Menagerie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Menagerie · Nominativ Plural: Menagerien
Aussprache
WorttrennungMe-na-ge-rie
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1974

Bedeutung

veraltet Sammlung lebender wilder Tiere, die von herumziehenden Tierbändigern in Käfigen gehalten und zur Schau gestellt wurde, Tierschau
Beispiele:
eine Menagerie von Raubtieren zog von Ort zu Ort
als ich zum ersten Male eine große Menagerie sah [G. KellerGr. Heinrich4,85]
Tiergehege in einem Park
Beispiele:
umgangssprachlich, scherzhaft du hast ja eine ganze Menagerie zu Hause (= du hast ja ein Sammlung, Menge verschiedener Tiere zu Hause)
unsere Tierparks und zoologischen Gärten haben in den fürstlichen Menagerien früherer Jahrhunderte ihren Ursprung [Natur u. Heimat1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Menage · Menagerie
Menage f. ‘Ständer für Essig, Öl und Gewürze’, auch ‘Behälter mit Einsätzen zum Transport von Speisen’. Frz. ménage m. ‘Haushaltung, Hausgerät, Familie, Sparsamkeit, Zurückhaltung’ wird Anfang des 18. Jhs. als Femininum ins Dt. entlehnt. Im 18./19. Jh. lebt es, dem frz. Gebrauch folgend, in jetzt nicht mehr geläufigen Verwendungen wie ‘Haushalt, Sparsamkeit, Rücksichtnahme’ und ‘Truppenverpflegung’ (so im Öst. noch in jüngster Zeit). Die ebenfalls schon dem 18. Jh. angehörende Bedeutung ‘Speisenträger, Speisenkorb’ setzt sich bis in die Gegenwart fort. Sie liegt aber wohl nicht dem heute üblichen Menage ‘Gewürzständer’ (2. Hälfte 19. Jh.) zugrunde; dieses scheint vielmehr aus älterem Plat(t)menage (Campe 1801) gekürzt zu sein, das wiederum eingedeutscht ist aus Plat de Menage, einer seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. nachzuweisende Bezeichnung (frz. plat de ménage ist in diesem Sinne nicht gebräuchlich, statt dessen frz. huilier, surtout, auch ménagère). Nach FEW 6, 1, 194 f. ist in frz. ménage ein Deverbativum (afrz. manage ‘Wohnung, Haus, Hauswesen’, 12. Jh.) von afrz. maneir, manoir ‘wohnen’ (aus lat. manēre ‘bleiben, übernachten’, spätlat. ‘wohnen’, s. auch ↗permanent) zu sehen, das im 13. Jh. lautlich und semantisch unter den Einfluß von afrz. maison ‘Haus’ (aus lat. mānsio ‘das Bleiben, Nachtlager, Wohnung, Haus’, von lat. manēre), maisnede, maisniee ‘Hauswesen, Familie, Gesinde’ (aus vlat. *mānsiōnāta ‘was zum Haus gehört’, Ableitung von lat. mānsio, vgl. die Entlehnung mhd. massenīe ‘Gesinde, Gefolge’) gerät und zu afrz. maisnage, mesnage ‘Hauswesen, Gesinde, Gefolge’ umgestaltet wird. Menagerie f. ‘auf Jahrmärkten gezeigte Sammlung seltener Tiere, Tierschau’. Das von frz. ménage (s. oben) abgeleitete frz. ménagerie ‘voneinem Fürsten angelegte Sammlung fremder und seltener Tiere, Park mit Tiergehegen’ (ursprünglich ‘ländliches Anwesen mit Haustierhaltung’) wird Anfang des 18. Jhs. ins Dt. übernommen. Mit dem Aufkommen zoologischer Gärten entwickelt sich seit Mitte des 19. Jhs. die heutige eingeschränkte Bedeutung.

Thesaurus

Synonymgruppe
Menagerie · ↗Tierschau

Typische Verbindungen
computergeneriert

Garten Hund Landgraf Tier bunt ganz königlich seltsam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Menagerie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So tierisch die Menagerie vieler Bücher anmutet, so stark ist sie domestiziert.
Die Welt, 11.08.2005
Was kann da nicht alles abhanden kommen bei einer unsicheren Menagerie zwischen besorgten Partnern.
Süddeutsche Zeitung, 18.07.1995
Die einer Menagerie entlaufenen Tiere verfallen dann dem, der sie einfängt oder tötet.
Welt und Wissen, 1927
Auch nicht so künstlerisch interessant arrangiert wie etwa die kunstgewerbliche Menagerie zu München.
Ball, Hugo: Flammetti. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 5038
Nachdem die ganze Menagerie übereinander hergefallen war, wurde der Urteilsspruch gefällt.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 25
Zitationshilfe
„Menagerie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Menagerie>, abgerufen am 22.10.2019.

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