander fertig werden. [Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 48966]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: metaphysische, transzendentale Obdachlosigkeit

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstieg Aids Alkoholismus Arbeitslosigkeit Architektur Armut Bekämpfung Beseitigung Droge Drogensucht Einsamkeit Fachstelle Fisch Hunger Isolation Kriminalität Problematik Prostitution Sucht Teufelskreis Vereinsamung Vermeidung Verwahrlosung Wohnungsnot Zwangsräumung bedrohen bekämpfen drohend metaphysisch transzendental

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Obdachlosigkeit‹.

Zitationshilfe
„Obdachlosigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Obdachlosigkeit>, abgerufen am 22.04.2019.

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