Minnesang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungMin-ne-sang
WortzerlegungMinneSang
eWDG, 1974

Bedeutung

historisch lyrische Dichtung der höfisch-ritterlichen Gesellschaft des 12. bis 14. Jahrhunderts
Beispiele:
Walther von der Vogelweide war der bedeutendste Vertreter des Minnesangs
Minnesangs Frühling [Buchtitel]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Minne · minnen · Minnesang · Minnesänger · Minnesinger
Minne f. ‘Liebe’ (heute nur noch altertümelnd oder scherzhaft), ahd. minna ‘helfende, fürsorgliche, auch religiöse Liebe, Zuneigung, Gedenken, Eifer, Verlangen’ (8. Jh.), mhd. minne ‘freundliches Gedenken, freundschaftliche, sinnliche, religiöse Liebe, Zuneigung’, auch ‘Beischlaf, Geliebte, Abschiedstrunk’, asächs. minnea, mnd. mnl. afries. minne, nl. min (germ. *menjō) ist verwandt mit den ein Dentalsuffix enthaltenden Formen mengl. mind(e), engl. mind ‘Sinn, Gedenken’, anord. minni (nn aus nþ) ‘Erinnerung, Andenken’, schwed. minne, got. gaminþi ‘Gedächtnis, Erinnerung’ (germ. *menþija-), mit Ablaut ahd. gimunt ‘Gedenken’ (9. Jh.), aengl. gemynd ‘Erinnerung, Verlangen, Liebe’, got. gamunds ‘Andenken, Gedächtnis’ (germ. *mundi-) sowie mit anord. munr ‘Geist, Leben, Wille, Wonne, Freude’, got. muns ‘Gedanke, Meinung’ (germ. *muni-). Diese Wortgruppe läßt sich mit den unter ↗mahnen (s. d.) genannten germ. und außergerm. Formen verbinden und an die dort genannte Wurzel ie. *men(ə)- ‘denken, geistig erregt sein’ anschließen. Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘liebendes Gedenken’, woraus sich bereits in mhd. Zeit (13. Jh.) ‘sinnliche Liebe’ entwickelt. Im 16. Jh. wird Minne als derbes, anstößiges Wort empfunden und weitgehend durch ↗Liebe (s. d.) ersetzt; erst die Beschäftigung mit der mittelalterlichen Literatur im 18. Jh. (durch Bodmer und Breitinger) bringt Minne wieder in literarischen Gebrauch. An eine andere Herleitung denkt D. Wiercinski Minne (1964), die ahd. minna von anord. minni ‘Erinnerung’ trennt, aus semantischen Gründen zu dem unter ↗meinen (s. d.) behandelten Verb stellt und Minne von Anfang an als ‘verbindende geistige Gesinnung der Glieder einer Gemeinschaft und deren konkrete körperliche Ausdrucksformen’ auffaßt. minnen Vb. ‘lieben’, ahd. minnōn ‘lieben, verehren’ (8. Jh.), mhd. minnen ‘beschenken, erkenntlich sein für etw., lieben (von religiöser, freundschaftlicher und körperlicher Liebe)’; wie das zugrundeliegende Substantiv vom 16. Jh. an gemieden und danach im Hinblick auf die mittelalterliche Literatur wieder aufgenommen. Minnesang m. ‘Liebesgedicht, literarisches Genre der mittelalterlichen höfischen Dichtung’, im 18. Jh. neu belebt nach mhd. minnesanc ‘Liebesgedicht’ (von der geistigen und der sinnlichen Liebe). Minnesänger, Minnesinger m. ‘Verfasser solcher Gedichte’ (18. Jh.), nach mhd. minnesenger, -singer.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dichtung Frühling Meistersang Melodie Ursprung höfisch mittelalterlich ritterlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Minnesang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er vermittelt am eindrücklichsten, wie schwierig es in lärmiger Umgebung geworden ist, Minnesang zu intonieren.
Die Zeit, 13.05.2002, Nr. 19
Eine neue aus Frankreich kommende ritterliche Bildung, die kriegerisch, christlich-kirchlich und ästhetisch-erotisch zugleich ist, erzeugt Minnesang und höfisches Epos.
Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 29
Hermann Damen ist die letzte große Gestalt des zentralen Minnesangs.
Husmann, Heinrich: Hermann Damen. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1957], S. 45394
Er träumte von edlen Rittern, von Minnesang und großem Kampf.
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2001
An dem Werk der romanischen Troubadours und des deutschen Minnesangs ist die Antike nur in geringen Spuren wahrzunehmen.
Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8159
Zitationshilfe
„Minnesang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Minnesang>, abgerufen am 18.03.2019.

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