Mohr, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Mohren · Nominativ Plural: Mohren
Aussprache
Herkunftaus Mauruslat ‘Bewohner der nordafrikanischen Provinz Mauretanien’, dem Má͞urosgriech (Μαῦροςgriech) zugrundeliegt
Wortbildung mit ›Mohr‹ als Erstglied: ↗Mohrenkopf · ↗Mohrenwäsche · ↗Mohrrübe
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
veraltet (männliche) Person von (sehr) dunkler Hautfarbe aus Afrika südlich der Sahara oder mit von dorther stammenden Vorfahren
Die heute vielfach als diskriminierend angesehene Bezeichnung Mohr für einen dunkelhäutigen Afrikaner ist seit langem veraltet, wird aber in bestimmten historischen, literarischen o. ä. Kontexten nach wie vor tradiert und taucht gelegentlich noch archaisierend oder in bestimmten Redewendungen auf.
Beispiele:
Der württembergische Hof schätzte, wie andere Höfe auch, Mohren – meist freigekaufte Sklaven – als Repräsentationsobjekte, die die Reichweite der internationalen Beziehungen sichtbar machten und Festlichkeiten eine orientalische Note gaben. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2001]
Der Unterschied zwischen eher freundlichem Mohr und Neger zeigt sich schon darin, dass es keine den gehässigen Negermusik oder vernegern vergleichbare Wortbildungen mit Mohr gegeben zu haben scheint. [Die Welt, 19.04.2018]
Die Mohren-Apotheken verschwinden […] langsam, viele nach Jahrhunderten. Einige machen aus wirtschaftlichen Gründen dicht […]. Andere werden der politischen Korrektheit wegen umgetauft. Denn heute gilt Mohr als kolonialer, rassistisch diskriminierender Begriff. [Die Zeit, 01.06.2016 (online)]
Als Mohren bezeichnete man […] die dunkelhäutigen Afrikaner, die von den Kolonialmächten im 17. und 18. Jahrhundert nach Europa verschleppt wurden, um sie bei Hofe als Exoten vorzuzeigen. [Berliner Zeitung, 27.10.2004]
Im mächtigen Angriff überrennt der Dichter das allgemeine Vorurteil des Rassenhochmuts, stattet den Mohren Othello mit allen Gaben eines großen Herzens, mit Würde und ruhig-starkem Selbstbewußtsein, mit vertiefter Empfindung und mit einer Natürlichkeit aus, die seiner Umgebung fremd ist. [Neues Deutschland, 12.09.1953]
sprichwörtlich
Nach Friedrich Schiller, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (1781; 3. Akt, 4. Auftritt): Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.
Phrasem:
Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen (= jemand, der für andere eine Zeit lang von großem Nutzen war, wird nun, da er nicht mehr gebraucht wird, für entbehrlich erachtet und ungerecht behandelt).
Beispiele:
»Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.« Dieses Schiller-Wort wird gerne zitiert, bei Kündigungen und Büro-Intrigen. [Süddeutsche Zeitung, 02.08.2014]
Daß er [der Sportfunktionär] dann aber […] nach einem peinlichen Hin und Her gleichsam nach dem Motto »Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen« abgelöst wurde, war ihm übel aufgestoßen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.1998]
2.
Heraldik stilisierte Figur, vor allem Kopf eines dunkelhäutigen Afrikaners (Mohr (Lesart 1)) als Wappenbild
Beispiele:
Der Mohr ziert seit tausend Jahren die Wappen der Freisinger Bischöfe. [Der Standard, 29.04.2005]
Noch heute weht hier [im Inneren Sardiniens] keine italienische Fahne; die alte sardische Flagge, vier Mohren mit Augenbinden, dominiert. [Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2005]
Seinerzeit hörten die Korsen die Hymne [Marseillaise] schweigend an, entfalteten aber Hunderte von Fahnen mit dem korsischen Mohren. [Süddeutsche Zeitung, 13.05.2002]
Ein Mohr ziert Wappen und Brunnen des Städtchens [Möhringen], von dem aber niemand weiß, wie er seinen Weg in die württembergische Gemeinde fand. [Süddeutsche Zeitung, 27.08.1996]
Albrecht Dürer zeichnete 1525 anläßlich seiner Reise in die Niederlande die zwanzig Jahre alte Katharina, »Mohrin« des damaligen portugiesischen Gesandten Joano Brandano. Er war von ihrem Anblick offenbar so angetan, daß er fortan sogar in seinem Wappen einen »Mohren« führte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.1993]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mohr1 · Mohrenkopf
Mohr1 m. ‘Afrikaner, Neger’ (heute selten), ahd. mōr (8. Jh.), mhd. mōr(e) ‘Bewohner Mauretaniens (Marokkos), Äthiopiens’, dann auch ‘Mensch mit dunkler Hautfarbe’ (vgl. mhd. swarzer mōr), entlehnt aus lat. Maurus ‘Bewohner der nordafrikanischen Provinz Mauretanien’, griech. Má͞uros (Μαῦρος). Erst vom 16. Jh. an gilt Mohr ausschließlich für ‘Schwarzafrikaner’. Vgl. übertragenes mhd. hellemōr ‘Höllenmohr’, d. i. ‘der Schwarze der Hölle, Teufel’. Mohrenkopf m. rundes, süßes Gebäck mit Schokoladenüberzug (19. Jh.).

Mohair · Macheier · Mohr2 · Moor2
Mohair m. ‘Wolle der Angoraziege, Gewebe aus Angorawolle’, Übernahme (19. Jh.) von gleichbed. engl. mohair. Ausgangsform ist arab. muḫaiyar mit der Bedeutung ‘Gewebe aus Haaren’, daraus die Entlehnungen ital. mocajarro und frz. moncajar. Auf diesen beruhen einerseits engl. mohair (mit volksetymologischer Anlehnung an engl. hair ‘Haar’), andererseits (unter engl. Einfluß) frz. moire f. Als ältere Entlehnung aus dem Ital. (oder direkt aus dem Arab.?) begegnet nhd. Macheier m. ‘grobes Wollgewebe’ (19. Jh., vielleicht schon schweiz. 16. Jh. und mnd. 14. Jh.), und als Entlehnung aus frz. moire nhd. Mohr2, Moor2 m. ‘Seiden-, Kamelhaargewebe’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Farbiger · Mensch mit dunkler Hautfarbe · ↗Schwarzafrikaner · Schwarzer  ●  Mohr  veraltet · ↗Neger  derb, stark abwertend · ↗Nigger  vulg., stark abwertend, amerikanisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affäre Clown Figur Große Hemd Kopf Maure Neger Othello Seufzer Syrer Türke Unternehmensberatung arm berühmt edel eifersüchtig kohlpechrabenschwarz tun venezianisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mohr‹.

Zitationshilfe
„Mohr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Mohr>, abgerufen am 19.04.2019.

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