Narrenhaus, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungNar-ren-haus (computergeneriert)
WortzerlegungNarrHaus
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich
Beispiele:
man kommt sich vor wie in einem Narrenhaus (= Irrenhaus)
man glaubt, man kommt in ein Narrenhaus
hier ist ja das reinste Narrenhaus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Narr · Narrenhaus · Narrenkappe · narren · vernarren · närrisch · Narrheit · Narretei
Narr m. ‘Tor, einfältiger Mensch’. Die Herleitung von ahd. narro (8. Jh.), mhd. mnd. narre, nhd. (bis um 1800) Narre (nl. nar, dän. nar, schwed. narr sind aus dem Dt. entlehnt) ist unklar. Vielleicht ist ahd. narro eine Entlehnung aus spätlat. *nario ‘Nasenrümpfer, Spötter’? Oder gehört das Wort mit frühnhd. narren, nerren ‘knurren’ (15. Jh.) sowie ↗nörgeln, (mit s-Anlaut) ↗schnarren, ↗schnurren (s. d.) zu der schallnachahmenden Wurzel ie. *(s)ner-, *(s)nur- ‘murren, knurren’? Das Substantiv bezeichnet in früherer Zeit auch den Geisteskranken, vgl. Narrenhaus n. ehemals ‘Käfig zur Schaustellung Geisteskranker’ (15. Jh.), ‘Räumlichkeit zur Verwahrung Geisteskranker’ (17. Jh.), Narrenkappe f. ‘Schellenkappe’ (15. Jh.), ↗Hofnarr (s. d.). Hierzu die Wendung an jmdm. einen Narren gefressen haben ‘närrische Vorliebe für jmdn. haben’ (16. Jh.). narren Vb. ‘irreführen, täuschen’ (16. Jh.); vgl. ahd. irnarrēn ‘sich der Torheit überlassen’ (10. Jh.), spätmhd. ernarren ‘zum Narren werden, sich wie ein Narr benehmen’. vernarren Vb. (reflexiv) ‘sich für etw. beigeistern, sich heftig verlieben’ (16. Jh.), mhd. vernarren ‘ganz zum Narren, zum Toren werden’. närrisch Adj. ‘unvernünftig’, mhd. nerrisch, auch ‘verkehrt’. Narrheit f. ‘närrischer Streich, Einfalt, Dummheit’ (16. Jh.); vgl. ahd. narrraheit ‘törichtes Benehmen’ (8. Jh.) und mhd. narrecheit. Narretei f. ‘Scherz, Posse, übermütiges Treiben, Unsinn’, Narr(e)they (Anfang 17. Jh.), hervorgegangen aus Narrenteiding ‘Verhandlung der Narren, Narrengeschwätz, Torheit’ (16. Jh.); zum Grundwort s. ↗verteidigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Nervenheilanstalt · ↗Nervenklinik · psychiatrische Anstalt  ●  Narrenhaus  veraltet · ↗Tollhaus  fig. · psychiatrische Klinik  Hauptform · ↗Irrenanstalt  ugs. · ↗Irrenhaus  ugs. · ↗Klapse  ugs. · ↗Klapsmühle  ugs. · ↗Psychiatrie  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Narrenhaus hat jeder das letzte Wort und setzt noch eins drauf.
Süddeutsche Zeitung, 15.10.1997
Viele von ihnen schreien und toben und reden seit langen Jahren hinter den Eisengittern des Narrenhauses davon.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 187
Das Faktum einer »richtig organisierten Vernunft« ist der einzige Schutz vor dem »Narrenhaus«.
Knittermeyer, H.: Fries. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 1527
Die Polizei hatte das Nachsehen und der alte Vater, ihr Vater, das Narrenhaus als letzte Instanz.
Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 378
Unter dieser Freitreppe finden wir das sogenannte „Narrenhaus“, eine Ausnüchterungszelle der Stadtpolizei, so würde man es heute nennen.
Die Zeit, 23.02.1981, Nr. 08
Zitationshilfe
„Narrenhaus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Narrenhaus>, abgerufen am 22.04.2019.

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