Mondkalb, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungMond-kalb
WortzerlegungMondKalb
eWDG, 1974

Bedeutung

salopp dummer, einfältiger Mensch
Beispiele:
wie ein Mondkalb (= begriffsstutzig) in die Gegend gucken
Welche Schlauköpfe und welche Mondkälber laufen da nicht herum [G. KellerFähnlein7,295]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mond · mondsüchtig · Mondkalb · Mondfinsternis
Mond m. ‘der die Erde umkreisende Himmelskörper’, dann überhaupt (seit dem 18. Jh.) ‘Trabant eines Planeten’. Die in der Wurzelsilbe miteinander ablautenden n-Stämme (germ. *mēnan-) mit der Bedeutung ‘Mond’ ahd. māno (8. Jh.), mhd. mān(e), mōn(e) ‘Mond, Monat’, asächs. māno, mnd. mnl. māne, nl. maan, afries. aengl. mōna, engl. moon, anord. māni, schwed. måne, got. mēna (germ. *mēnan-) stehen neben den unter ↗Monat (s. d.) aufgeführten Formen. Sie haben sich wohl durch Abfall des Dentals und Übertritt in die Flexion der n-Stämme in gleicher Weise aus der Ausgangsform ie. *mēnōt- (s. ↗Monat) entwickelt wie die unter ↗Neffe (s. d.) angeführten germ. Formen aus ie. *nepōt-. Die vergleichbaren außergerm. Bildungen für ‘Mond, Monat’ weisen ursprünglich fast alle ein -s- auf. Aind. mā́ḥ ‘Mond, Monat’, griech. mḗnē (μήνη) ‘Mond’, eine Ableitung von griech. mḗn (μήν) ‘Monat’, auch ‘Mondsichel’, lat. mēnsis ‘Monat’, air. ‘Monat’, lit. ménesis, (mundartlich) ménas ‘Mond, Monat’, aslaw. mĕsęcь, russ. mésjac (месяц) ‘Mond, Monat’ führen auf ie. *mēnes-, *mēns-, *mēs- ‘Monat, Mond’, das ebenso wie ie. *mēnōt- (s. oben) zur Wurzel ie. *mē- ‘messen’ (s. ↗Mal) gehört, so daß der Mond als ‘Zeitmesser’ zu erklären ist. Die Form nhd. Mond entsteht im 14. Jh. durch Vermischung von mhd. mōn(e) und mhd. mānōt, mōnōt (s. ↗Monat), breitet sich aber (obwohl von Luther verwendet) erst im 17. Jh. aus. Mond im Sinne von ‘Monat’ ist bis in die Gegenwart literarisch bezeugt. mondsüchtig Adj. ‘bei Mondschein schlafwandelnd’ (18. Jh.), älter mon-, mansuchtig (15. Jh.), monsüchtig (Luther) für lat. lūnāticus ‘auf dem Mond lebend, dem Mondwechsel unterworfen’; vgl. ahd. mānōdsioh (s. ↗Monat). Mondkalb n. ‘Mißgeburt’, zunächst einer Kuh (16. Jh.), bedingt durch den Aberglauben, der Mond habe Einfluß auf Geburten; dann allgemein als Schimpfwort. Mondfinsternis f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Einfaltspinsel · ↗(ein) Gimpel · (ein) Mondkalb · (ein) Simpel (sein) · (ein) schlichtes Gemüt · ↗(im Denken) schwerfällig · ↗dümmlich · ↗einfältig · nicht scharfsinnig · ↗stumpfsinnig · ↗töricht · ↗unbedarft · ↗verständnislos · von schlichter Denkungsart  ●  ↗(ein) Schaf  fig. · (sehr) einfach gestrickt  verhüllend · einfach gestrickt  fig. · ↗(ein) Schäfchen  ugs., fig. · ↗dusselig  ugs. · ↗dusslig  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mondkälber, Kinder, Möpse, Dichter und andere Wesen sind sprachlich unberechenbar.
Die Zeit, 25.10.2000, Nr. 43
Dass der Staat endlich mal bei sich spart, daran glaubt nur noch ein Mondkalb.
Bild, 14.01.2003
Bei Dora Libuda muss es so gewesen sein, dass die Ärzte sie wie ein Mondkalb angesehen haben.
Süddeutsche Zeitung, 22.06.2001
Die Schlittenhunde, sogar die Mondkälber, sind gut und leicht viermal so schnell im hohen Schnee wie der Mensch.
Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 57
Während dieser sich vom verschleierten Blick eines Knaben faszinieren läßt, ist Bob vom kuhäugigen Blick eines Mondkalbs gefesselt.
konkret, 1980
Zitationshilfe
„Mondkalb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Mondkalb>, abgerufen am 19.06.2019.

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