Maulaffe, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
WorttrennungMaul-af-fe (computergeneriert)
WortzerlegungMaulAffe
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
abwertend Maulaffen feilhalten (= gaffend, untätig herumstehen)
Beispiel:
halte hier nicht Maulaffen feil!Quelle: WDG, 1974
2.
veraltet, abwertend Gaffer
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maul · maulen · Maulaffe · Maulkorb
Maul n. Die Bezeichnung für die Mundöffnung verschiedener Tiere ahd. mūla f. (10. Jh.), mhd. mūl(e) n., mūle f., auch ‘menschlicher Mund’, mnd. mūl n., mūle f., mnl. mūle, muul f. m., nl. muil m., afries. mūla, anord. mūli m. ‘obere Lippe eines Tieres, Maul, Landspitze’, schwed. mule ‘Maul’ (germ. *mūla- m., *mūlō f., *mūlōn n.), dazu vgl. auch got. faúrmūljan ‘das Maul verbinden’, läßt sich zu (unterschiedliche weiterbildende Formantien aufweisenden) außergerm. Verwandten wie griech. mýllon (μύλλον) ‘Lippe’, aind. mū́kaḥ, griech. mykós (μυκός), myttós (μυττός), lat. mūtus ‘stumm’ stellen. Auszugehen ist von einer Schallwurzel ie. *mū̌- ‘einen dumpfen Laut von sich geben (auch mit geschlossenem Mund), undeutlich reden, unartikuliert murmeln’, aber auch ‘stumm’ sowie ‘Mund, Maul’ (s. auch ↗muhen, ↗mucken, ↗Mops). Die im Mhd. eingetretene Erweiterung der Anwendung auf den menschlichen Mund gilt (nicht pejorativ) noch heute in vielen Mundarten. maulen Vb. ‘mürrisch, trotzig reden und aufbegehren, schmollen’ (16. Jh.). Maulaffe m. ‘mit offenem Mund gaffender Mensch’ (15. Jh.), in der Wendung Maulaffen feilhalten ‘mit offenem Mund untätig herumstehen und zusehen’ (18. Jh.), älter Maulaffen feil haben (17. Jh.). Möglicherweise bezeichnet Maulaffe ursprünglich den als menschlichen Kopf geformten Kienspanhalter aus Ton, in dessen geöffneten Mund der Kienspan gesteckt wird. Maulkorb m. ‘Beißkorb für Tiere’, auch ‘Futterkorb’, den man den Tieren umhängt (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Neugieriger · Schaulustiger · Umstehender · ↗Zaungast  ●  ↗Gaffer  ugs. · Maulaffe  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Maulaffen feilhalten · dastehen und nichts tun · den anderen beim Arbeiten zusehen · untätig dabeistehen (und glotzen) · untätig danebenstehen (und zugucken) · untätig zusehen  ●  (dasitzen und) Löcher in die Luft starren  fig. · ↗(untätig) herumstehen  Hauptform · dastehen und Löcher in die Luft starren  fig. · (sich) die Beine in den Bauch stehen  ugs., fig. · ↗dabeistehen (und Däumchen drehen)  ugs.
  • Spanner · ↗Voyeur
  • neugierig · schaubegierig · schaugierig · ↗schaulustig · sensationssüchtig  ●  ↗voyeuristisch  abwertend, fig.
  • aufregungssüchtig · ↗effekthascherisch · ↗sensationsgierig · ↗sensationshungrig · ↗sensationslüstern  ●  ↗reißerisch  Hauptform · ↗sensationsgeil  ugs.
  • (unbeteiligter) Zuschauer · ↗Gaffer · Unbeteiligter · nicht auf der Gästeliste (stehen) · nicht eingeladen · ungebetener Gast  ●  nicht geladener Gast  Hauptform · ↗Zaungast  ugs.
  • (erst einmal) nichts zu sagen wissen · (sehr) erstaunt sein · ↗(sich) wundern · ↗angaffen · aus dem Staunen nicht mehr herauskommen · ↗bestaunen · ↗bewundern · kaum glauben wollen (was man sieht) · kaum glauben wollen (was man zu hören bekommt) · mit offenem Mund dastehen · nicht schlecht staunen (Verstärkung) · seinen Augen nicht trauen (wollen) · seinen Ohren nicht trauen (wollen) · ↗staunen · verwundert anstarren  ●  (den) Mund nicht mehr zubekommen  ugs. · (jemanden) anstarren wie ein Wesen vom anderen Stern  ugs., variabel · (jemanden) anstarren wie einen Marsmenschen  ugs. · Bauklötze staunen (Verstärkung)  ugs. · Glotzaugen machen  ugs. · Kulleraugen machen  ugs. · doof gucken  ugs. · große Augen machen  ugs. · gucken wie ein Auto  ugs., veraltend · wer beschreibt mein Erstaunen (als)  geh., literarisch, variabel, veraltend, floskelhaft

Typische Verbindungen
computergeneriert

feilhalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Maulaffe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber unser gnädigster Landesherr ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatz aufmarschieren und die Maulaffen niederschießen.
Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 12
Noch sind diese Widerborste und Maulaffen nicht als Publikum stillgelegt, das sein Erlebnis will und sein Ereignis kriegt.
konkret, 1989
Ganz anders als mit dem Maulwurf steht es nun aber mit dem Maulaffen.
Die Zeit, 17.10.1946, Nr. 35
Die Mehrheit stand und hielt Maulaffen feil und bestaunte das «Wunder in der Genshagener Heide».
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 247
Der grösste Fehler war immer, das Manuskript schon vor der Aufführung den Maulaffen zwischen Hamburg und München vorgeworfen zu haben.
Die Zeit, 14.12.2009, Nr. 50
Zitationshilfe
„Maulaffe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Maulaffe>, abgerufen am 22.04.2019.

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