Nassauer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Nassauers · Nominativ Plural: Nassauer
Aussprache
WorttrennungNas-sau-er
Wortbildung mit ›Nassauer‹ als Grundform: ↗Nassauerei · ↗nassauern
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich jmd., der auf anderer Leute Kosten lebt
Beispiele:
er ist ein richtiger, alter Nassauer
Anschleichende Nassauer, die gern ein paar fette Happen vom Vermögen des Österreichers geerbt hätten [TurekWende132]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nassauer · nassauern
Nassauer m. ‘wer sich auf Kosten anderer einen Genuß verschafft, von anderen freihalten läßt’, zuvor (19. Jh.) Ausdruck der Berliner Dirnen- und Diebessprache für ‘Mensch ohne Geld, Gast ohne Geld, nichtzahlender Bordellbesucher’ (auch nasser Junge), eine Bildung zu rotw. naß ‘ohne Geld’ und rotw. nassenen, jidd. noss(n)en ‘schenken, geben’ (vgl. Wolf Rotw. 228), in scherzhafter Anlehnung an den Orts- und Landesnamen Nassau. Vgl. berlin. for naß, per naß, uff de Nasse ‘umsonst’. Dazu nassauern Vb. ‘auf Kosten anderer essen, trinken, leben’ (Ende 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bettler  ●  Nassauer  ugs. · ↗Schmarotzer  derb · ↗Schnorrer  ugs. · ↗Zecke  derb, stark abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Absahner · Nassauer · ↗Nutznießer · ↗Schnorrer · Vorteilsnehmer  ●  ↗Schnäppchenjäger  fig. · ↗Abstauber  ugs. · Lauschepper  ugs., ruhrdt.
Assoziationen
  • Parasit · ↗Schmarotzer
  • Mitnahmeeffekt  ●  Mitnahmementalität  ugs.
  • (jemanden) finanziell belasten · (sich von jemandem) aushalten lassen · auf jemandes Kosten leben · eine finanzielle Belastung (für jemanden) sein  ●  (jemandem) auf der Tasche liegen  ugs.
  • (ein) Gierschlund (sein)  ugs. · (etwas) ist nie genug (für jemanden)  ugs. · den Hals nicht voll (genug) kriegen (können)  ugs., fig. · immer mehr (haben) wollen  ugs. · vom Stamme Nimm sein  ugs.
  • ohne es (wirklich / eigentlich) verdient zu haben · ohne, dass es gerechtfertigt wäre · ungerechtfertigterweise · ↗unverdienterweise  ●  ↗unverdientermaßen  Hauptform

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und so haben sie sich auf das „Fechten“ und „Nassauern“ verlegt.
Die Zeit, 24.07.1958, Nr. 30
Das Durchmogeln, Nassauern und Absahnen ist keine Erfindung der Politik.
Süddeutsche Zeitung, 08.09.1999
Es geht um Schlaumeier von heute, die mit Nassauern, Durchmogeln und Absahnen durchkommen wollen.
Süddeutsche Zeitung, 29.10.1997
Plötzlich sehen sie sich nicht mehr als Gäste, sondern in der Rolle von Zechprellern und Nassauern.
Die Zeit, 21.04.1997, Nr. 16
Diels und Robert hebe ich von den Nassauern allein hervor.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7601
Zitationshilfe
„Nassauer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Nassauer>, abgerufen am 22.04.2019.

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