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Naturalien

GrammatikSubstantiv · wird nur im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungNa-tu-ra-li-en
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Naturalien‹ als Erstglied: ↗Naturalienkabinett · ↗Naturaliensammlung · ↗Naturalienschrank
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Sammelbegriff für landwirtschaftliche Produkte
Beispiele:
Es war nämlich so, daß der Pastor von Kummerow einen Teil seiner Entlohnung in Naturalien bezog [WelkHeiden282]
seinen Tagesverdienst, den er sich in Naturalien auszahlen ließ, hatte er großzügig auf den Tisch gelegt [BöllHaus94]
2.
in möglichst naturgetreuer Form aufbewahrte Tiere, Pflanzen und Mineralien, Schaustücke naturkundlicher Sammlungen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Natur · Naturforscher · Naturgeschichte · Naturkunde · Naturwissenschaft · naturwüchsig · natürlich · Naturell · Naturalien · Naturalismus · Naturalist · naturalisieren
Natur f. ‘Gesamtheit des Gewachsenen, Gewordenen, Landschaft mit Tier- und Pflanzenwelt, Wesen, Anlage, Charakter’, ahd. natūra (9. Jh.), mhd. natūre ist Entlehnung von lat. nātūra, eigentlich ‘Geburt, Geborensein’, einer Bildung zu lat. nātus ‘geboren’, Part. Perf. von lat. nāscī ‘geboren werden, entstehen, wachsen’. Eine Nebenform mhd. natiur(e) zeigt Einfluß von afrz. nature. In allen wichtigen Verwendungen folgt Natur den im Lat. vorgeprägten Bedeutungen. Naturforscher m. (17. Jh.), für älteres Naturkündiger (16. Jh.), ahd. natūrosago (um 1000). Naturgeschichte f. auch Naturhistorie (18. Jh.), lat. historia nātūrālis. Naturkunde f. (17. Jh.). Naturwissenschaft f. (18. Jh.). naturwüchsig Adj. ‘urwüchsig’, seit der 1. Hälfte des 19. Jhs. im Sinne von ‘frei organisch wachsend, sich naturnah entfaltend’. natürlich Adj. ‘der Natur gemäß, angeboren, nicht künstlich, unverbildet, ungezwungen’, adverbial im Sinne von ‘selbstverständlich, freilich’, ahd. natūrlīh (um 1000), mhd. natūrlich, natiurlich. Naturell n. ‘Veranlagung, Gemütsart’, im 17. Jh. entlehnt aus gleichbed. frz. naturel, Substantivierung des Adjektivs frz. naturel ‘natürlich, der Natur entsprechend’, das auf lat. nātūrālis ‘durch Geburt, durch die Natur entstanden’ zurückgeht. Naturalien Plur. ‘Erzeugnisse der Natur, landwirtschaftliche Produkte’ (17. Jh.), besonders ‘Lebensmittel’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus lat. nātūrālia (dem substantivierten Neutr. Plur. von nātūrālis, s. oben). Seit dem 18. Jh. auch im Sinne von ‘Naturmerkwürdigkeiten, Schaustücke naturkundlicher Sammlungen’, vgl. Naturalienkabinett, -kammer. Naturalismus m. weitestgehende Naturtreue anstrebende Kunstrichtung, in der bildenden Kunst, besonders der Malerei, seit etwa 1800; seit den 80er Jahren des 19. Jhs. (nach frz. naturalisme) auch Bezeichnung für eine literarische Schule unter Einfluß der französischen Literatur, vor allem Zolas. Naturalist m. ‘Vertreter des Naturalismus’ (19. Jh.), ‘Künstler ohne schulgerechte Ausbildung’ (18. Jh.), ‘Naturkundiger, -forscher’ (17. Jh.); weithin dem älteren Gebrauch von frz. naturaliste entsprechend. naturalisieren Vb. ‘einbürgern, die Staatsbürgerschaft verleihen’, Entlehnung des 17. Jhs. aus gleichbed. frz. naturaliser.

Thesaurus

Ökonomie
Synonymgruppe
Naturalien · Naturalwerte · Naturprodukte · Sachwerte
Antonyme
  • Naturalien

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgabe Bar Bezahlung Edelstein Form Fossil Geld Lohn Münze Sozialhilfe Zahlung auszahlen begleichen bezahlen entlohnen entrichten zahlen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Naturalien‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Anders als bei der weiblichen Prostitution allerdings erfolgt die Zahlung oft auch in Naturalien.
Die Zeit, 06.03.1981, Nr. 11
Zudem werden die staatlichen Leistungen künftig wöchentlich ausgezahlt, teilweise auch in Form von Naturalien.
Die Welt, 27.02.2004
Einflußreiche Leute zogen daher stets die Zahlung in Naturalien vor und setzten sie durch.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.), Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen: Mohr 1920 [1916-1919], S. 334
Herr Schorcht gibt sich mit Naturalien und hin und wieder einem alten Mantel, einer Hose zufrieden.
Rasp, Renate: Ein ungeratener Sohn, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1967, S. 82
Auch wird der Grundherr oft genug die Zahlung der Pachtsumme nicht mehr in Naturalien, sondern in Geld gefordert haben.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 27651
Zitationshilfe
„Naturalien“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Naturalien>, abgerufen am 17.09.2019.

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