Mundart, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mundart · Nominativ Plural: Mundarten
WorttrennungMund-art (computergeneriert)
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eWDG, 1974

Bedeutung

landschaftlich und sozial begrenzte, überwiegend mündlich gebrauchte Sprachform; Dialekt
Beispiele:
die heimatliche, mecklenburgische Mundart
die deutschen Mundarten
eine (raue, kehlige) Mundart sprechen
in der Mundart schreiben
zu Hause fiel er sofort in seine breite westfälische Mundart zurück
Ihre Sprache gefiel ihm, der Anklang an eine Mundart, die dem ... Platt ähnelte [NollHolt2,131]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mund1 · munden · münden · Mündung · mündlich · Mundart · mundfaul · Mundraub · Mundwerk
Mund1 m. die durch die Lippen verschließbare Öffnung in der unteren Gesichtshälfte. Die etymologische Zuordnung von ahd. mund (8. Jh.), mhd. mnd. munt, asächs. mund, mnl. mont, nl. mond, anord. munnr, schwed. mun, got. munþs und (mit Nasalausfall und nachfolgender Dehnung des Stammvokals) asächs. mūð, afries. mūth, aengl. mūþ, engl. mouth (germ. *munþa-) ist nicht sicher bestimmbar. Möglich ist Verwandtschaft mit griech. masā́sthai (μασᾶσθαι, aus *μαθ-) ‘kauen, beißen’ und lat. (nasaliert) mandere ‘kauen’ und Annahme von ie. *menth- bzw. schwundstufig *mṇth- ‘kauen, Gebiß, Mund’, so daß Mund als ‘Kauer, Beißer’ gedeutet werden könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Verbindung mit kymr. mant ‘Kinnlade, Mund’ und lat. mentum ‘Kinn, Gebäudevorsprung’; dies würde auf eine Verbalwurzel ie. *men- ‘emporragen’ führen, deren in Nominalableitungen auftretende schwundstufige Erweiterung ie. *mṇt- eine Bedeutungsentwicklung von ‘Kinn’ über ‘Kiefer’ zu ‘Mund’ zeigt. munden Vb. ‘gut schmecken’ (16. Jh.). münden Vb. ‘sich ergießen, hineinfließen, enden’ (19. Jh.), wohl aus Mündung rückgebildet; doch vgl. ahd. munden ‘zusammenfließen’ (um 1000) sowie das Kollektivum ahd. gimundi n. ‘Mund, Flußmündung’ (9./10. Jh.), aengl. gemȳþe n. ‘Flußmündung’, in Ortsnamen ahd. Lechsgimundi, mhd. Gemünde, nhd. Gemünd(en), Schwäbisch Gmünd, Neckargemünd und Travemünde. Mündung f. ‘das Hinein-, Zusammenfließen, der Ort des Zusammenflusses’ (18. Jh.), häufig in technischer Verwendung anschließend an Mund im Sinne von ‘Öffnung’, vgl. Mündung eines Geschützes (18. Jh.). mündlich Adj. ‘durch den Mund geäußert, nicht schriftlich, nur in gesprochener Rede’ (16. Jh.), älter muntliche(n) Adv. (15. Jh.). Mundart f. natürlich entstandene Form der vorwiegend gesprochenen Sprache einer geographisch bestimmbaren Sprachgemeinschaft (17. Jh.), Ersatzwort für ↗Dialekt (s. d.). mundfaul Adj. ‘wortkarg, redefaul’ (19. Jh.), oft für gröberes maulfaul. Mundraub m. ‘Entwendung von Lebensmitteln in kleiner Menge zum sofortigen Verbrauch’ (18. Jh.). Mundwerk n. ‘Rede, gute Redegabe’ (16. Jh.), anschließend an Mund als Organ zur Hervorbringung sprachlicher Laute, besonders großes, flinkes Mundwerk in bezug auf die Neigung zu anhaltendem, unüberlegtem, respektlosem Sprechen.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Dialekt · Kulturdialekt · Mundart · ↗Regionalsprache · ↗Stadtmundart · regionale Sprachvariante · regionale Umgangssprache  ●  ↗Missingsch  fachspr. · ↗Regiolekt  fachspr.
Oberbegriffe
  • Verständigungsmittel · mündliches Kommunikationsmittel · schriftliches Kommunikationsmittel · verbales Kommunikationsmittel  ●  ↗Sprache  Hauptform
Unterbegriffe
  • Niederdeutsch · ↗Platt · ↗Plattdeutsch
  • Schweizerdeutsch · Schwyzerdütsch · Schwyzertütsch
  • Nordmittelfränkisch · Ripuarisch · Ripwarisch
  • Katharinensisch · Riograndensisch · riograndenser Hunsrückisch
  • Thüringisch-Obersächsisch  ●  Sächsisch  ugs., fälschlich
  • Südniederfränkisch  ●  Limburgisch  veraltet
  • Elsässerdeutsch · Elsässisch
  • Schlesisch · Schlonsakisch · Wasserpolnisch
  • Schtokawisch · Stokavisch
  • Kairinisch · Ägyptisch-Arabisch
  • Dienstmädchenkölsch · Wartezimmerkölsch
  • Cisalpinisch · Norditalienisch · Oberitalienisch · Padanisch
  • Jevanisch · Juden-Griechisch · Romaniotisch
  • Moselfränkisch · moselfränkischer Dialekt
  • Berliner Dialekt · Berlinerisch
  • Altniederfränkisch · Altniederländisch
  • Mitteldeutsch · Zentraldeutsch · mitteldeutsche Mundart · mitteldeutscher Dialekt
  • Kleverländisch · Nordniederfränkisch
  • Kölner Dialekt · Kölner Mundart · ↗Kölsch
  • Kirchenlatein · ↗Vulgärlatein  ●  latinitas culinaria  lat. · ↗Küchenlatein  ugs.
  • Fersentalerisch · Mochenisch
  • Samogitisch · Schemaitisch
  • Niederrhein-Deutsch · niederrheinisches Deutsch
  • Vorarlbergerisch · Vorarlbergisch
  • Tahmisch · livischer Dialekt
  • Kurländisch · Kuronisch
  • Galloitalienisch · Galloitalisch
  • Violer Dänisch · Viöler Dänisch · Viölsch
  • Dietsch · Mittelniederländisch
Assoziationen
  • Dialektbündel · Dialektcluster
  • berlinern · mit Berliner Dialekt sprechen
  • Dialekt(merkmals)grenze · ↗Sprach(merkmals)grenze  ●  ↗Isoglosse  fachspr.
  • (sprachliche) Eigentümlichkeit des Norddeutschen · ↗norddeutsch  ●  (ein) Borealgermanismus  fachspr. · (ein) Borealismus  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dialekt Hochdeutsch Hochdeutsche Hochsprache Schriftsprache Umgangssprache Wörterbuch alemannisch bairisch bayrisch elsässisch erzgebirgisch friesisch fränkisch heimatlich hochdeutsch niederdeutsch oberdeutsch obersächsisch ostpreußisch pfälzisch plattdeutsch rheinisch schlesisch schweizerdeutsch schwäbisch sächsisch süddeutsch toskanisch unverfälscht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mundart‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Westlich der Elbe finden wir das Wort in allen plattdeutschen Mundarten.
Die Welt, 11.07.2005
So fällt er dann schnell wieder in seine Mundart zurück.
Süddeutsche Zeitung, 02.04.1994
Die gesprochene Mundart dieser Angeln mag wunderlich genug geklungen haben.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 18685
Der Ausdruck ist scherzhaft gemeint und wird der sächsischen Mundart zugeschrieben.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 11
Er sprach die gleiche Mundart wie sie, gebrauchte die gleichen Worte.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 151
Zitationshilfe
„Mundart“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Mundart>, abgerufen am 21.05.2019.

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