Moral, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Moral · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungMo-ral
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Moral‹ als Erstglied: ↗Moralbegriff · ↗Moralcodex · ↗Moraldogma · ↗Moralgesetz · ↗Moralin · ↗Moralkeule · ↗Moralkodex · ↗Morallehre · ↗Moralpauke · ↗Moralphilosoph · ↗Moralphilosophie · ↗Moralprediger · ↗Moralpredigt · ↗Moralprinzip · ↗Moraltheologe · ↗Moraltheologie · ↗Moralvorschrift · ↗moralisieren · ↗moralwidrig
 ·  mit ›Moral‹ als Letztglied: ↗Arbeitsmoral · ↗Doppelmoral · ↗Herrenmoral · ↗Kampfmoral · ↗Kriegsmoral · ↗Parteimoral · ↗Scheinmoral · ↗Sexualmoral · ↗Sozialmoral · ↗Staatsmoral · ↗Steuermoral · ↗Unmoral · ↗Wirtschaftsmoral · ↗Zahlungsmoral
 ·  formal verwandt mit: ↗Moralität
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
System von geschichtlich gewordenen und gesellschaftlich bedingten sittlichen Grundsätzen, Werten und Normen, von denen sich die Menschen in ihrem Verhalten zueinander leiten lassen
Beispiele:
DDR die sozialistische Moral
DDR die Zehn Gebote der sozialistischen Moral
die christliche, bürgerliche Moral
er hat eine strenge, lockere, keine Moral
seine Moral hat doppelten Boden
er verstieß gegen, verletzte die öffentliche Moral
jmds. Moral (= sittliches Verhalten) ist gefestigt, verlogen, zerrüttet, untergraben
er hat die Moral eines Herrenmenschen
umgangssprachlich jmdm. Moral predigen (= jmdm. Vorhaltungen machen)
die Moral (= Stimmung, Zucht, Kampfgeist) der Truppe heben, verbessern
die Moral steigt, sinkt, ist gut, schlecht
DDR Die Beziehungen der Bürger werden durch gegenseitige Achtung und Hilfe, durch die Grundsätze sozialistischer Moral geprägt [Verfassung DDR21]
Jetzt fraß an der Moral der Kampftruppe hauptsächlich das wüste Feuer ... die schauderhaften Verluste [A. ZweigErziehung88]
2.
Lehre, sittliche Nutzanwendung
Beispiele:
die Moral einer Erzählung, Fabel, eines Märchens
Und die Moral von der Geschicht': / Bad' zwei in einer Wanne nicht! [BuschSauseschritt240]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Moral · moralisch · Moralist · moralisieren · demoralisieren · Mores
Moral f. ‘gesellschaftlich bedingtes System geltender Normen und Regeln sittlichen Verhaltens’ (18. Jh.), älter ‘aus einem Beispiel zu ziehende sittliche Nutzanwendung und Lehre’ (16. Jh., vgl. die Wendung die Moral von der Geschichte, 19. Jh.), danach ‘Sittenkunde, -lehre’ (17. Jh.). Auszugehen ist von lat. mōrālis ‘die Sitten betreffend’, einer Ableitung von lat. mōs (Genitiv mōris) ‘zur Regel gewordener Wille, auf innerer Gesinnung beruhende, gewohnheitsmäßige Tätigkeit, Sitte, Brauch’ (etymologisch verwandt mit ↗Mut, s. d.). Das im 16. Jh. geltende Neutrum Morale (entsprechend substantiviertem lat. mōrāle n.), Plur. Moralia, gerät im 17. Jh. unter den Einfluß von frz. la philosophie morale (nach lat. philosophia mōrālis) und wechselt zum fem. Genus über. moralisch Adj. ‘der Moral entsprechend, sittlich’ (16. Jh.). Moralist m. ‘Sittenlehrer, Moralphilosoph’, abschätzig ‘Sittenprediger’ (17. Jh.), frz. moraliste. moralisieren Vb. ‘sittliche Überlegungen anstellen’, abschätzig ‘als Sittenprediger auftreten’ (16. Jh.), frz. moraliser; demoralisieren Vb. ‘sittlich zersetzend wirken’ (18. Jh.), frz. démoraliser. Mores Plur. ‘Anstand, Benehmen, Lebensart’ (15. Jh.), lat. mōrēs Plur. (s. oben), zuerst in der humanistischen Schulsprache verbreitet; jmdn. Mores lehren ‘jmdn. zurechtweisen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ethik · Moral · Moralvorstellungen · ↗Sittlichkeit · ↗Wertesystem · Wertmaßstäbe · Wertvorstellungen · moralische Werte · sittliche Werte
Assoziationen
Synonymgruppe
Anstand · ↗Anständigkeit · ↗Lauterkeit · Moral · ↗Sitte · ↗Sittlichkeit
Assoziationen
Synonymgruppe
Moral · ↗Seelenlage · ↗Stimmung · ↗Stimmungslage · moralische Verfassung · Überzeugtheit von sich selbst
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstand Ethik Gebot Genealogie Gerechtigkeit Hüter Macht Menschlichkeit Moral Politik Recht Religion Sitte Truppe Unmoral Verfall Vernunft beweisen bürgerlich christlich doppelt herrschend intakt predigen sozialistisch toll untergraben verlogen Ästhetik öffentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Moral‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der neuen Politik der Moral konnte man sich nur schwerlich entziehen.
Die Zeit, 03.10.2007, Nr. 41
Es gibt dabei immer so etwas wie eine Moral der Geschichte.
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2004
Auch die Geschichte der sozialen Revolutionen kennt häufig eine messianische Moral.
Desroche, H.: Messianismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 11712
Die Moral hörte auf in dem Moment, wo Geld gezahlt wurde?
Friedländer, Hugo: Ein Presse-Skandal. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 24780
Ferner erziehen die Kinder den Lehrer zum Gehorsam gegen die Moral.
Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, Bd. 53, Nr. 1/2, 1901
Zitationshilfe
„Moral“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Moral>, abgerufen am 25.04.2019.

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