Naturell, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Naturells · Nominativ Plural: Naturelle
Aussprache
WorttrennungNa-tu-rell (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1974

Bedeutung

Anlage, Veranlagung
a)
Wesen, Gemütsart
Beispiele:
er hat, besitzt ein heiteres, naives, lebensfrohes, fröhliches, sorgloses, liebenswürdiges Naturell
etw. liegt in jmds. Naturell
das ist seinem ruhigen, bedächtigen Naturell zuwider
auf dessen rasch wiederkehrende gute Laune bei seinem glücklichen Naturell mit einer Art Sicherheit gerechnet war [FontaneTreibelI 3,476]
b)
Körperbeschaffenheit
Beispiele:
er hat ein kräftiges, gesundes Naturell
Auch magere Menschen ... schwitzen nach Radausflügen trotz ihres trockenen Naturells [A. ZweigEinsetzung329]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Natur · Naturforscher · Naturgeschichte · Naturkunde · Naturwissenschaft · naturwüchsig · natürlich · Naturell · Naturalien · Naturalismus · Naturalist · naturalisieren
Natur f. ‘Gesamtheit des Gewachsenen, Gewordenen, Landschaft mit Tier- und Pflanzenwelt, Wesen, Anlage, Charakter’, ahd. natūra (9. Jh.), mhd. natūre ist Entlehnung von lat. nātūra, eigentlich ‘Geburt, Geborensein’, einer Bildung zu lat. nātus ‘geboren’, Part. Perf. von lat. nāscī ‘geboren werden, entstehen, wachsen’. Eine Nebenform mhd. natiur(e) zeigt Einfluß von afrz. nature. In allen wichtigen Verwendungen folgt Natur den im Lat. vorgeprägten Bedeutungen. Naturforscher m. (17. Jh.), für älteres Naturkündiger (16. Jh.), ahd. natūrosago (um 1000). Naturgeschichte f. auch Naturhistorie (18. Jh.), lat. historia nātūrālis. Naturkunde f. (17. Jh.). Naturwissenschaft f. (18. Jh.). naturwüchsig Adj. ‘urwüchsig’, seit der 1. Hälfte des 19. Jhs. im Sinne von ‘frei organisch wachsend, sich naturnah entfaltend’. natürlich Adj. ‘der Natur gemäß, angeboren, nicht künstlich, unverbildet, ungezwungen’, adverbial im Sinne von ‘selbstverständlich, freilich’, ahd. natūrlīh (um 1000), mhd. natūrlich, natiurlich. Naturell n. ‘Veranlagung, Gemütsart’, im 17. Jh. entlehnt aus gleichbed. frz. naturel, Substantivierung des Adjektivs frz. naturel ‘natürlich, der Natur entsprechend’, das auf lat. nātūrālis ‘durch Geburt, durch die Natur entstanden’ zurückgeht. Naturalien Plur. ‘Erzeugnisse der Natur, landwirtschaftliche Produkte’ (17. Jh.), besonders ‘Lebensmittel’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus lat. nātūrālia (dem substantivierten Neutr. Plur. von nātūrālis, s. oben). Seit dem 18. Jh. auch im Sinne von ‘Naturmerkwürdigkeiten, Schaustücke naturkundlicher Sammlungen’, vgl. Naturalienkabinett, -kammer. Naturalismus m. weitestgehende Naturtreue anstrebende Kunstrichtung, in der bildenden Kunst, besonders der Malerei, seit etwa 1800; seit den 80er Jahren des 19. Jhs. (nach frz. naturalisme) auch Bezeichnung für eine literarische Schule unter Einfluß der französischen Literatur, vor allem Zolas. Naturalist m. ‘Vertreter des Naturalismus’ (19. Jh.), ‘Künstler ohne schulgerechte Ausbildung’ (18. Jh.), ‘Naturkundiger, -forscher’ (17. Jh.); weithin dem älteren Gebrauch von frz. naturaliste entsprechend. naturalisieren Vb. ‘einbürgern, die Staatsbürgerschaft verleihen’, Entlehnung des 17. Jhs. aus gleichbed. frz. naturaliser.

Thesaurus

Synonymgruppe
Charakter · ↗Eigenart · ↗Format · ↗Gemüt · ↗Gemütsart · ↗Gepräge · Natur · Naturell · ↗Persönlichkeit · ↗Temperament · ↗Veranlagung · ↗Wesen · ↗Wesenheit · ↗Wesensart  ●  ↗Profil  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gemüt · ↗Gemütsanlage · ↗Gemütsart · Naturell · ↗Sinnesart · ↗Temperament
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Synonymgruppe
Anlage · ↗Charakter · ↗Eigenart · Naturell · ↗Temperament · ↗Veranlagung · ↗Wesen
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Temperament aufbrausend ausgeglichen ausgleichend ausleben bedächtig cholerisch entgegenkommen entsprechen entspringen fröhlich glücklich hanseatisch heiter kämpferisch liebenswürdig lyrisch optimistisch pragmatisch rheinisch robust schwäbisch sonnig spröd unbekümmert verleugnen widersprechen widerstreben zupackend zurückhaltend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Naturell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Also habe ich gegen mein Naturell gearbeitet, und das geht auf Dauer nicht gut.
Der Spiegel, 06.11.2000
Angesichts des extremen Kleistschen Naturells möchte man die Frage mit Nein beantworten.
Der Tagesspiegel, 25.08.2000
Talent hat der junge Mann im Übermaß, doch sein Naturell macht ihm manchmal schwer zu schaffen.
Süddeutsche Zeitung, 16.02.1999
Der Vater fängt an, schlecht zu schlafen, ein ungewöhnlicher Zustand bei seinem Naturell.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 308
Seine sanfte und melodische Lyrik ist für das flämische Naturell charakteristisch.
Boereboom, Marcel: Lonque (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 36452
Zitationshilfe
„Naturell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Naturell>, abgerufen am 22.04.2019.

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