Notbehelf, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungNot-be-helf (computergeneriert)
WortzerlegungNotBehelf
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

etw. für einen bestimmten Zweck nur bedingt Geeignetes, was ersatzweise benutzt wird, wenn etw. Besseres nicht verfügbar ist; Behelf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Not · nötig · nötigen · Nötigung · Notbehelf · Notdurft · notdürftig · Notdürftigkeit · notgedrungen · Notlüge · Notnagel · Notpfennig · Notstand · Notwehr · notwendig · Notwendigkeit · Notzucht · notzüchtigen
Not f. ‘Armut, Elend, Mangel, schwierige Lage, Bedrängnis, Mühe, Schwierigkeit, Zwang’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. nōt, asächs. nōd, mnl. noot, nl. nood, afries. nēd, aengl. níed, nēd, engl. need (Plur. needs ‘Bedürfnisse’), anord. nauð, nauðr, schwed. nöd, got. nauþs (germ. *naudi- f.) führt als Abstraktbildung mit ti-Suffix wie apreuß. nautin (Akkusativ) ‘Not’, vielleicht im Anschluß an Verben wie lit. nõvyti ‘bedrücken, vernichten, quälen’, aslaw. unyti ‘verzagen, nachlässig werden’, russ. nyt’ (ныть) ‘anhaltend dumpf schmerzen’, mit aslaw. nǫžda, nužda ‘Zwang, Gewalt, Notwendigkeit’, russ. (älter) nudá (нуда) ‘Zwang, Nötigung, Not’, russ. nuždá (нужда) ‘Not Armut, Elend’ auf eine Wurzel ie. *nāu-, *nəu-, *nū- ‘Tod, Leiche’, verbal ‘bis zur Erschöpfung abquälen, ermattet zusammensinken’. nötig Adj. ‘dringend erforderlich, unentbehrlich, notwendig’, ahd. nōtag, nōtīg ‘in Not, bedrängt’ (9. Jh.), mhd. nōtec, nōtic, nœtic ‘Not habend, bedrängt, dürftig, notwendig, dringend, eilig’. nötigen Vb. ‘jmdn. auffordern, dringend bitten, etw. zu tun’, in der Rechtssprache ‘jmdn. mit Gewalt oder Drohung dazu bringen, etw. zu tun, zu dulden oder zu unterlassen’, ahd. nōtagōn (um 1000), mhd. nōtegen, nōtigen, auch ‘notzüchtigen’, neben gleichbed. frühnhd. nöten, ahd. nōten ‘Gewalt, Zwang antun, drängen’ (8. Jh.); vgl. asächs. nōdian, aengl. nīedan, anord. neyða, got. nauþjan ‘zwingen’. Nötigung f. ‘das Genötigtwerden, Zwang’, ahd. nōtigunga (um 1000), frühnhd. notigung (15. Jh.). Notbehelf m. ‘notdürftiger Behelf, unzureichendes Ersatzmittel’ (Anfang 18. Jh.). Notdurft f. ‘Ausscheidung aus Darm und Blase’, älter ‘zum Leben Nötiges’, heute nur noch in der Wendung seine Notdurft verrichten ‘Darm und Blase entleeren’ (17. Jh.), vgl. mhd. sīne nōtdurft tuon. Ahd. nōtthurft (8. Jh.), mhd. nōtdurft ‘Notwendigkeit, Not, (natürliches) Bedürfnis, Bedarf an notwendigen Dingen (zum Lebensunterhalt)’, asächs. nōdthurft ‘Notwendigkeit, Bedarf an notwendigen Dingen, zwingendes Bedürfnis’, mnl. nootdorft, nl. nooddruft, afries. nēdthreft, got. naudiþaúrfts, zusammengesetzt mit dem schwundstufigen ti-Abstraktum ahd. thurft, mhd. durft, got. þaúrfts ‘Bedürfnis’ (germ. *þurfti-, s. ↗dürftig); notdürftig Adj. ‘nicht befriedigend, behelfsmäßig, nur knapp ausreichend’, mhd. nōtdürftic ‘nötig, notwendig, bedürftig’; Notdürftigkeit f. mhd. nōtdürfticheit ‘Notwendigkeit, Bedürfnis, Erfordernis’, eigentlich ‘was man notwendig braucht’. notgedrungen Adj. ‘aus dringender Notwendigkeit gezwungen, weil es nicht anders geht’ (18. Jh.), eigentlich Part. Prät. von veraltetem notdringen ‘mit Not drängen, nötigen, zwingen’. Notlüge f. ‘durch Not erzwungene Lüge mit dem Ziel, Schaden zu verhindern oder einer Verlegenheit zu entgehen’ (Ende 16. Jh.). Notnagel m. ‘Ersatz, Aushilfe, Lückenbüßer’ (Anfang 18. Jh.). Notpfennig m. ‘für Zeiten der Not aufgespartes Geld’ (17. Jh.). Notstand m. ‘Zustand der Not, der Bedrängnis, gefahrdrohender Zustand’ (17. Jh.). Notwehr f. ‘von einem akuten Notfall erzwungene Verteidigung’ (gegen körperlichen Angriff), mhd. nōtwer. notwendig Adj. ‘nötig, unbedingt erforderlich’, eigentlich ‘geeignet, die Not zu wenden’ (1. Hälfte 16. Jh.), und (nur in älterer Sprache) ‘notgedrungen, sehr dringend, unaufschiebbar’, eigentlich ‘durch Not hervorgebracht’ (ebenfalls 1. Hälfte 16. Jh.); daraus ‘in der Natur der Sache liegend, unvermeidbar’ (18. Jh.), vgl. notwendige Konsequenz; dazu Notwendigkeit f. (16. Jh.). Notzucht f. ‘Vergewaltigung’ (16. Jh.), Rückbildung aus mhd. (rhein.) nōtzühten, das eigentlich wie ahd. nōtzogōn (10. Jh.), mhd. nōtzogen ‘mit Zwang (Not) eine Frau fortziehen, eine Frau rauben’ bedeutet; notzüchtigen Vb. ‘eine Frau vergewaltigen’, mhd. nōtzühtigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Behelfslösung · Notbehelf · ↗Notlösung · ↗Provisorium · Umgehungslösung · ↗Verlegenheitslösung · Workaround · ↗Zwischenlösung · provisorische Lösung · vorübergehender Zustand · ↗Übergangslösung  ●  Baumarktlösung  ugs., fig. · Notstopfen  ugs. · aus der Not geboren  ugs.
Assoziationen
  • Lückenbüßer  fig. · Lückenfüller  fig. · ↗Notnagel  fig. · Notstopfen  fig.
  • (nur eine) Bastellösung · (sich) nicht verlassen mögen (auf) · ↗Provisorium  ●  (hat) keinen Kopf und keinen Arsch  ugs., fig. · nichts Halbes und nichts Ganzes  ugs., Hauptform
  • Behelfsunterkunft · Behelfswohnung · ↗Notunterkunft
  • Notstopfen · provisorische Stellenbesetzung
  • Barackensiedlung · ↗Containerdorf  ●  ↗Nissenhütte(n)  historisch, veraltet · Nissenhütten-Siedlung  historisch, veraltet
  • Alternative · Ausweichlösung · Zusatzoption · weitere Möglichkeit · zusätzliche Option  ●  Plan B  ugs.
  • (für) eine Weile · (nur) eine Übergangslösung · (nur) für den Übergang · eine Zeit lang · für eine Übergangszeit · keine endgültige Lösung · ↗kurzzeitig · nicht auf Dauer · nicht dauerhaft · nicht für die Ewigkeit (gedacht) · nicht für immer · nicht von Dauer · ↗temporär · zeitlich begrenzt · ↗zeitweilig · zur Überbrückung · ↗übergangsweise  ●  ↗(nur) vorübergehend  ugs. · ↗transient  geh.
  • Momentaufnahme · ↗Provisorium · ↗Zwischenstand · vorübergehender Zustand

Typische Verbindungen
computergeneriert

Orientierung ansehen bloß gedenken vorübergehend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Notbehelf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe betont, dass ich nicht etwa glaube, Lehrer seien beliebig ersetzbar, es handele sich eben um einen Notbehelf.
Die Zeit, 20.06.2011, Nr. 25
Bei solcher Lage der Dinge konnten Briefe nur Notbehelf sein.
konkret, 1981
Die aramäische Sprache beschränkte sich aber auf die Wiedergabe von Konsonanten und verwendete für die Vokale allenfalls einen Notbehelf.
Altheim, Franz: Das alte Iran. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 22565
Das möblierte Zimmer wird, wenn es nicht gerade ein Idealzimmer ist, immer ein Notbehelf bleiben.
Oheim, Gertrud: Das praktische Haushaltsbuch, Gütersloh: Bertelsmann 1967 [1954], S. 54
Freilich bleibt jeder Versuch, das Wesen großer Kunst begrifflich zu umschreiben, ein Notbehelf.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 268
Zitationshilfe
„Notbehelf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Notbehelf>, abgerufen am 22.10.2019.

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