Menschheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Menschheit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungMensch-heit (computergeneriert)
WortzerlegungMensch1-heit
Wortbildung mit ›Menschheit‹ als Erstglied: ↗Menschheitsbedrohung · ↗Menschheitsbeglücker · ↗Menschheitsbeglückung · ↗Menschheitsentwicklung · ↗Menschheitsgeschichte · ↗Menschheitshöhe · ↗Menschheitsideal · ↗Menschheitsproblem · ↗Menschheitstraum · ↗Menschheitsverbrechen · ↗menschheitlich · ↗menschheitsgefährdend
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Gesamtheit der Menschen, alle Menschen, das Menschengeschlecht
Beispiele:
die Entwicklung, Geschichte der Menschheit
die Tuberkulose war eine Geißel der Menschheit
er hatte seinen Glauben an die Menschheit verloren, wiedergewonnen
der Atomkrieg wäre ein Verbrechen an der Menschheit, ist eine Gefahr für die Menschheit
eine Erfindung für das Wohl, zum Wohle der Menschheit
die ganze Menschheit empört sich
er hat sich [Dativ] dadurch große Verdienste um die Menschheit erworben
der Abschaum der Menschheit
Sternstunden der Menschheit [St. ZweigSternstundenTitel]
salopp, scherzhaft jmdn. auf die Menschheit loslassenjmdn., der noch unerfahren ist, (nach abgeschlossener Ausbildung) sich selbstständig betätigen lassen
Beispiele:
einen jungen Arzt, Lehrer auf die Menschheit loslassen
den darf man nicht auf die Menschheit loslassen
2.
umgangssprachlich Menschenmenge
Beispiel:
so eine Menschheit auf dem Bahnhof!
3.
veraltet Wesen des Menschen, das Menschsein, Menschentum
Beispiel:
Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben – / Bewahret sie! [SchillerKünstler]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mensch · menschlich · Menschlichkeit · Menschheit · Menschenfeind · Menschenfresser · menschenmöglich · Menschenrecht · Menschentum · Übermensch · übermenschlich · Unmensch · Untermensch
Mensch m. höchstentwickeltes gesellschaftliches Lebewesen mit der Fähigkeit zu arbeiten und zu denken, ahd. mennisco m. ‘Mensch’ (8. Jh.), mhd. mensche, mensch m. n. ‘Mensch, Mädchen, Buhlerin, Magd, Knecht, das menschliche Geschlecht’, mnd. minsche, mnl. mensce, nl. mens sind aus einer Substantivierung des in ahd. mennisc (um 800), mhd. mennisch ‘menschlich, mannhaft’, asächs. mennisk, aengl. mennisc, anord. mennskr, got. mannisks vorliegenden Adjektivs germ. *manniska- hervorgegangen, einer Ableitung von dem unter ↗Mann (s. d.) behandelten Substantiv. Das im Mhd. auftretende Neutrum steht bis ins 17. Jh. ohne abschätzigen Sinn neben dem Maskulinum, bezeichnet jedoch seit dem 15. Jh. häufig eine ‘weibliche Person’, besonders die ‘Magd’, und wird seit dem 18. Jh. durchgehend abwertend gebraucht; dazu auch der Plural Menscher (17. Jh.). menschlich Adj. ‘den Menschen betreffend, ihm gemäß, hilfsbereit, gut’, ahd. mennisclīh (8. Jh.), mhd. menschlich ‘nach, von Menschenart’; dazu Menschlichkeit f. ‘Menschennatur, menschliche Würde, menschliches Gefühl, Freundlichkeit im Umgang mit anderen’ (16. Jh., Übersetzung von lat. hūmānitās, s. ↗Humanität), geläufig seit dem 18. Jh., vereinzelt ‘Menschheit’ (nur 17. Jh.); vgl. spätmhd. menschlīcheit ‘Zustand des Menschseins, Menschheit’. Menschheit f. ‘Gesamtheit der Menschen’, ahd. mennischeit ‘alle Menschen, menschliche Natur, Menschwerdung’ (um 1000), mhd. menschheit, menscheit ‘alle Menschen, Natur und Leben eines Menschen, Menschlichkeit’. Menschenfeind m. ‘Menschenhasser, -verächter’ (16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. misanthropus (s. ↗Misanthrop). Menschenfresser m. ‘Kannibale’, Übersetzung (17. Jh.) von gleichbed. lat. anthrōpophagus, griech. anthrōpophágos (ἀνθρωποφάγος); vgl. griech. ánthrōpos (ἄνθρωπος) ‘Mensch’ und phágos (φάγος) ‘Fresser’, phagé͞in (φαγεῖν) ‘essen, verzehren’. menschenmöglich Adj. ‘für einen Menschen möglich’ (18. Jh.), aus älterem menschmöglich (17. Jh.), das aus menschlich und möglich (16. Jh.) mit Ersparung der Suffixwiederholung zusammengerückt ist. Menschenrecht n. zunächst ‘von Menschen eingesetztes Recht’ (Ende 17. Jh.); Menschheitsrechte Plur. ‘dem Menschen von Geburt an zukommende Rechte und Würde’ (nach 1750). Danach (meist im Plur.) Menschenrechte ‘Reihe von Rechten, die die Stellung des Menschen in der Gesellschaft und sein Verhältnis zum Staat regeln’ (seit 1777). Durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und die französische Déclaration des droits de l’homme et du citoyen (1789) wird der Begriff zum politischen Schlagwort und mit seinem damaligen bürgerlichen Inhalt (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Recht auf Eigentum und Sicherheit sowie Widerstand gegen Unterdrückung) auch im Dt. geläufig; wahrscheinlich geht auch die vorherrschende Verwendung im Plural auf das frz. Vorbild zurück. Menschentum n. ‘Wesen des Menschen, das Dasein als Mensch’ (Anfang 19. Jh.), zuvor ‘Menschheit’ (17. Jh.). Übermensch m. in der Theologie gebildet (16. Jh.) aus übermenschlich Adj. ‘in jeder Weise über das durchschnittliche menschliche Vermögen hinausragend’ (Anfang 16. Jh.) zur Bezeichnung eines ‘moralisch überdurchschnittlichen Menschen, eines übermenschlichen Wesens’ (so noch im 18./19. Jh.); bei Herder im Sinne von ‘Heros, Halbgott, Genie’; bei Nietzsche (Zarathustra) im Gegensatz zum Durchschnittsmenschen ‘derjenige, der den Menschen überwunden hat’. Daran anknüpfend wird Übermensch (wie Herrenmensch, Gegensatz Untermensch, s. unten) zum Schlagwort der faschistischen Rassenideologie. Unmensch m. ‘brutaler, grausamer Mensch’, ahd. unmennisco ‘Nichtmensch’ (um 1000), spätmhd. unmensch ‘was nicht den Namen Mensch verdient, Bösewicht’, frühnhd. ‘Bestie, Kannibale, Zauberer’ (16. Jh.), ‘Menschenfeind’ (18. Jh.). Untermensch m. ‘niedriges Wesen, das sittlich unterhalb der menschlichen Stufe steht’ (18. Jh.); danach Schlagwort der Faschisten für die Opfer ihrer Unterdrückungs- und Ausrottungspolitik.

Thesaurus

Synonymgruppe
Erdbevölkerung · Menschheit  ●  ↗Menschengeschlecht  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Außenposten Befreiung Erbe Erlösung Feind Fortbestand Fortschritt Gedächtnis Geißel Geschichte Heil Kulturerbe Kulturgeschichte Rest Segen Sternstunde Untergang Verbrechen Weltkulturerbe Wiege Wohl Wohle Wohltäter Zukunft ganz gesamt leidend loslassen zivilisiert Überleben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Menschheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Wissen über die Menschheit lagert aber weiterhin auf privaten Servern.
Die Zeit, 13.02.2012, Nr. 07
Eine ewige Sehnsucht der Menschheit scheint ihrer Erfüllung näher zu kommen.
Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 41
Die Menschheit trägt in ihren Händen bereits zu viele der Samen ihrer eigenen Zerstörung.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1969]
Eine heilsamere Erziehung hätte es, wie wir rückblickend feststellen müssen, kaum geben können; den höheren Religionen ist die Menschheit zu großem Dank verpflichtet.
Toynbee, Arnold J.: Die höheren Religionen. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 28958
Das Wort Gottes an die Menschheit ist kein anderes als das Wort Gottes an sein Volk.
Baeck, Leo: Das Wesen des Judentums, Frankfurt a. M.: Kauffmann 1932 [1905], S. 61
Zitationshilfe
„Menschheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Menschheit>, abgerufen am 17.10.2019.

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